September 2008:
30.9. - Raus aus'm Mittelmeer, rein in'n Atlantik Nachdem ich abends zuvor noch einen Segler aufgesucht habe, um die Strömungen durch die Strasse von Gibraltar zu diskutieren, haben wir einen guten Plan, wie wir uns am besten durchsacken lassen können. Die Stömungen sind ziemlich kompliziert und so bin ich froh, diese halbe Stunde (inklusive Freibier) bei einem Seglerkollegen investiert zu haben.
Nach 9 Tagen 'La Linea' (geplant waren 2 oder 3 Tage, aber so ist das nun mal mit dem Wind & Wetter) wird endlich mal wieder der Anker gelichtet und bei Dämmerung die Bucht von Algeciras passiert. Der Wind bläst flott von achtern und so hangeln wir uns, wie besprochen zwecks Strömung dicht an der spanischen Küste entlang Richtung Tarifa.
Der Tidenstrom schiebt von hinten und so gleiten wir mit flotter Fahrt an Tarifa vorbei. Wie häufig habe ich von dort auf's Wasser Richtung Marokko geschaut. Nun mal eine andere Perspektive. Ein tolles Gefühl als wir an der Festung vorbeisegeln. Dort, die 'Landebahn' und da hinten die `Düne', wo wir so einige Wochen mit dem Camper verbracht haben.
Überall gurgelt und strudelt die Strömung, da der Tidenstrom gegen die 2-4 Knoten Grundströmung, die in das Mittelmeer hereinfliesst (da dort ja viel mehr Wasser verdampft),gegenanschiebt. Manchmal wird man regelrecht aus der Bahn geworfen.
Wer viel in der Elbe gesegelt ist hat aber mit der Strömung und vor allem dem Verkehr nicht allzu viel Probleme. Es ist viel los, aber eine Lücke ist schnell ausgemacht und so queren wir zwischen den Riesenpötten hindurch das Verkehrtrennungsgebiet - Willkommen in Afrika!
Noch 2 Stunden an der marokkanischen Küste entlang und schwumps liegt das Mittelmeer hinter uns und wir segeln im Atlantik.
Unter stark gerefften Segeln platt vor dem Wind verheizen wir die letzten Schiffe und schnell verschwindet die Küste im Dunst.
Alleine ist man hier aber nicht wirklich, da einem der gesamte Frachtverkehr, der vom Kap der guten Hoffnung kommt, hier an der Küste entlang tuckert.
| 23. - 29. September 2008 - La Linea bei Gibraltar
(N 36 09.67 / W 05 21.67) |
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Levante
am Affenfelsen |
Warten auf den richtigen Wind ... Das machen
nicht nur wir, sondern auch täglich immer mehr Yachten, die von Osten
aus dem Mittelmeer kommend im Atlantik gen Süden weiter wollen. Die Ankerbucht
wird jeden Tag voller, heute sind es bereits über 40 Yachten. Von der
8 Meter-Böotchen eines Kanadiers, der sogar ohne jeglichen Motor unterwegs
ist, bis zur 45m Megayacht, die weit draussen vor Anker liegt, ist mittlerweile
alles vertreten. Da draussen diese Tage kein Passat weht, warten alle
auf den richtigen Zeitpunkt loszusegeln. Wie es im Moment aussieht, wird
dies Dienstag oder Mittwoch der Fall sein.
Das Wetter ist sehr wechselhaft, stürmisch und vor allem nachts giesst
es wie aus Kübeln. Heike sitzt in eine Decke eingewickelt neben mir. Wir
müssen immer an meine Eltern denken, die bei so einem (Scheiss-)Wetter
oft wochenlang in der Ostsee ausharren 'müssen'. Wir wollen nach Süden
um den Winter zwischen den Wendekreisen zu verbringen ... schnell.
Die Tage verbringen wir mit Radfahren und SHOPPEN. 20 min mit dem Bus
von hier gibts es einen Media Markt, Decathlon und Aldi. Wenn wir hier
noch ein paar Tage festsitzen, haben wir so viel gekauft, dass BAJU bald
nicht mehr schwimmt. Na ja, das aufblassbare Kajak, mit dem wir die Wellen
runtersurfen und Tageausflüge machen wollen, stand ja sowieso auf der
Wunschliste. Ach, und eine neue Nähmaschine wollten wir schon lange haben.
Die 27. Festplatte ist auch nötig und die Aquagymnastik-Utensilien auch
:-)
In Gibraltar haben wir uns zudem eine neue Selbststeueranlage geleistet.
Unsere Jetzige ist schon sehr alt und kommt in die Ersatzkiste. Auf 'Günther'
will man wirklich nicht verzichten und unserem alten Ding vertrauen wir
nicht mehr so wirklich. Der Preis war super und dazu noch zollfrei.
Wir hoffen, dass es nun bald in den Atlantik geht. Gespannt sind wir
alle Mal und freuen tun wir uns auch. |
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Mit dem Rad erkunden wir die Gegend. Hier am südlichsten
Zipfel Gibraltars (Europa Point), wo Afrika zum greifen nah ist. |
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Fast jede Nacht
gehen schwere Schauer nieder, Blitze zucken und Donner hallt über die
Bucht. Sonntag regnet es ohne Unterlass. Der meiste Regen, der in 24 Stunden
in Gibraltar gefallen ist, seit dem es Wetteraufzeichnungen gibt, klärt
uns 'GibRadio' auf! |
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Bei diesem Schietwetter haben
wir unser BAJU-CINE eingeweiht! Snacks,
super Leinwand und irre Sound!

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22.9.2008 - La Linea
Da hier häufiger Dinghis geklaut werden, tuckert man mit seinem Beiboot in den nahe gelegenen Hafen, drückt 5 Euro ab und weiss, dass wenn man wieder kommt, sein Baby immer noch an Ort und stelle ist.
Mit Rädern erkunden wir die Gegend.
Einen Schreck bekommen wir, als wir mit dem Rad an unserer Ankerbucht vorbei fahren und sehen, dass jemand auf BAJU steht! Schock!! Als wir mit den Fahrrädern schiebend durch den Sandstrand näher kommen, schwimmt dieser in Badehose schon zurück in unsere Richtung. Also unauffällig verhalten und abwarten, bis der Typ aus dem Wasser kommt. Dort stellen wir ihn und seine Freundin, die ihm entgegenschwam, dann zur Rede. Russen, die wohl hier Urlaub machen. Er fand es toll, aus Spass zu den Booten zu schwimmen, um dort von Bord zu hüpfen. Doller Spass. Wir glauben ihnen die Geschichte, und nach deren Einsicht, dass dies Eigentumsverletzung ist und kein Spass, entschuldigen und verpiseln sie sich schnell.
Als wir Stunden später wieder daheim sind, können wir nichts fehlendes feststellen. Nur eine Armani Frauensonnerbrille liegt an Deck. Eine Geschichte, die wohl nie ganz aufgeklärt werden kann...
21.9.2008 - La Linea
Am Morgen gibt der bedeckte Himmel nur manchmal den Affenfelsen von Gibraltar frei, der unweit von unserem Ankerplatz empor ragt. Schon beeindruckend dieser Fels.
Sonst ist's ein typischer Orientierungs- und Ruhetag.
Nach dem Frühstück legen wir uns tiefer in die Bucht herein, da so weit draussen, wo wir bei Nacht geankert haben, irgendwie nur halb abgewrackte Schiffe oder nackte Franzosen ankern. Da wir ein paar Tage bleiben wollen suchen wir doch eher den Kontakt zu anderen Seglern. Den bekommt man am besten, wenn man mitten in das Ankerfeld hineinfährt. Ohne zu prahlen: wir sind mal wieder das grösste Schiff in der Bucht und wohl auch die jüngste Besatzung. Vielleicht auch ein bisschen deswegen sind wir eine Stunde später zum Sundowner bei den Aussis vom Kat neben uns eingeladen. Nett, mal wieder mit anderen Segler zu plaudern.

Internetsession
bei Tageslicht |
Endlich
wird das Rumfass gefüllt |

Für manche
der Anfang, für uns das Ende der Mittelmeerreise - Gibraltar |
20.9.2008 - La Linea, in der Bucht von Algeciras neben der Landebahn von Gibraltar
Bei Sonneraufgang werden wir durch 'Max' geweckt. Wind - und aus der richtigen Richtung! Also, raus aus den Federn (ja, die Nächte sind schon kühl geworden), Anker auf und los.
Mit flotter Fahrt legen wir Direktkurs Gibraltar an, was 75 Seemeilen entfernt ist. Bei abnehmenden Wind rauschen wir noch an einer anderen Yacht mit gleichem Kurs vorbei und segeln dann den Vormittag mit flauem Lüftchen dem Atlantik entgegen. Dieser macht sich schon hier, weit vor der Meeresenge, mit Strömungsfeldern bemerkbar. Mal ist das Wasser aalglatt, mal mit Kabbelwellen aufgewühlt, als würde darunter ein Vulkan ausbrechen wollen.
Und Fische gibt's hier! Haben wir in den Dokufilmen von BBC gesehen, wie Delphine jagen, können wir es hier live erleben. Eine Schule Delphine kreist einen Schwarm Fische ein, drängt diese an die Wasseroberfläche und dann plötzlich kocht das Wasser, Fische fliegen durch die Luft, wenn alle Delphine den Schwarm auseinanderdrängen, einzelne Fische isoliereen und ... auffressen. Es ist faszinierend diesem Schauspiel zuzuschauen.
Am Nachmittag müssen wir leider den NISSAN anschmeissen, da der Wind gänzlich eingeschafen ist. Da wir nun mit mehr oder weniger konstanter Geschwindigkeit Gibraltar engegentuckern, wissen wir nun auch die Ankunftszeit: Ungefähr 1 Uhr in der Nacht.
Na prima, die meistbefahrende Schiffahrtslinie Europas, wenn nicht in der Welt, mit Strömungen, die um die Kaps fliessen, Ankerliegern, Fähren, ... und wir machen die Nummer bei Nacht! Ängstlich eine andere Bucht im Norden anlaufen wollen wir nicht, und so machen wir die Durchfahrt halt bei Nacht. Was das U-Boot bei 'DAS BOOT' im Krieg geschafft hat, werden wir doch auch schaffen.
"Gibraltar! Erst mal hinkommen nach Gibraltar. Das ist da wie ne Jungfrau, wenn wir da durch wollen, können wir unseren Kahn mit Vaseline einschmieren." - Zitat von 'DAS BOOT' - Danke für's Raussuchen, Marvin.
In Anlehnung an diesen grandiosen Film, ist die Ansteuerung wahrlich spannend und ein bisschen unheimlich. Es ist sehr diesig, so dass Lichter nur unklar in der Ferne zu erkennen sind. Was zuerst wie Lichter an Land ausgesehen hat, entpuppt sich als risieges Ankerfeld von Riesenfrachtern, manche mehrere hundert Meter lang - Über-Elb-Grösse. Das Radar zeigt so viele Echos, das wir auf 3 Seemeilen heranfahren müssen, um zu entscheiden, welchen Kurs wir durch diese schwimmenden Städte nehmen. Über 15 sind es. Zum Glück ist es windstill, nur auf die Strömung, die mit ca. 2,5 Knoten schräg von hinten schiebt, ist zu achten. Langsam schieben wir uns durch das Ankerfeld. Dort fällt uns auf, das die Schiffe nicht ankern, sondern ganz langsam durch die Bucht tuckern. Bei 100m Wassertiefe ankert es sich auch nicht so gut.
Als wir an allen vorbei sind, machen wir noch fast einen Fehler. Einen riesigen Schwimmkrahn, na eigentlich eine ganze Krahnlandschaft, wollen wir scharf an Backbord lassen, und 2 andere Schiffe an Steuerbord. Da merken wir, dass alle Boote zu einem Bergungskommando (??) zusammengehören, mit Leinen verbunden und sogar mit Bojen eingegrenzt sind. Nach dem Einlenken in das Feld, zu dem sogar 3 grosse Schlepper gehörten, wie wir jetzt erkennen, bekommen wir durch einen riesigen Scheinwerferkegeln zu verstehen, dass wir hier nicht durch können. Mist. Also sofort abbrechen, Ruder rum und anders orientieren. Bei 3 Knoten Strom, der uns direkt in das nicht befahrbare Feld hereindrückt, muss schnell reagiert werden. Wir verlieren die eine Tonne, die wir schon passiert haben aus den Augen und erblicken sie gerade noch rechtzeitig 30 Meter vor dem Aufprall. Puuh, Glück gehabt, jetzt aber nix wie raus. Also eine grosse Schleife um die Bergungsschiffe gemacht und Kurs in die Bucht von Algeciras, wo wir noch 45 Minuten der riesigen Hafenanlagen von Gibraltar vorbeifahren. Überall Tankschiffe, alle so zwischen 40-100m lang, die die Riesenpötte auftanken und kreuz und quer durch die ankernden und treibenden Schiffe schippern. Ausweichen ist unsere Sache.
Um 2 Uhr nachts fällt dann der Anker in einer grossen Bucht neben mindestens 25 anderen Seglern, die wir im Mondschein erkennen und bei einem Gläschen Wein wird auf das Erlebnis angestossen. Wir sind froh, diese Durchfahrt bei Nacht gemacht zu haben, wird sie uns doch so bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben.
Jetzt sind es nur noch ein paar Meilen in den Atlantik.
Was in die obrige Geschichte nicht hineinpasste, aber unbedingt berichtet werden muss: DELPHINE BEI NACHT!
Den gesamten Nachmittag wurden wir schon von Delphinen begleitet. Diese grossen Dinger mit weissem Bauch. Oberscharf war dann die Nummer bei Nacht, als ihre Körper durch den Plankton leuchteten. Die Schnauze und Flossen besonders hell, der Rest noch hell genug, um das ganze Tier und seinen Schweif zu erkennen. Wenn sie in grössere Tiefen abtauchten, verschwand der Lichtstrahl im Nichts. Wie Torpedos in einem Comic gezeichnet schossen die Tiere durch das glatte Wasser an uns vorbei. Ganz grosses Kino.

Flipperballet
vor BAJU's Bug |

An
diesem Tag klappte das Angeln.
3 Fische landen in der Pfanne! |
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Nachtrag 19.9.2008 - La Caleta de Velez
Wir lassen den Anker bei Sonneruntergang vor dem Hafen fallen. Schutz gibt es hier nicht. Dieser ist aber auch nicht nötig, denn es ist windstill.
19.9.2008 - An der Küste entlang Richtung Gib - Wieder nicht Granada. Ganz früh am Morgen werden wir wieder vom Hafenkapitän aufgescheucht, da das grosse Frachtschiff, neben dem wir ankern, ablegen will. Also Anker-auf und an eine Kai verholt bis der Frachter herausgeschleppt ist.
Der Granadaausflug ist gestrichen. Gestern haben wir von Seglern, die in Granada waren, erfahren, dass der Busweg eher mühsam ist. Und dazu 1,5 Stunden anstehen, um Karten für die Alhambra zu bekommen. Nööö...
Als am Mittag Wind aufkommt, düsen wir (leicht genervt) weiter Richtung Gibraltar. Zuerst unter Segel, dann wie schon fast vermutet, unter Motor. Ggggrrr.....
25 Seemeilen schaffen wir heute wohl. Na super. Wenigstens ist die Küste ein bissle hübscher anzusehen.
18.9.2008 Ankern im Hafen von Motril Gammeltag. Null Wind und den Ausflug nach Granada haben wir auch verpasst. Irgendwie daddeln wir hier so rum und warten auf Wind. Das Ambiente ist hier im Hafenbecken so wie unsere Stimmung: trist und mies.
Einzige Aufhellung des Tages ist die Unterhaltung mit einem Österreicher, der mit seinem Traditionssegler als Lehrer 3 Jahre Auszeit genommen hat und um die Welt will. Sein Schiff und unsere BAJU hat wohl nichts gemeinsam, ausser das beide auf dem Wasser schwimmen. Es folgt eine interesante Schiffsbesichtung auf beiden Seiten.
Auch nachts weht kein Lüftchen, nur das Rattern der Schiffsgeneratoren ist zu hören. Das der Mittelmeerausgang so mühsam ist, haben wir nicht geahnt.
17.9.2008 - Cabo Sacratif / Ankern im Hafen von Motril Nachts weht kaum ein Lüftchen aber als es morgens so kurz vor Sonnenaufgang anfängt zu blasen, laufen wir aus. Ein kurzer Spass. Der Wind entpuppt sich als Gewitterausläufer und nach 2 Komplettdrehungen bleibt nur noch eine kleine Brise, und die noch aus der falschen Richtung. Wir nehmen es gelassen und dümpeln mit mini Fahrt am Wind die Costa Plastico entlang. Als dann auch noch der letzte Luftzug wegbleibt, motoren wir zu einem Tagesankerplatz. Das Wasser wird schon leicht kühler und aber die Sonne bruzelt am Tage noch gar schön. Temperaturtechnisch ist's abends Spätsommer, am Tag noch Hochsommer.
Vielleicht kommt am Nachmittag ja noch Wind. Am Nachmittag kommt aber gar nichts und so laufen wir unter Maschine die restlichen 4 Meilen nach Motril, wo man geschützt im Hafen ankern kann. Hier liegen wir zwischen grossen Frachtern, Ladekähnen und Getreidesilos mit anderen 2 Weltumseglern, nicht schön, aber geschützt.
Das waren heute 20 Meilen Strecke nach Westen - wir kommen ja flott voran, an dieser hässlichen Küste :-( Eigentlich wollen wir den kommenden Tag, falls wieder kein Wind bläst, Grenada, was für uns beide hoch auf der Touriliste steht, anschauen, aber wir trauen uns nicht, BAJU alleine in diesem grosen Hafenbecken ankern zu lassen.
16.9.2008 (Fischereihafen von Adra)
Kein Wind! Und da wir keine Lust haben, unsere letzten Meilen durch's Mittelmeer, durch das wir doch bisher mit relativ
wenig Maschinenhilfe durchsegelten, zu motoren, bleiben wir an Ort und Stelle. Auf die Windvorhersage ist hier sowieso
absolut kein Verlaß. Kein Wunder. Auf der einen Seite die 'Sierra Nevada', auf der anderen Seite türmt sich das Atlasgebirge,
dazwischen das schon recht schmale Mittelmeer. Wir nehmen's also wie's kommt.
So wird das Segel genähnt, die Internetseite bearbeitet, die nächsten möglichen Stationen besprochen,
gelesen und gedöst. Vielleicht geht es morgen ganz früh weiter. Schau'n wir mal...
15.9.2008 (Fischerhafen von Adra)
Der Wind weht aus Gibralta, also Ruhe- na sagen wir mal Wasch- und Basteltag. 5 Stunden waren wir beschäftigt, um in den 20km entfernten grossen Yachthafen zu düsen und im Waschsalon den riesigen Berg Wäsche, der sich mittlerweile angesammelt hat, zu waschen. Dann bastelte ich mal wieder am Anlasser. Ich glaube jetzt geht's. Daumen drücken....
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Nicht
allzu hübsch anzusehen, die 'Costa Plastico' |
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14.9.2008 (Fischerhafen von Adra)
Da der Wind an diesem Morgen aus der richtigen Richtung, aber nicht kräftig weht, wird ersteinmal die Lage gecheckt und gefrühstückt. Dann aber doch Anker-auf, nachdem das Wetterupdate, dass wir uns jeden morgen per Amateurfunk besorgen, bestätigt, dass wir weiter Meilen Richtung Westen gut machen können.
Seit langem habe ich endlich mal wieder angefangen ein Buch zu lesen. Der 'Navigator', ein historischer Roman über die Reisen des Mallegans, das uns mein Bruder mit auf die Reise gab. Und als ich im ersten Einleitungskapitel vorne im Netz über Christoph Kolumbus las und mit einem Rundumblick nach dem Rechten schaute, sah ich am Horizont ein Nachbau eines historischen Schiffes, es kann sogar die Santa Maria gewesen sein, vorbei ziehen. Und 90 Grad daneben kreuzte mal wieder ein Volvo-Ocean-Racer gegen den Wind Richtung Alicante. Ist schon verrückt. Beide Schiffe mach(t)en irgendwie das Gleiche, nur mit 500 Jahren Unterschied...
Da der Wind schwach blies, schafften wir 'nur' 40 Meilen. Dafür war es ein herrlicher Segeltag an der Costa del Sol entlang. Ausser die Berge der Sierra Nevada im Hintergrund ist wirklich nichts Schönes an dieser Küste. Sie ist zugepflasert mit weissen Plastikgewächshäusern und müsste eigentlich 'Costa Plastico' heissen. Am Abend liefen wir in den Fischereihafen von Adra ein, da die gesamte Costa Plastico keinen wirklichen Schutz bietet. Von den Seglern neben uns erfahren wir, dass kein Hafengeld kassiert wird - auch gut.
Abends sitzen wir mit den Nachbarn zu einem Gläschen Wein zusammen und sie berichten von den 14 Jahren, die sie nun den Atlantik und das Mittelmeer befahren. Nach 14 Jahren haben sie sich ein Finca auf einem grossen Stückchen Land in Andalucia gekauft, um dort einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Hee, diese Idee haben sie von uns geklaut.
Ach, der Anlasser! Sollte er nicht repariert sein???? KLICK hat's gemacht und die Maschine sprang mal wieder nicht an. Wie toll, haben wir uns doch so gefreut, dass das Problem zu den Akten gelegt werden konnte.

Langsamer unterwegs,
aber trotzdem nett anzusehen. Gerade wenn man über Kolumbus und
Magellan liest. |
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Täglich segelten
uns die Regattaboote entgegen. Beeindruckende Rennmaschinen. |
13.9.2008 (Cabo de Gata) Diesen Morgen: same procedure. Sonnenaufgang, Anker auf, Westkurs. Der Wind
steht günstig.
Jetzt weiss ich, wo die spanischen Tomaten im März herkommen. Wie Gletscher
sehen die riesigen Glashausfelder aus, die sich in den Täler den Berge
herunter bis an die Küste schlengeln. Da wir Direktkurs zum nächsten grossen
Kap anlegen, verschwimmt langsam die Küste in der Ferne.
Heute ist immer noch flottes, aber gemütliches Segeln angesagt. Das heisst,
das jeder eigentlich das machen kann, was er/sie will. Nur ab und zu mal
rausgucken, um nach dem Rechten zu sehen. Sonst 'normaler Tagesabauf mit
Hausarrest'.
Eine Schule Delphine, die uns lange begleitet sorgt für Abwechslung. Sonst
ein schöner Tag, um vorne auf dem Netz seinen Gedanken freien Lauf zu
lassen, und sich beim Geplatscher des Wassers einzugestehen, dass das Leben
süss und gut so ist, wie es ist.
Rot leuchtet der Himmel vor uns, die Sonne geht direkt am Kap Cabo de Gata
unter. Welch' schöner letzter Akt des Tages. Im dunkeln biegen wir um die
Ecke, geschützt von Wind und Welle. Vor einem riesigen Sandstrand, wie mit
dem Lineal gezogen, ist das Ankermanöver einfach.
Anmerkung von Heike: Fleecepulli und lange Hose? Ich glaub ich spinne! Ich
dachte wir segeln die Barfussroute entlang! Aus Trotz keine Schuhe - mmh ist
aber zu kalt - also AB IN DEN SUEDEN, DER SONNE HINTERHER .. - das
trällerten wir schon auf dem Ballermann, das sollten wir jetzt auch
schleunigst tun.
12.9.2008 (La Subida) Wir haben beschlossen, uns jetzt schnell an der spanischen Küste entlang
Richtung Gibraltar zu machen. Geht man nach der Segelliteratur, soll man
schon Anfang September aus dem Mittelmeer heraus sein, um Herbststürme zu
vermeiden und güstigen Wind zu den Kanaren zu erhaschen, bevor der
Nordostpassat nach Süden wandert. Ausserdem wir es gerade abends schon
merklich kälter und wir wollen ja nun wahrlich nicht in den Zwang kommen,
Schuhe anzuziehen!
Ob wir dann noch ein paar Tage Marrokko einschieben, wissen wir noch nicht.
Erstmal liegen noch gut 350 Seemeilen bis zum Atlantik vor uns, die wir,
soweit es geht, in Tagesetappen abarbeiten wollen.
Also, bei Sonneraufgang aufgestanden, Leinen los - Westkurs.
Draussen wurden wir von heftigem Wind aber vor allem von fetten Wellen
überrascht, haben wir uns doch auf gemütliches Segeln eingestellt. Nun gut,
Reff rein und los.
Nach anfänglicher Unsicherheit gewöhnten wir uns an die Rauschefahrt, die,
nachdem wir die Bucht von
Alicante hinter uns liessen und abfallen konnten,
angenehmer wurde. BAJU war in seinem Element und surfte die hohen Wellen
hinunter. Endlich wieder auf See. Das Sportsegeln beanspruchte uns den
ganzen Tag. Apropos Sportsegeln - 2 Volvo-Ocean-Racer kreuzten unseren Weg,
beide natürlich mit Kurs Alicante, voll gegen Wind und Wellen gegenan. Und
natürlich unter Vollzeug. Schon geil, wie sie wie Geschosse mit kaum
Spritzern durch die Wellen schneiden. Die dreckigen Segel sahen aus wie
Flugzeugtragflächen. Die Jungs hatten bestimmt ihren Spass.
Pünktlich 2 Stunden vor Dunkelheit und früher als erwartet viel der Anker
hinter einem Kap, hinter dem keine Welle zu spüren war. Eine ruhige Nacht
erwartet uns.
11.9.2008 (Fischereihafen von Alicante) Noch ein Tag müssen wir in Alicante ausharren, um auf den für morgen auf Ost
dreheneden Wind zu warten.
Morgens steigerten wir uns wie im Rausch ins Schiff putzen hinein. Heike den
Küchenschwimmer, ich den Salon. Nach 4 Stunden strahlte alles.
Am Nachmittag frischte der Wind, der immer

Nach all dem Stress
belohnten wir uns in der Altstadt.
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noch auflandig blies, auf, so
dass wir entschlossen uns in den Fischereihafen, neben dem wir lagen, zu
verkriechen. Wir lagen keine 20 Minuten an der Betonmauer hinter der Tanke,
da waren unsere Freunde auch schon wieder da - die Hafenpolizei. Ja also
hier könnten wir überhaupt nicht liegen, ob wir eine Genehmigung hätten.
Lustig war, dass die Hafenbehörde, mit dem einer der Beiden funkte, nach dem
Wort Katamaran sofort alle Schiffsdetails durchgeben konnte. Schön zu
wissen, dass man bekannt ist.
Hier übrigens das gleiche Bild: Ein junger Beamter, interessiert,
verständnisvoll und nach Lösungen bemüht, der Andere, ein Stinkstiefel und
Paragraphenreiter. Ist das immer so? Wie sieht wohl deren Zweisamkeit beim
Streife-gehen aus?
Mit Heikes Charme konnten wir aber zum Glück einen anderen Platz im
Fischereihafen aushandeln, zu dem wir uns augenblicklich verholten. Die An-
und Ablegemanöver waren für unser einmotoriges Dickschiff zu zweit bei so
viel Wind, der mittelweile durch den Hafen pfiff, von keinen schlechten
Eltern. Wir hatten alle Hände woll zu tun und schramten auch beim 2.
Anlegemanöver ein wenig an die Betonwand. Zum Glück haben wir aber ein nicht
angepinseltes Aluschiff, so dass die Betonbrösel leicht an unserer Aluwand
abzuwischen waren. Bei einem Yogurtbecher
wäre jetzt schleifen, spachtel und
lackieren angesagt.
Den verbleibenden Nachmittag wendeten wir uns endlich dem (klassichen)
Touristenprogram zu. Wir verloren uns in der überschaubaren Altstadt von
Alicante und radelten durch die Gassen. Im grossen Yachthafen herrschte
reger Betrieb, sollte doch hier das Volvo-Ocean-Race in einem Monat
gestartet werden. Ein mega Rahmenprogramm drum herum mit fetter Party- und
Promimeile wurde gerade aufgebaut. Überall wurden Blumen gepflanzt, Zelte
aufgebaut und Schimmstege verlegt. Ein paar Racer waren auch schon da. So
schmuggelten wir uns in den Absperrbereich (sehen wir nicht aus wie echte
Seefahrer?!) und bestaunten die Rennschiffe, die von den Crews vorbereitet
wurden.
Den Abend liesen wir die erlebnisreichen Tage in Alicante in einem netten
Restaurant in der Altstadt ausklingen. Ein Prost auf den Anlasser.
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Die Volvo-Ocean-Racer
im Hafen von Alicante, wo in 4 Wochen das Rennnen gestartet wird. |
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10.9.2008 (Neben dem Hafen von Alicante) BUM BUM BUM....wurden wir aus unseren süssen Träumen gerissen! 7:45Uhr,
gerade geht die Sonne auf. Polizeibeamter Herr Obergrimmig ist angetreten
und macht sich gross. Hier liegen geht gar nicht,...palaver rababer....
Ja, Herr Oberwachmeister, wir haben das ja gestern mit ihren Kollegen
geklärt, bis heut Mittag dürfen wir. Arranque - kaputt, claro?
Überhaupt nichts claro. Der Typ in Uniform schaltet jetzt erstmal in den 2.
Gang und macht allen klar, wer hier der Boss ist. Und der Herrschende hat
wohl sonst nicht viel Freu(n)de im Leben. Selbst nach Klarstellung der
Vorgeschichte und mit Zusicherung, dass wir in spätestens 2 Stunden hier weg
sind, gibt der Uniformträger nicht nach. Wir sollten schleunigst vom
Yachthafen abgeschleppt werden. Abschleppen? Sind wir jetzt ein Seenotfall
mitten im heruntergekommenen Hafenbecken von Alicante? Wir lassen den
Obermuffel (mit seinem eigenene Handy) unseren BOSCH-Anlasserheini anrufen,
um den Wahrheitsgehalt unserer Story Ausdruck zu verleihen. So kann der
Stickstiefel sich wenigstens mal seinen Frust mit einem Landsmann von der
Seele reden.
Geholfen hat's. Mit der Auflage, dass der Anlasser um Punkt 9 und wir um
9:12 Uhr verschwunden sind, dürfen wir die nun noch verbleibenden 1,5
Stunden hier liegen bleiben. Oh Manno, wie man doch aus einer Mücke ein
Containerschiff machen kann.
Der neue Anlasser, und 2 neue Service Batterien, die wir gleich
mitbestellten, da wir die alten (neu in der Türkei gekauft) leider mit
Überspannung von Max kaputt gekocht haben, tanzte tatsächlich Mr. BOSCH um
kurz vor 10 Uhr auf. Wir sahen schon Torpedoschüsse vor unserem Bug
detonieren. Kurzer Einbau und... BBRRUMMM .... Motor an. Beim ersten
Versuch. Welch Neuheit!
Nur ein Kratzgeräusch störte den Anlasserprofi. Erklärungen in Spanisch, die
wir zu 2% verstanden, folgten. Nur soviel, der Anlasser ist nicht der
richtige. Schöner Mist.
Jetzt aber erstmal raus aus dem Hafen bevor die Hafenpolizei noch Ernst
macht, und die Marine schickt. Der Anker fällt westlich von der Hafenanlage
an einem kleinem Strand.
Also, wieder Anlasser ausbauen, mit dem Fahrrad ins Dinghi und das Ding zu
BOSCH bringen. Nach längeren Gestikulierungen verstand ich auch, was falsch
lief. Der Anlasser sitzt zu dicht am Schwungrad und greift deswegen häufig
nicht richtig in den Zahnkranz ein. Daran ist auch der alte Anlasser kaputt
gegangen. Anschleifen ist angesagt. Aber bitte noch heute! Es ist schon ein
wenig komisch ohne Motor bei auflandigen Wind vor Anker zu liegen.
Am Nachmittag ist alles geritzt und der neue Anlasser eingebaut - alles
tadellos. Ein grosses Problem weniger an Bord - Feierlaue!
9.9.2008 Hafen von Alicante Was sich bei erstem Tageslicht offenbarte, vor allem aus komplett übernächtigten Augen, war der Hammer. Die Dünung war grösserer als angenommen aber vor allem: das ganze Schiff war mit einer rot-braunen Sandschicht eingepudert. So richtig ekelhafter Dreck. Soll Saharasand nicht toll weiss sein? Nach 20 Eimern Wasser, konnte man wenigsten wieder BAJU darunter erkennen. Hafenwasserschlauch - wir kommen.
Bei der Fahrt zum Hafen bestätigte sich unsere gute Wahl, den Ankerplatz trotz dem Geschaukele nicht bei Dunkelheit zu verlassen. Draussen vor der 1,5 Seemeilen langen Mole stand eine Welle, sowie wir sie nur bei unserem Sturmritt in der Ägäis erlebt haben. Kein Problem, da sie von hinten kamen aber halt beeindruckend gross. Nachts hätten wir uns bestimmt die Hosen voll gemacht, bei so einer See die Hafeneinfahrt zu treffen. Diese war auch komplett anders als in unserer Karte und Hafenhandbücher beschrieben, da kürzlich das Hafenbecken stark vergrössert wurde. Nachts wäre das ein grosser Spass geworden.
Da sich nach 3-maligem Kreiseln in der Yachthafeneinfahrt nichts tat, um uns aufzunehmen, machten wir ersteinmal an der Tanke fest. Der Gang in das Hafenamt war schockierender als der Sandsturm und die Schaukelnacht!
'Nö, der Hafen sein voll.' Wie voll? Wir haben die halbe Nacht gekotzt, nicht geschlafen, draussen brechen haushohe Wellen gegen die Hafenmole, das Schiff sieht aus wie ein Streuselkuchen und im Hafen ist kein Platz? Ach, und ausserdem haben wir Maschinenprobleme - el arranque - nada - kaputt.
Wieder Palawer an der Funke. 'Oh, gute Nachrichten'. Ein Platz ist doch noch frei, allerdings handelt sich um ein Platz für Boote bis 35 Meter (also Kategorie: richtig fette Drogendealeryacht). Diesen müssten wir dann natürlich bezahlen - warte -kurz in der Liste nachgeguckt - 175,- Euro die Nacht. Ach, und Wasser und Strom extra. BUMMM, da standen wir und verkniffen uns das Grinsen. Andere Optionen - keine.
Zum Glück erblickten wir beim Hereinfahren in diesem riesigen Hafen ein kleines heruntergekommenes Hafenbecken, in dem ein kleines (Weltumsegler-)Boot alleine neben Booten der Gardia Civil lag. Wir entschlossen uns in diesem 175,-/Nacht-Schock-Moment es dort mal zu versuchen.
Nach gründlicher Waschaktion an der Tanke machten wir also in diesem Hafenbecken, das aussah wie der alter Fischereihafen, fest. Anlegen mit 2 Leuten und mit unserem Motor-Einschrauben-Patent ist gar nicht so einfach, klappte aber wieder mal super. Touch wood, aber wir haben uns bis jetzt noch keine wirkliche Schramme geholt.
Die grauselige Nacht half uns wohl bei der Entscheidung, den BOSCH-Heini unser Anlasserproblem richtig checken zu lassen, gerade wo wir jetzt sowieso im Hafen sind.
Nach kurzem Frühstück, es war nach all der Aktion ja schon fast 12, schwing ich mich aufs Radel zur Autowerkstatt. Auf dem Rückweg erkannte ich dann, dass unser Hafenbecken zum offiziellen 'Puerto del Alicante' gehörte, mit Eingangsschranken wie im Hamburger Freihafen. Der Pförter, der mich stoppte, glaubte meiner Segelyacht-mit-Motorproblem-Geschichte, ohne allzu lange nachzuhaken. Das gleich der BOSCH-Dienst kommen würde, den er auch bitte hereinlasse, gab der Nummer wohl den glaubwürdigen touch.
Der BOSCH-Mensch war sich nach einigem Klopfen und Hämmern ziemlich sicher, ein neuer Anlaser muss her. Mmmmh ,Mist, aber damit ist wenigstens nach langer Zeit mal wieder eine Richtung eingeschlagen. Der Anlasser-Profi wollte das Agregat noch in der Werkstatt checken, um dann eine 100% Entscheidung fällen zu können. Also Anlasser ausgebaut und so lag BAJU quasi ohne Motor, was etwas später noch extrem wichtig sein wird (Spannungaufbau), in dem Gammelbecken.
Den Nachmittag verbrachten wir mit dem Abklappern der Läden, die wir den Tag zuvor gescoutet hatten. Mit Einkauftüten und 2 Aluregiestühlen auf dem Rückweg passierten wir das Eingangsgate des Handelshafen, leider nicht so komplikationslos, wie ich beim ersten Mal. Der Pförter hatte gewechselt, diesmal einer der ganz korrekten Sorte. Funken mit der Kommandozentrale. Nein, eine BAJU sei nicht gemeldet, bitte zur Seite heraus treten, eine Polizeiwagen würde gleich geschickt, um uns zu unserem Boot zu begleiten. Na super, wie das wohl enden mag?!
Nach langem Palaver mit den Hafenpolizeimukkeln gab es 2 Lager: Beamter 1, ein Dienst-nach-Vorschrift-Oberspiesser, plädierte auf sofortige Räumung (in unserem Fall Abschleppen) des Sportbootes, bei Weigerung, Versenkung. Beamter 2, ein junger Typ, a la - so ne Weltumseglung würd ich auch gerne machen, meinte, dass der Lage entsprechend doch vielleicht eine Ausnahme zu machen sei. Vor allem als wir versprachen, morgen nach Einbau des Anlasser sofort zu verduften.
Und weil die Welt nett zu uns ist, setzte sich schliesslich B2 durch. Einschränkung: Wir müssten uns morgen um 8 Uhr bei dem Hafen-wer-liegt-wo-Obermukkel melden, um das offizielle 'ok' zu herhalten. Formsache, dachten wir.
Heike mit dem Polizeijeep (ja, so wie im Film) noch schnell zum Hafenamt, um Pässe und Bootspapiere dort als Kopie zu hintergegen, dann schlossen wir die Sache bis zum nächsten Mittag gedanklich ab.
Erfreulich war, dass bei unserer 2. Folge 'Sex and the City', der nette Beamte Nummer 2 noch einmal vorbeiguckte, um uns mitzuteilen, dass ein Besuch beim Hafenobermukkel morgen früh nicht nötig sein. Die Sache sei geklärt. Super, dachten wir, ausschlafen können wir jetzt auch, schauten daraufhin noch 3 Folgen unserer Lieblingsserie und schliefen, nach der letzten verkorksten Nacht, tief und fest.
Fortsetzung folgt...
8.9.2008 - Nähe Alicante Arbeitstage stehen an. Das erkennt man daran, dass beim Frühstück Mach- und Kauflisten (natürlich alle mit Prioritäten versehen - wir kommen ja aus dem Projektgeschäft ;-) )geschrieben werden. Also mit unseren Klappfahrrädern ab ins Dinghi und Gegend scouten. Prio 1: Wo ist der NISSAN Händler, der sich unserem Anlasser annehmen soll? Daneben noch ne Menge kleiner Projekte. Den Siesta-Stop, natürlich kamen wir nach langem hin-und-her und halber Radmarathonstrecke, zu spät beim Autoheini an, verbringen wir in einer Mall und gucken im Carrefour nach Kleinkram.
Es ist schon interessant, wie man so einen Ort erkundet. Da wird nicht die Altstadt durchwandert, nicht der Ausblick vom der Burg genossen oder Eis an der Hafenpromenade geschlemmt. Im Tourioffice wird nach Reparaturwerkstätten gefragt, die Blicke sind den Geschäften gewidmet und der Weg wird dadurch bestimmt, den schweren Kram zuletzt einzukaufen. Es ist eine ganz andere Perspektive, von der man eine Stadt und deren Leute kennenlernt. Als Fremder, aber halt gar nicht als Tourist.
Ich habe mich 'damals' immer gefragt, was die Leute mitten am Tage in der Stadt machen, wenn sie keine Rentner, Arbeitslose oder Touristen sind. Jetzt weiss ich's,... sie suchen alle nach einem Anlasser.
NISSAN sagt, dass sie uns nicht helfen können! In ihren Augen sieht man, dass sie auch gar keinen Bock haben uns zu helfen. Ausschlaggebend war wohl das Wort 'Boot', dass deren Zuständigkeitsbereich merklich übertraf. Das Argument, das alles wie im Auto ist, nur dass halt keine 4 Räder sondern ein Schiff angetrieben wird, zählte nicht. Wir wurden an eine Werkstatt verwiesen, die sich unserem Problem bestimmt annehmen kann.
Mit gesenkten Köpfen radelten wir von dannen, zum beschriebenen Autofritzen. Der stellte sich als BOSCH-Händler heraus -Elektrik- und Anlasserprobleme - alle Kassen. Hier sind wir richtig! Nach wiederholter Beschreibung unserer Anlassermisere, ein Lob auf Heikes fast exellentem Spanisch, das jetzt auch die Vokabeln 'arranque' (Anlasser) und 'dientes' (Zahnräder) beinhaltet, gab es 2 Optionen für uns. Entweder den Boss, der anders als die NISSAN-Leute interessiert daran war, sich den Motor an Bord anzuschauen, oder gleich den Anlasser ausbauen und einen neuen bestellen.
Wir entschlossen gar nichts ausser noch eine Nacht darüber zu schlafen. Auf alle Fälle gab es seit längerem mal wieder Optionen mit unserem Anlasserproblem voranzukommen.

3
Tage kurvten wir quer duch Alicante, um Dies'-und-Das zu besorgen.
Hier die nette Promenade am Hafen. Sonst geizt die Stadt mit high-lights.
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Mit ein paar Besorgungen und einer längeren Liste von 'Wo gibt es was', radelten wir quer durch Alicante zurück zu BAJU, wo wir kaputt und grad vor Dunkelheit ankamen. Am Strand der Stadt in der Nähe zum Hafen, wo wir zuerst ankern wollten, stand schon eine ganz gut Welle und wir waren froh, dass wir uns hinter einem kleinem Kap verkrochen haben, ca. 3 km nördlich von Alicante. Dort war es (noch) ruhig.
Der Wind wurde wie vorausgesagt stärker, bliess aber auch leider gut 45 Grad südlicher als erwartet. Deshalb sehr unangenehm, da immer mehr Dünung um die Ecke geleitet wurde. BAJU, der quer zu den Wellen lag, schauckelte ganz gut.
Die Nacht wurde furchtbar! Der Wind nahm gar nicht mehr zu, ganz im Gegenteil. Aber da draussen ein fetter Sturm tobte, nahm die Dünung, die teils an einer Untiefe am Kap brach und wie beim tollsten Wellenreitspot schön sortiert wurde, stark zu. Keine gefährliche Situation aber an Schlaf war nicht zu denken. Heike, zum erstenmal seekrank, fütterte gleich 2 Mal in dieser Nacht die Fische, sonst lagen wir im Salon, wurden durchgeschüttelt und alles flog durcheinander.
Plan: Mit dem ersten Strahl Helligkeit ab in den Hafen von Alicante.
7.9.2008 (Nähe Alicante) Um 7 Uhr morgens bringe ich Janina, Donat und Linus mit BABY BAJU an Land, wo auch schon das Taxi wartet. Es war eine tolle Zeit mit euch, ihr Lieben.
Nach 5 Wochen sind wir das erste Mal wieder allein. Zum Frühstück nur 2 Tassen decken, wie ungewohnt. Wir geniesen erst einmal die Stille, verarbeiten das Erlebte, quatschen viel und werden die nächsten Tage trotz langer Reparatur- und Machlisten langsam angehen lassen. Und natürlich an den 'Fotos & Stories' der letzten 3 Wochen basteln...
Mit bis zu 10 Knoten und Wind von hinten rauschen wir die Küste entlang. Vorbei ziehen die Betten- und Wohnsilos der Costa Blanca. Mancherorts sieht es aus wie Manhattan. Von weitem gar nicht so hässlich, näherkommen wollen wir lieber nicht.
Fisch am Haken! Voller Elan holen wir unseren 2.Fang der Reise ein. Ein Schuss Ouzo und dann, BAMMM..., eins über den Schädel, Eingeweide raus und ab in den Kühlschrank. Nach all den Schlemmereien der letzten 5 Wochen hatten wir uns eigentlich auf Sparküche, Restessen und Fasten eingestellt. Na, so eine leckerer Dorade ist doch gesund.
Und schon wieder.... Anbiss! Dorade Nummer 2 wandert in den Kühlschrank. Als dann noch die Dritte auf unseren Abendessen-Speiseplan hüpft, hält sich unser Ärger, dass Fisch Nummer 4 vom Haken fällt, in Grenzen.
Fasten... von wegen.
Gerade ist der Anker 4 km vor Alicante gefallen. Die Silouette ist ähnlich wie vorgestern, nur das die schroffen Felswände jetzt krassen Wohnsilos der allerhässlichsten Kategorie sind. Von einem der Apartments rausgucken ist wohl sicher gar nicht so übel, nur umdrehen sollte man sich nicht. Da der Wind schräg ablandig weht, schauen wir von unserer Terrasse in der Ferne auf die Hafenkrähne von Alicante. Dort, wo die Sonne in 3 Stunden untergehen wird. Der Situation entsprechend gar nicht so übel.
6.9.2008 (Span. Festland/Albir (Nähe Benidorm)) Die Windvorhersage lies uns ein Zeitfenster von 6 Stunden sehr früh am Morgen, um noch Meilen Richtung Alicante gut zu machen. Also, bei Sonnenaufgang raus aus den Federn... Leider war der Wind sehr schwach und aus Furcht wieder ab Mittag eins auf die Mütze zu bekommen, motorten wir die 5 Stunden nach Benidorm, von wo aus der Flughafen Alicante bequem zu erreichen ist.
Willkommen auf der Westhalbkugel! Von nun an werden die Längengrade grösser, nicht kleiner! Atlantik, wir kommen.
Den Nachmittag verbrachten wir damit den zu kurzen Nachtschlaf nachzuholen und den Touriort auszuchecken.
Der Elekromotor des Wassermachers macht Probleme. Super.... wieder ein Grossprojeckt auf der mittlerweile wieder stark angewachsenen Reparaturliste.
5.9.2008 (Spanisches Festland/Playa del Portichol) Am Morgen entpupte sich die grosse Bucht, an der wir weite Sandstrände vermuteten, als Felsküste mit gar nicht zu hässlichem Gesicht. Gerade das Kap, an dem wir ankerten, war schöner als erwartet.
Der Wind war ungüstig vorausgesagt, aber wir mussten weiter Stecke Richtung Alicante gut machen, wo Janina, Donat und Linus am Sonntag von Bord gehen. 2 Stunden stampften wir gegen eine immer höher werdende Hacksee bis wir eingestehen mussten, das dies keinen Sinn machte. Die Stecke, die wir 2 Stunden aufgekreuzt sind, vernichteten wir in 20 min. Entschädigt wurden wir aber durch die herrliche Bucht, in der wir Schutz fanden. Hohe Klippen mit tollen Felsformationen und -farben, dazu nur mässiger und vor allem einheimischer Tourismus am Kiesstrand.
Unsere Erwartungen waren diesen durch Bettenburgen und Billigurlaub für sonnenhungrige bekannten Küstenabschnitt (Calpe, Benidorm,...) sehr verhalten. So waren wir überaus positiv von der Schönheit der schroffen Küste und sogar Einsamkeit der Buchten überrascht.
4.9.2008 (Formentera/Cala Saona -Nachts spanisches Festland/Cala Fontana) Nach dem Frühstück segelten wir ein Stückchen gen Süden durch die hohe auslaufende Dünung an der Küste Formenteras entlang und versteckten uns hinter einem Kap. Leider konnten wir diese tolle Bucht nicht ausreichend erkunden, da wir uns nach neuer Wettervorhersage entschieden, noch an diesem Nachmittag an die spanische Festlandküste zu segeln.
Die 60 Seemeilen mit genauem Westkurs war Traumsegeln in den blutroten Sonnenuntergang hinein. Mit bis zu 9 Knoten glitten wir durch die Wellen. Nur einmal wurde dem kleinen Linus ein bischen anders, so dass der Fische fütterte.
Um Mitternacht fiel der Anker in einer grossen Bucht. Nach 5 Wochen Balearen-Crusing hat uns das Festland wieder.
3.9.2008 (Formentera/Cala Salina) Formentera ist am besten per Fahrrad zu erkunden. Na ja, die meisten mieten sich einen Motorroller, um die 20km von der einen zur anderen Seite zu düsen. Wir sahen die Sache sportlich und schwangen uns auf die Fahrräder. Nach eimem Badestop in einer Traumlagune kämpften wir uns die 150 Höhenmeter über ein Alt-Hippie-Dorf zum Südkap der Insel. Das Baquette teilten wir, mit ein paar grossen Eidechsen, für die Formentera bekannt ist, an der Steilküste, unsere Füsse weit über dem offenen Meer baumelnt.
Nach einem 'Cortado' mit ein paar Alt- und Neuhippies stoppten wir noch einmal in der Traumbucht, die in unserer Liste der Topstände (na sagen wir mal 'europäische Topstrände') ganz weit oben steht.
Unsere Meinung bestätigte sich bei dieser Radtour: Formentera ist eine fantastische Insel und wer Strandurlaub sucht mit ein bisschen Barleben, der ist hier genau richtig. Wir hätten gerne noch ein paar Tage hier verbracht, aber das spanische Festland ruft, da unsere Gäste Sonntag den Flieger ab Alicante nicht verpassen wollten.
Der nackte Engländer in seinem mini quitsch gelben Gummiboot, der neben uns ankerte, brummelte irgendwas von stärkerem Südwestwind in der kommenenen Nacht. Mmmmh, lieber mal Wetter checken. Mit unserer Amateurfunke sind wir ja, seit Marvin uns die Anlange in Betrieb genommen hat, bestens ausgerüstet. Auf eine freie Frequenz warten, bbrr...pppiiieeppp....und schon haben wir eine neue Wettervorhersage. Die bestätigte leider das Gebrummel des Engländers und so entschlossen wir uns in die Nachbarbucht zu verholen, die besser geschützt ist. Also Grill wieder aus und auf zum Verholmanöver.
Bei Dunkelheit kamen wir in der neuen Bucht an und mussten aufpassen, nicht einen der vielen Segler zu versenken, die hier ohne Ankerlicht lagen. Nach dem 5'ten Versuch hielt auch der Anker in dem Seegrass und wir konnten diesen schönen Tag endlich gebührend ausklingen lassen.
Nachts bliess es ganz gut und so waren die Mühen der spät abendlichen Ankeraktion wenigstens nicht für die Katz.
2.9.2008 (Formentera/Cala Salina) Wir sind in der Südsee, oder Karibik... oder sonstwo, wo es super-schön ist. Heut' verlegten wir uns ein bisschen Richtung Süden in die Naehe des Fischerei- und Fährhafens von Formentera, um morgen mit Fahrrädern die Insel zu erkunden. Ah, frisches Baquette brauchen wir auch. Der Rest, siehe oben.... einfach geniale Buchten, tolles Wasser, herrliche Farben, schöne Stimmung. Nach einem kleinen Landgang finden wir alle: Formentera ist ein relaxtes Örtchen. Uns gefällt's!
1.9.2008 (Espalmador, die kleine Privatinsel im Norden von Formentera) Eine der schönsten Ankerbuchten im Mittelmeer stand in unserem Segelregierführer!
Stimmt, können wir nach 2 Tagen bestätigen. Die langen Sandstrände und das türkis-blaue Wasser erinnern schon stark an die Südsee. Einsame, weitläufige Buchten machen das Ankern zum Vergnügen, die Landausflüge in der kargen, aber interessanten Fauna sind der Hit. Selbst am Tag ist es nicht übermässig voll. Ein Muss für jeden Mittelmeersegler!
2 Mal 'baden' wir im stinkenden Schlammloch, einem vertrockneten Salzsee, sehen aus wie Marsmännchen, laufen durch die sperrlichen Kieferwälder durch die Insel, lassen uns am weissen Strand trocknen bis der ganze Körper juckt und bestaunen nach dem Abwaschen, wie weich und geschmeidig unsere Haut sich anfühlt. Fango, sagen die Einheimischen.
Wellness für Körper und Seele sind diese Tage auf Espalmador.
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