Schöne Momente
 
 
Unser digitales Logbuch – sucht euch ein Datum aus und klickt durch unseren Alltag. Ihr findet Berichte, Photos & Gedanken; vieles was uns täglich bewegt .
 
 
 

Juni 2008
Santorin bis Malta

der lange Trip von Griechenland bis Malta und rund Malta

Juni 2008:

22. Juni bis 2. Juli 2008 Malta - Silema Creek / Schwert basteln  

 

Zum Glück ist die Segelyacht 'Odin' mit Steffi&Bertel hier, da kommen wir wenigstens ein bissl zum feiern und lassen uns auch Pizza und Fussball nicht entgehen. Das Schwertbauprojekt zog sich nämlich deutlich länger hin, als geplant. Auch sind wir mit dem Ergebnis mässig zufrieden (ok, so übel ist es auch wieder nicht), so dass die letzten Tage stimmungsmässig kritisch waren. Die letzten 1,5 Wochen waren 'überschattet' vom Schwertbau, neben den anderen Sachen, die wir noch zu erledigen hatten. Touriprogramm ...? Leider null.

Dies war auch der Grund, warum im Logbuch die letzten Tage ziemliche Funkstille herrschte. Wir hoffen, ihr habt Nachsicht.

Inzwischen haben wir auch unsere Achterstagen gekürzt, da wir sie nicht mehr nachspannen konnte. Deswegen verweilen wir noch mindestens bis Donnerstag hier an unserer Mooring, da wir gerade unsere Isolierung für die SSB Funkantenne des einen Achterstages bestellt haben. Das dauert 48h per Expresslieferung aus England. Ab Donnerstag haben wir dann, wenn alles klappt, ein abisoliertes Achterstag, was eine prima Antenne für unsere Amateurfunke ist. Schon häufig versprochen... aber wenn alles glatt geht, schreiben wir bald Emails von hoher See.

Sonst ist es aber ganz nett hier - keine Traumbucht, aber sehr praktisch, tagsüber basteln, dann rein ins Wasser, zum Nachbarboot rüberschwimmen und Kaffee trinken. Am Schwert dürfen wir nur bis 16 Uhr arbeiten, da es ja in der Werft liegt und dort um 16 Uhr Feierabend ist. Aber an Bord warten ja genug andere Projekte.....

Vor dem EM Endspiel wurde auf der BAJU lecker BBQ gemacht und alle Mann anschliessend in die Stadt um Fussi zu schauen.

Seit ein paar Tagen ist nun auch die Eiland mit Ulli und Imke da. Die hatten wir das letzte mal auf Symi getroffen. Der Katamaran 'Fun Too' ist auch ein neuer Nachbar. Gerd & Gertrud sind gute Freunde von Ramin´s und sind seit 30 Jahren unterwegs. Wie klein die Welt doch ist. Auf 'unserem' Ankerplatz liegen momentan 10 Yachten, vor einer Woche waren wir noch alleine - ein Mix aus Anfängern, Weltumseglern und Mittelmeer Cruisern. Super interessant, da jeder andere Geschichten erzählt.

Gestern war geselliger Abend ... 'natürlich' an Bord des Katamaran's BAJU, da wir am meinsten Platz zum sitzen, quatschen und feiern anbieten können. 12 Leute auf BAJU - Rekord. Eine sehr geselliger Abend!


Das ist ist die Crew der Odin - Steffi und Bertel.


Dinghi-Karusell an BAJU's Heck....

Gerd und Traudel von der FUN TOO berichten von Tunesien...

Die ODIN von Steffi & Bertel

Die EILAND von Imke & Ulli
     
14 - 21. Juni 2008 Rund Malta - Gozo - Comino
 
  Fullhouse mit Full-Moon-Party
eine geile Woche segeln rund um die drei Inseln mit Kalle & Alex, Frauke, Ivonne, Mike und Magge.
Siehe unter Fotos & Stories alles im Detail. Hier geht´s lang...

20.6.2008 (Il-Hofra z-Zghira-Bucht) Liegen umgeben von tollen Gesteinsformationen und Arches

20.6.2008 (Golden Bay / Malta) Mist, jetzt Westwind (Tufieha Bay/ Malta)Wegen zu viel Schaukelei in die Nachbarbucht verholt. Superstark und gegen Dünung geschützt. Jetzt Richtung Marsaxlokk

19.6.2008 (rund Gozo - blue Lagoon/ Malta) Nach 2 Tagen in der Ramla Bay (gekitet und gesurft) sind wir gestern rund Gozo, sogar unter Segel. Dann 1st BAJU FULL MOON PARTY in der blauen Lagune. Super Event. Fotos folgen. Treiben geradew Richtung Golden Bay Nähe Popeye Village.

17.6.2008 (Ramla Bay/Malta) Hier ne nette Bar zum Fußball gucken gefunden (Anm. der Redaktion: Deutschland : Österreich EM)

15.6.2008 (Comino/ Malta) Grüße aus der blauen Lagune. NACHTRAG: Ab 13 Uhr ist die Lagune nicht mehr blau da zu viele Boote. Aber Morgens und Abends genial.

15.6.2008 (Malieha Bay/ Malta) Sind gestern in 3 Schlägen in die Melieha Bay gekreuzt.

14.6.2008 (Valetta / Malta): Not so much is happening here. We are preparing BAJU for the 6 people, which come on board tomorrow. 200l of water, 150l of diesel, … and I found a spot, where I can repair the dagger board after the charter week. Ich hab die Tage die Motoren gewartet… Motor-, Getriebeoelwechsel beim NISSAN und den kleien Honda. Dann noch Schlaeuche vom Wassermacher gewechselt. Das Wasser hat Mist geschmeckt und wir denken, das es von den billigen Scheissschlaeuchen aus der Tuerkei kommt. Neben der ganzen Schafferei haben wir es vor 2 Tagen wenigstens mal kurz durch die Altstadt vn Malta geschafft. Schon beeindruckend hier. Im Mittelalter war hier durhc den Johanniterorden ordentlich Macht und Kohle. Dei Malteser sind super nett,so richtig ein Inselvölkchen – jeder kennt jeder und alle wollen einen helfen. Echt Klasse. Wir liegen hier an einer Mooring vor der Werft. Ich echt gut.Die Schiffslädensind alle in der Naehe, man schaut auf die Befestigungsanlagen der Altstadtund köönte, wenn man Zeit hat mit der Faehre in 7min zur Altstadt schippern. Nach der Woche werden wir hier wieder festmachen. Dann bastel ich Schwertnund wir kommen offentlich auch dazu, Valetta zu entdecken

10.6.2008 (Valetta / Malta) In 12 Stunden (6 bis 6) die 80 Seemeilen nach Malta gerockt. Herrliches segeln! Außenborder geht nicht. Grrr....

6 - 9 .Juni 2008 Siracusa (Sizilien)  

Macht zu viel Diesel trinken krank?

Erstmal ein bisschen ausruhen! So taten wir eigentlich am Freitag, den Tag nach der Ankunft, nicht viel ausser das Schiff klarzumachen. Was auch immer klarzumachen war, denn das Dieselprojekt mußte ja noch durchgezogen werden.
Schön war, als uns ein Bekannter aus Marmaris von der Segelyacht UNICORN spontan besuchte, der seit ein paar Tagen in dieser toll geschützten Bucht vor Anker liegt. Nach so langer Zeit 'alleine' auf See freuten wir uns über Besuch. Wir haben ja mindestens 5500 Wörter Defizit angestaut, die raus mußten. Oh Mann, der arme Junge mußte sich unsere Geschichten anhören.... ;-) Er konnte sich aber beim abendlichen Wein trinken 2 Tage später revanchieren.
Interessant ist, das er damals Windsurfwettkämpfe bestritten hat, einmal sogar gegen Björn Dunkerbeck. Er ist natürlich monster-heiss auf unser Equipment an Bord, da sie selber kein Material dabei haben (-können, zu wenig Platz - halbes Schiff halt). Da sie auch auf Westkurs sind, werden wir uns sicherlich auf den Kapverden zum Surfen wiedersehen. Heike hat ihren Surflehrer gefunden ;-)

Neben ein bisschen Stadtbummel und einem Lidl-run war das Dieselprojekt an der Reihe. Wie schön 2 Tage ununterbrochen mit Diesel zu panschen. Wir haben den restlichen Tankinhalt abgepumpt (immerhin noch 80Liter), den Tank und alle Leitungen gereinigt und nach Tankstellenschlepperei jetzt wieder 70 Liter reingegossen. Voll wird in Malta getankt, da dort der Sprit erheblich billiger ist.
Ich habe tatsächlich noch eine verbaute Tanköffnung gefunden, die zwecks Reinigung freigelegt werden konnte, aus der ich noch etlichen Ekelschleim und Wasser rausholen konnte.
Hatten wir vorher wirklich Diesel im Tank oder haben wir jetzt versehentlich Benzin getankt?? Was jetzt im Tank schwimmt sieht so ganz anders aus als die trübe Brühe, mit der wir unseren armen NISSAN Diesel gequält haben. Wie der sich jetzt über den neuen Diesel freuen muss. Drücken wir mal beide Daumen, das mit der Aktion das Kapitel 'Scheissdiesel' abgeschlossen ist.
Ach ja,und der zweite Solarregler wurde eingebaut. Da seit kurzem der Wassermacher in Betrieb ist und fett Strom verbraucht, produzieren die Solarzellen knapp 20A, was aber an der Belastbarkeitsgrenze des ersten Reglers liegt. Hurra, wieder ein Projekt abgeschlossen! Welch' produktives Wochenende.


Die nette Altstadt von Siracusa mit leckerer Pizza auf die Hand


Blick aus unserem Balkon (die Altstadt von Siracusa) - da der Wind jeden Tag hier mindestens um 360° dreht, haben wir welchseldes Panorama :-)

 

1. bis 5. Juni 2008 - Überfahrt von Santorin in Griechenland Richtung Malta, Touchdown: Sizilien (Siracusa)

Wie, nicht Malta? Wir wollten doch nach Malta segeln. Nun ja, also eigentlich sind wir ja ganz froh, es hierher geschafft zu haben. Gerade im Mittelmeer kommt wohl alles ein bisschen anders als man denkt. Aber der Reihe nach, das Logbuch unserer ersten grossen Reise:    

 

1. Juni, 13:58 Uhr 

Vollzeug, Am-Wind, 5-8Kn

Mit voller Besegelung gleiten wir durch den Vulkankrater von Santorin - super!

1. Juni, 16:30 Uhr

Delphine

Gibt es weiße Delphine? Oder waren es Wale? Die Schnauze war auf alle Fälle nicht so lang und dünn wie bei typischen Delphinen. Kommt auf die "Wikipedia-Nachguck-Liste". 5-7 große Fiecher schwirten um unser Boot. Toll!  

1. Juni, 19:00 Uhr

N 36° 00.930
E 24° 59.790

6kn Geschwindigkeit, Kurs 210°  

1. Juni, 20:30 Uhr

N 35° 53.130
E 24° 53.880
4kn, Kurs 210°

Der tolle Sonnenuntergang wird am Vorschiff im Netz zelebriert. Wir freuen uns auf unsere erste Nacht auf See und sind ein bisschen aufgeregt. Nachtwache? Wie machen wir das eigentlich? 2 Stunden Wache - zu kurz. 4 Stunden - zu lang. Also nachts 3 Stunden die Nase. Am Tag auch Wache einteilen? Mmmh, las' erstmal sehen wie's läuft. Grundsätzlich wollen wir es folgendermaßen handhaben und mal sehen wie's klappt:
20 - 23 Uhr, 23 - 2 Uhr, 2 - 5 Uhr und 5 - 8 Uhr. Dies dann täglich in anderer Reihenfolge oder nach Verhandlung.

2. Juni, 0:25 Uhr

N 35° 41.340
E 24° 38.160
6kn, Kurs 240°

Wir segeln immer noch.... läuft gut. Nicht viel Verkehr, eigentlich ist niemand da.  

2. Juni, 2:20 Uhr

N 35° 38.000
E 24° 28.010
Wende, neuer Kurs 355°

Wer hat denn eigentlich den Mond geklaut? Seit Tagen ist der Nachtball verschwunden. Wenn man ihn mal braucht...
In stockfinsterer Nacht Am-Wind bei leicht drehenden Winden zu segeln bzw. eine Wende zu fahren ist gar nicht einfach! Man glotzt gespannt auf den Kompass, da sonst um einen herum ohne Mond ja alles schwarz ist, und versucht irgendwie das Schiff zu lenken, damit die Segel stimmen oder es auf den vorher überlegten Kurs dreht. Macht man ein Lichtchen an, um die Segel zu kontrollieren, sieht man die nächsten 3 Minuten gar nichts mehr. Macht man keins an, kann man nur erahnen, wie die Segel stehen. Kompassnadel 40° zu weit links.... äääääh, wie rum muss ich jetzt nochmal das Ruder drehen? Nach rechts, nein, nach links,.....
"Schatz, kommst du mal raus, das Segel steht back. Können wir noch mal 2 Wenden fahren?" Das pflegt die Beziehung, wenn der ander eine Mütze Schlaf nehmen will :-))
 

2. Juni, 5:30 Uhr

N 35° 52.250
E 24° 23.700

Dämmerung, 4kn, Kurs 300°  

2. Juni, 7:00 Uhr

N 35° 53.622
E 24° 19.112

Wind weg, Maschine an  

2. Juni, 8:30 Uhr

Coast Guard

Aus heiterem Himmel taucht ein Schnellboot der Coast Guard auf. Ohh Gottogott, was passiert denn jetzt? Schnell die Hand-UKW-Funke geholt, da man ja mit der fest installierten innen nichts anfangen kann, weil drinnen der Motor so laut dröht. Man gibt uns zu verstehen: Kanal 20.
Wir befinden uns in einem U-Boot Schießgebiet und sollen das Gebiet auf Kurs 270° schnellst möglich verlassen! Mmmmh stimmt, die Karte sagte so etwas (wurde aber bei der Kursplanung vollkommen vernachlässigt). Ok Jungs, ihr seid die Chefs. Neuer Kurs 270°. Das "schnellst möglich" bei uns unter Maschine nur 5kn Geschwindigkeit bedeuteten begriffen und akzeptierten die Jungs schnell. Was sollten sie auch machen?
Was wäre dies ein blödes Ende so kurz nach dem Anfang: BAJU vor Kreta von 2 U-Booten versenkt, Mannschaft geborgen.
Für 2 Stunden begleitete uns das Schnellboot, mal vor, mal hinter uns. Die Jungs haben die Zeit wohl ersteinmal für ein schön langes Frühstück weit auf dem offenen Meer genutzt. Hätten wir auch so gemacht :-)
 

2. Juni, 11:05 und 11:43 Uhr

Armeehubschrauber

2 Mal kreiste ein Armeehubschrauber über uns, um uns klipp-und-klar zu machen, wer hier der Boss ist. Wir spielten in deren Schießübungen wohl der böse Feind, der in die Flucht geschlagen werden sollte. Ist auch gelungen, wir waren schwer beeindruckt!  

2. Juni, 13:30 Uhr

N 35° 49.150
E 23° 44.300
Motor aus. NO-Wind, 4kn

Endlich wieder Wind! Und eine herrliche Ruhe nach 6,5h motoren.  

2. Juni, 20:30 Uhr

N 35° 50.859
E 22° 59.877

6kn, Kurs 290°
Schönes Segeln!


3. Juni, 00:30 Uhr

Sturm, Großsegel geborgen. Genua gerefft und Großbaum gesetzt,durschschnittlich 6kn, 14,7kn Spitze(!)

Wie vorhergesagt: Die Windblase ist da! Innerhalb von 2-3 Stunden drehte der Wind auf komplett achterlich und frischte stark auf. Bei Nacht den 6 Meter langen Genuabaum setzen. Well, irgendwann ist immer das erste Mal, aber das klappte überraschend gut. Sowieso klappt das Reffen (kl. Seglerkunde: das Reduzieren von Segelfläche) nach kleinen Optimierungen im Ganzen schon recht ordentlich.  

3. Juni, 04:00 Uhr

N 35° 54.357
E 21° 56.440

Fock weiter reduziert, es regnet leicht.  

3. Juni, 06:00 Uhr

Fock 5m2, Vor-dem-Wind Kurs, Wind 35kn, Welle 2-3 Meter

Nach einer recht schlaflosen Nacht ging es jetzt, wie vorhergesagt, richtig los. Was 'richtig los' aber bedeutete, hatten wir ja eigentlich keine Ahnung. 35kn Wind von hinten halt...
Der Wind war es auch nicht, der respekt einflössend war, sondern die Wellen, die fast schlagartig auf 2-3 Meter anwuchsen. Das erste Mal hatten wir Wellen, die, wenn man stehend hinten aus dem Cockpit herausguckt, höher sind als der Horizont. Das bedeutet, das man den Blick nach hinten gerichtet nur noch Welle sieht.
Eine schwere Bö fegte die Cockpitplexiglasscheibe aus ihrer Verankerung. Zum Glück nicht gleich über Bord, so daß wir sie bergen konnten. Ja, es war Sturm.
Interessanterweise hatten wir immer noch SMS Handyverbindung zur Basisstation und kamen uns in der Situation nicht so sehr alleine vor. Seelisch half das schon sehr. Es war doch unser erster richtiger Sturm.

3. Juni, 11:30 Uhr

N 36° 06.570
E 20° 51.220

BAJU sufte die Wellen runter, als wäre er ein Surfbrett. Diese Momente hielten wir aber absichtlich so selten wie möglich, da es schon arg beängstigend war, so schnell so einen großen Berg mit seinem Apartment hinab zu gleiten. Irgendwann zu dieser Zeit streikte kurz 'Günther', unsere Selbststeueranlage, und Stefan übernahm das Ruder. Da die Wellen jetzt auch noch vereinzelt oben weiß-schäumend am Kamm abbrachen, zogen wir es vor selbst zu steuern. Ein Querschlagen zur Welle hätte jetzt wohl größere Konsequenzen. Nun können wir uns auf alle Fälle die Seglergeschichten vorstellen, die berichten 2 Tage nicht schlafen, essen oder aufs Klo gehen können, da sie das Ruder nicht aus der Hand geben konnten. 6 Stunden stand Stefan am Ruder, der Blick nach hinten zu den heranrauschenden Wellen gerichtet.

3. Juni, 13:30 Uhr

N 36° 14.100
E 20° 35.260
durchschnittlich 8kn Speed, Wellen brechen um uns herum, teilweise unter dem Schiff, gemessene 35kn Wind

Sind wir tatsächlich freiwillig hier?? Hätten wir gewusst, was uns erwartet, wären wir garantiert nicht losgesegelt. Die Situation war immer unter Kontrolle (glauben wir auf alle Fälle) und BAJU machte das alles ganz prima aber freiwillig so ein heavy-Programm... ach nööööö. Anyway, wir waren wohl zur Zeit in der Defensive. Rock 'n' Roll - weiter ging's.
Nach vorne trauten wir uns eigentlich beide nicht so richtig zu schau'n, da es wirklich beängstigend war, diesen Berg hinunter zu sehen. Waren jetzt manche Wellen 4 Meter hoch, guckt man ja vom Wellenkamm 6-7 Meter ins Wellental hinab! Wie beim Achterbahnfahren.
Monstger-laut wurde es immer wenn eine Wellen brach und so einen Höllenlärm unter BAJU machte. Man dachte manchmal, dass ganze Schiff fällt auseinander, wenn innen im Salon der Tisch wie bei einem Erdbeben wackelte. Aber wir haben ja einen hochsetüchtigen, stabil gebauten Alukatamaran, der das alles lecker weg zu stecken wusste, machten wir uns in diesen Momenten Mut.
Auf Bildern wirkt so ein Sturm komplett lächerlich, wie wir von Seglerbüchern natürlich wussten, trotzdem holten wir mal die Kamera raus und machten ein paar Bilder. Leider war unsere Videokamera noch nicht aktiviert. Im Filmkönnte man so manche Sturmsituation wohl besser veranschaulichen. Aber um ehrlich zu sein hat man in solchen Momenten anderes im Kopf als Bilderchen zu machen. Nächstes Mal vielleicht.... (oh Gott, was schreib ich da!)
 

3. Juni, 16:45 Uhr

N 36° 30.340
E 20° 11..510
es bläst unverändert

Wir machen gerade mal so 5-8kn Speed, was recht wenig ist, aber hätten wir mehr Segelfläche gesetzt wären wir jede zweite Welle abgesurft. Irgendwann machen wir das vielleicht einmal...
Die Wind- und vor allem die Wellenrichtung bestimmen unseren Kurs. An was anderes als 'abzulaufen', also mit den Wellen zu segeln war nicht denkbar. Aber der Kurs stimmt so in etwa: Leicht die griechische Küste hinauf, um mit dem späteren voraus gesagten Nordwind nach Malta zu schippern.

Unsere Sturm-Besegelung...

3. Juni, 20:33 Uhr

Top-Speed - wenn auch nur für ein Sekündchen - 15,9kn!


Heike meinte, daß der Wind leicht nachgelassen hat und entschließt das Reef ein bisschen zu reduzieren. Die nächste Welle rauschten wir mit knapp 15.9 Knoten hinab, was uns wie eine Ewigkeit vorkam. Was für ein Ritt!! Heike war begeistert, der Skipper hat sich fast in die Hose gemacht. Danach refften wir schnell wieder ein ;-)
Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang hatten wir das Gefühl, daß das Gröbste vorbei ist und die Böen nicht mehr zu stark waren (wie es voraus gesagt war). Auch brachen die Wellen weniger häufig - was für ein Segen! Die ganze Nummer in der Nacht wäre nicht so prall gewesen. Oder vielleicht besser, da man wenigsten die dicken fetten Wellen mit den Schaumwalzen nichtgesehen hätte ...!?

4. Juni, 5:40 Uhr

N 37° 16..300
E 19° 03..590
Sturm vorbei,
Vollzeug Schmetterlingskurs, 280°

Irgendwann in der Nacht, wir waren wohl zu müde es aufzuschreiben, nahm der Wind merklich ab und wir refften mehr und mehr aus.
Da sind wir ... irgendwo im Mittelmeer.....

4. Juni, 11:05 Uhr

N 37° 26.920
E 18° 26.190
Auf raumen Wind umgelegt,
5-6kn Speed, Kurs 280°

So muss Atlantiksegeln sein: Der Wind, der nun zu einem Sturmüberbleibsel verkümmerte, bäst schön konstant & schräg von hinten und BAJU wird von der langen Dünung auf und ab gehoben. Es wird sich geduscht, Sturmschäden beseitigt, gegessen und ein bisschen Schlaf nachgeholt, hatten wir die letzten 2 Nächte kaum gepennt.

4. Juni, 14:30Uhr

N 37° 31.000
E 17° 58.900
Am-Wind, Kurs 280°, 4kn

Wo bleibt der Nordwind? Nach der Sturmblase sollte sich doch eigentlich Nordwind einstellen, mit dem wir gemütlich nach Malta segeln wollten. So der Plan. Der Wind scherrte sich aber nicht um unsere Pläne.  

4. Juni, 18:15Uhr    

N 37° 37.720
E 17° 43.880
Wende Kurs 330° auf 225°, 5kn

Wind jetzt komplett aus West. Da wir nicht zu sehr von Italtien abgetrieben werden wollten, legten wir um.

5. Juni, 0:35Uhr

N 37° 09.720
E 17° 18.220
Wende, neuer Kurs 350°

Am-Wind segeln in der Nacht schockt nicht. Ausserdem wollen wir nicht soweit Süd, sondern nach Westen. Um 1:30 Uhr sind wir wieder eine Wende gefahren. Ob absichtlich oder nicht, wissen wir nicht mehr.  

5. Juni, 4:00Uhr

N 37° 05.074
E 17° 03.119
Wind fast ganz weg. Motor an - weisser Rauch - Motor wieder aus

So ein Mist. Mitten im Mittelmeer und die Maschine geht nicht - na prima! Dazu mitten in der Nacht - ein Traum. Unser Verdacht: das Dieselproblem (siehe Fotos und Stories - die Rentnertour). Der Dieseltank war jetzt bestimmt zu einem Drittel leer und das Rock 'n' Roll Program der letzten Tage hat den Dreck und das Wasser, das sich wohl immer noch im Tank befand, schön mit dem restlichen Diesel vermischt, was unserem Nissan verständlicherweise nicht schmeckte.
Also, Salon freigeräumt, Dieselfilter ausgetauscht und Dieselleitungen gespült. 5:15 Uhr Daumen feste gedrückt - Motor läuft. Ufff.....
 

5. Juni, 9:15Uhr

Maschine aus, Am-Wind,
Kurs 230°

Immer noch Westwind. Wir werden langsam unruhig, da wir schon lange kein Wetter-update mehr haben. Unsere Kurzwellenanlage, die uns weltweit täglich Wetter liefern soll, ist noch nicht eingebaut und mit unserem Radioweltempfänger kommen wir nicht wirklich klar. Wir hören Musik, aber nicht wirklich eine Wettervorhersage. Es ist schon saudoof mitten im Meer zu segeln (vor allem im Mittelmeer) und nicht zu wissen, ob sich um die Ecke der nächste fette Sturm zusammenbraut. Ein Frachter, der an uns vorbeifährt, funken wir über UKW an und fragen nach der Wetterprognose für dieses Seegebiet, bekommen aber keine Antwort. Pennen die auch schon im Mittelmeer? Frechheit!
Unser Plan: Erstmal auf die Ostseite von Sizilien zu halten, Basisstation nach Wetter fragen und dann entscheiden, was wir machen. Da der Wind aber immer noch aus West kommt, liegt die Küste Siziliens ganz schön fern. Auf alle Fälle nicht zu weit südlich segeln, da es um die Südspitze heftigst blasen kann. Also, noch ein bisschen runter und dann wohl unter Maschine Richtung Land halten.
Zur allgemeinen Aufheiterung sehen wir einen großen Schwarm Delphine, die uns ein Stück beleiten.
Die lange Faht, die ungünstige Windrichtung und vor allem die Unsicherheit zährte in diesen Stunden doch schon arg an unseren Nerven, das war zu spüren.

Nachts pennten wir im Salon

5. Juni, 14:20Uhr

N 36° 49.240
E 16° 15.550
Motor an, Richtung Südspitze Sizilien, Kurs 260°

.
Wie geplant legen wir unter Maschine Kurs Italien an. Wenn alles gut geht sind wir in 10 Stunden an der Küste

5. Juni, 16:37Uhr

Segel hoch, Kurs 310°

Aus heiterem Himmel kam plötzlich wieder Wind auf. Zwar nicht aus der optimalen Richtung aber 310° konnten wir laufen. Diesel sparen, schick. Aber ein bisschen komisch kam es uns schon vor. Vorhin hat es mal leicht genieselt. Und die Wolken sehen auch ein bissle komisch aus. Bloss jetzt keinen Sturm , sind wir doch noch 50 Seemeilen vor der Küste. Wir wollen diese Nacht ganz gemütlich Richtung Italien und dann am nächsten Tag Pizza und Eis essen gehen.  

5. Juni, 16:49Uhr

N 36° 54.960
E 15° 57.870
STURM, Motor aus, Segel mehrmals gerefft,
Kurs 320°, gegenan
Wind 27kn

 

So ein Mist. Ohne eine Ahnung von der Wettervorhersage frischte es rassend schnell auf und im Nu waren wir im fetten Sturm. Und was das Schlimmste war: der Wind kam so ziemlich genau daher, wo wir hin wollten / und auch mussten, da die Alternativen mau waren: 400 Seemeilen zurück nach Griechenland? 600 Seemeilen nach Tunesien? Oder 550 Seemeilen nach Kroatien? Alles Blödsinn, wir mussten irgendwie nach Sizilien!
Nach 3 Reffaktionen hatten wir das 2. Reef im Groß und die Genua stark eingerollt. Den Wind hatten wir unter Kontrolle, aber die See wurde sehr schnell größer. Die Gischt piff heftig über BAJU hinweg und wir wußten nicht, ob wir den Kurs anliegen konnten. Rauf, runter, ..., es knallte jedes mal wenn BAJU die Wellen abbekam. Das war schon ein ganzes Stück heftiger, als die Wellen von hinten.
Diese Situation war wohl die kritischte der Reise. Wir waren beide so ziemlich am Ende! Die Müdigkeit gepaart mit der Unsicherheit was kommt und die tiefdunkle Aussicht auf mögliche Alternativen lies die Stimmung stark absinken.
In diesem Moment musste ich an ein Buch über die verhehrende Segel-Regatta vor Austalien denken, bei der in einem sehr heftigen Sturm viele Mannschaften aus Rettungsinseln geborgen werden mussten, man aber später viele deren Schiffe, zwar lädiert, aber schwimmend auf dem Ozean hat bergen können. Und das waren alles Profies. Das erste was wohl schlapp macht sind die Nerven, nicht das Boot.
 

5. Juni, 18:20 Uhr    

N 37° 00.960
E 15° 52.930
Wind und See heftig, aber konstant

BAJU wird immer noch heftig gebeutelt, wir sind der Meinung, dass wir die Ostküste Siziliens anlaufen können. Noch ist nichts entschieden, aber Hoffnung keimt auf. Die Nerven stabilisieren sich langsam wieder. Wir lesen Hafenhandbücher, um mögliche Anlaufstellen zu planen, da wir nachts ankommen werden. Wir essen eine Stulle.  

5. Juni, 19:30 Uhr    

Wind wird weniger, langsam reffen wir aus

Die Sonne geht vor unserer Nase unter. Zum Abschluss der Reise richtig tolles segeln, so dass ich mir sogar ein kühles Bierchen am Steuer gönnte.

5. Juni, 19:37 Uhr    

Uhren umgestellt, Landsicht!

Das erste Mal seit Tagen wieder Landsicht. Schon komisch. Nicht Malta, aber Sizilien. Auch gut! Bella Italia, PIZZA, wir kommen.
Uppps, wir leben ja noch nach Griechenlandzeit. Also, Zeit umstellen. Wer muss eigentlich dann länger Wache gehen? Diesmal egal, da wir sowieso beide wach sind aber später einmal wird das bestimmt ein Thema ;-)
SMS Empfang mit der Basis. Kontakt zur Aussenwelt, wie toll!
"Heike, haben wir eigentlich eine italienische Gastlandflagge?" "Nö, wir wollten doch nach Malta!". Mmmh, also keine Gastlandflagge. Die Italiner werden uns's nachsehen. Haben wir die nicht bei der letzten Fussball WM gewinnen lassen?

5. Juni, 22:37 Uhr    

Motor an - HustHust - Motor aus!

Die Welt meint's nicht gut mit uns! Mitten in der Nacht, Nahe der Straße von Messina, 5 Seemeilen vor der Küste nach vier ein halb sehr anstregenden Tagen auf See und kurz vor dem finalen Manöver geht die Maschine wieder nicht an. Haben wir doch die Filtereinheiten gerade ausgetauscht! Verdammter Mist.
Einzige Lösung: (Guten) Diesel von oben in einen seperaten Tank abschöpfen und damit den Motor speisen, um die ganzen Dreck weiter unten im Tank nicht in den Motor zu pumpen. Also baute ich mal wieder mitten in der Nacht mit dem Diesel herum, um eine Notanlage zu basteln. Während ich das volle Diesel-Spaß-Program durchzog, steuerte Heike unter Segel die Einfahrt von Siracusa entgegen.
Nach 1,5 Stunden Pump- und Bastelein war die Kraftstoffnotanlage zusamen gebaut. Bitte, Bitte, lieber NISSAN, ich will dich auch immer gut pflegen und der Diesel kommt, wenn wir sicher in der Bucht ankommen gleich in den Müll, aber spring jetzt bitte an.
 

6. Juni, 0:13 Uhr    

Motor läuft

Uffff... der Nissan schnurrt und wir tuckern der gut befeuerten Buchteinfahrt entgegen. Und kurz davor.... Motordrehzahl fällt ab. NEIN, bitte nicht jetzt. Es ist kaum Wind und rechts und links sind Untiefen!
Mit der Hand pumpe ich Diesel in den Motor, der sich dann schnell wieder erholt. Also Heike draussen am Steuer, und ich innen am Diesel pumpen! Toll!
Nach einer Zeit merke ich, das meine Dieselnotanlage ein kleines Loch hat, wo Luft gezogen wird. Also, kurze Änderung. Jetzt muss es gehen. Nun kann ich raus und Heike beim navigieren helfen.
Aber warte mal, warum ist eigentlich kaum mehr Diesel im Tank. Es ist doch ein 10l Kanister. Schnell giese ich noch ein paar Liter Diesel, den ich in einen Extrabehälter gepumpt habe, in den Dieselnottank. Wir sind noch unerfahrene Küken.Was wir aber bei so mancher Situtation gelernt haben: Halte neben Plan A und B mindestens einen Plan C bereit.
 

6. Juni, 0:44 Uhr    

N 37° 03.600
E 15° 16.890
Der Anker fällt! Champagner fliesst!

Sollen hier nicht irgendwo Mooringtonnen liegen? Und wo sind die anderen Segler? Dies sollte eine ganz bekannte Ankerbucht sein, da können wir doch nicht die einzigen sein.
Es dauerte eine ganze Weile bis wir das Ankerfeld der anderen Yachties in dieser grossen Bucht finden. Handstrahler an. Ok, dort legen wir uns hin.
Der Anker war kaum gefallen, da sprötzelte der Motor mit dem letzten Tropfen Diesel und ging aus! WHAT A SHOW!
Wir konnten uns das Lachen, das wohl auch unsere Erleichterung ausdrückte, nicht verkneifen. Wir liegen sicher vor Anker in einer Bucht sogar mit tollem Nachtpanorama der Altstadt . Nach all den Strapazen und Unsicherheiten konnten wir es kaum glauben. Es war zwar nicht Malta, aber dorthin sind es "nur" noch 100 Seemeilen.
Heike machte ein paar leckere Schnittchen und wir köpften eine gute Flasche 'Philips-Abschieds-Champagner'. Nach kurzer (und vorläufiger) Törnnachbesprechung fielen wir hundemüde in die Koje.

Ein paar Zahlen der Reise:

ZurückgelegteStrecke:604 Seemeilen (gefahrene Strecke)
Davon unter Motor: 12h (sehr wenig, wenn wir hörten, das andere Segler tagelang motorten, um diesen Törn zurück zu legen)
Gesichtete Yachten: 1 (ganz weit weg -Fazit: ein bisschen von der Küste weg ist man sogar im Mittelmeer quasi alleine)
Gesichtete Frachter: 6 (davon kein Kreuzfahrer - viel weniger als gedacht - siehe oben)
Gesichtete Fische: 24 Delphine, 2 Schwertfische

Fazit:
- Plane so eine lange Reise, gerade in einem solch schwierigen Segel- / Wetterrevier wie das Mittelmeer, gut im voraus und habe
Ausweichszenarien (Plan A, B UND C), parat.
- FAHRE LOS, alles kann man sowieso nicht planen, da man sonst nie los kommt, um eine grössere Strecke zu segeln.
==> Das Gleichgewicht der beiden Punkte zu finden ist wohl die Kunst sicher, aber auch mutig, Blauwasser zu segeln.

 

1.Juni 2008   Santorin - auf See Richtung Malta
 

Heute geht es los! Unsere erste richtieg weite Segselstrecke: 550 Seemeilen (ca 1000 Kilometer) nach Malta. Ganz schön aufregend, wenn man weiss, dass wir so 4-5 Tage kein Land sehen werden, Tag und Nacht - wenn alles gut geht. Radar? Noch nicht wirklich nie benutzt. Wache? Noch nie wirklich aufgeteilt? Nachts segeln? Nur so mal aus Spass gemacht. Aber he, das haben tausende vor uns auch gemacht und wir haben einen seetüchtigen Katamaran. Wird schon schiefgehen.
2 Stunden verbrachten wir mit der Basisstation 'Ramin-Tornesch', um den Zeitpunkt und Richtung der Reise festzulegen. Macht ja Spass Wetterkarten auszuwerten. Also, Entscheidung: Ohne Zwischenstop direkt nach Malta, da es galt ein fettes Windgebiet mit Nordostwind am Dienstag auszunutzen, um so viel wie möglich Meilen Richtung Malta zu machen. Die Basisstation verlangt 200 Semeilen Etmal am Dienstag - schau'n ma mal.

Wir sind auf alle Fälle gespannt, wie ein Flitzebogen und hoffen, dass alles klappt. Drückt uns die Daumen, nächster update dann in Malta am Donnerstag, wenn alles super läuft.

Links das Windfenster, das uns ein ganzes Stück nach Malta blasen soll....

 

 

 

 

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Mittelamerika - Belize und Guatemala
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April 08
Marmaris / Türkei - BAJU schwimmt
Marmaris, Türkei
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