Schöne Momente
 
 
Unser digitales Logbuch – sucht euch ein Datum aus und klickt durch unseren Alltag. Ihr findet Berichte, Photos & Gedanken; vieles was uns täglich bewegt .
 
 

Januar 2009

Kapverden

 

Januar 2009:

Montag, 27. Januar 2009, Abreise - Atlantiküberquerung

  Zur besserem Lesbarkeit findet Ihr die Atlantiküberquerung auf dem Februar Logbuch

Montag, 26. Januar 2009, Tantum, Brava, Kapverden, von Heike

  Heute gab es Rühreier zum Frühstück von den BioHühnern hier aus Brava, sehr schmackhaft. Anschliessend wurden die letzten Tätigkeiten verrichtet, um BAJU startklar für morgen früh zu haben. Also noch mal ans Unterwasserschiff, um das Biotop abzukratzen, den Antenentuner angeschaut, Batterie angeschlossen und tausend Kleinigkeiten überprüft und getestet. Besuch von unseren Dorfkindern hatten wir wie jeden Tag an Bord. BAJU mauserte sich ja die Tage zur Top-Hang-Out-Location. "Kommst du mit auf BAJU abhängen?" "Auf BAJU rumgammeln, klar komm' ich mit". So musste sich wohl der eine oder andere Dialog im Dorf angehört haben.
Nachmittags sind wir (mit der Kinderchar) an den Strand geschwommen, um noch ein bisschen die Landschaft zu geniessen und wandern zu gehen, was die folgenden 14 Tage sicherlich schwierig sein wird. Im Dorf oben wurden wir von allen begrüsst und Francesco war ganz happy uns zu sehen, hatte er die Dame, die die Nähmaschine bedienen sollte zu Besuch. Also erklärte ich ihr die Funktionen der Nähmaschine. An sich kannte sie die Faden-Einfädel-Prozedur schon, nur der Unterfaden war ihr neu. Total begeistert und happy haben wir die Beiden zurückgelassen, um durch das fruchtbare Tal zu wandern. Alleine? Nee, natürlich nicht. Zip begleitete uns und zeigte und die Bewässerungsanlage des Dorfes. Wasser ist gratis, das Nachbardorf muss zahlen.
Langsam werden wir nervös, morgen bei Sonnenaufgang geht es los.

Sonntag, 25. Januar 2009, immer noch in der schönsten Bucht der Kapverden: Tantum, von Heike

 

Man könnte ein Buch schreiben, was wir hier erleben. Es ist eigendlich so, wie wir es in unzähligen Weltumseglerbüchern gelesen und uns selbst erträumt haben. Fernab jeglicher Infrastruktur und moderner Zivilisation mit seinem schwimmendem Heim mit den ‚Eingeborenen' deren alltägliche Dinge, für uns Abenteuer, erleben und trotzdem abends im eigenen Bettchen Schlafen und morgens Kaffee schlemmen. Ein Traum, den wir hier das erste Mal auf unserer Reise so richtig erleben.

Hatten wir gestern den Deal ausgehandelt: Früchte gegen Nähmaschine, war es heute nach dem Frühstück tatsächlich soweit. Ein Fischkutter, mit insgesamt 3 Mann an Bord, kam längseits und Francesco begrüsste uns mit einem freudestrahlenden "bon dia". Es wurde an BAJU angelegt und die Säcke, ja Säcke, ausgeladen. Wir wussten gar nicht, was wir sagen sollten. Nie wurde über eine Anzahl von Früchten diskutiert und plötzlich hatten wir eine ganze Bananenstaude, 9 Kokusnüsse und 7 Papayas vor uns liegen. Was für ein Hammer. Und das alles noch schön grün. Wir haben ihnen gestern versucht zu erklären, das wir 2 Wochen nach Amerika segeln und die Früchte haltbar sein sollten. Aber wussten nicht wirklich, ob das angekommen ist. Super! Unglaublich! Nach einem Schluck eisgekühlter CocaCola (Alkohol bieten wir den Einheimischen eigentlich nie an) ist Stefan jetzt gerade mit den Männer los, um Langusten zu fangen. Logisch sponsorn wir das Benzin für den Aussenbordermotor, was hier verhältnismässig teuer ist. Es ist ein schönes geben und nehmen. Mal sehen, ob was im Kochtopf schwimmt. Kann ein Tag schöner beginnen?

Kurz darauf sind wieder unsere zwei Jungs da, haben mir noch mal zwei Eier gebracht, die noch warm waren (frischer geht es wohl nicht) und trinken CocaCola auf dem Netz. Zum Glück fängt morgen die Schule wieder an :o)) Leider hielt dies nur kurz an, dann waren über 10 Kinder an Bord und das Chaos war gross. Klar, sind sie alle neugierig und wollen alles sehen, aber als einer anfing ein Fenster aufzumachen, um hinein zu schauen, liess ich einen Schrei los und schickte alle von Bord. Ganz traurig schauten sie mich alle an mit ihren grossen Kaffeeaugen. Aber so ist das eben, wo fängt es an, und wo hört es auf?

Sonntagmittag und es gibt Langusten mit Reis. Wau! Die Jungs haben tatsächlich 3 Langusten mitgebracht. Ein richtig fetter Brummer, 2 so mittelgross. Laut Stefan´s Erzählungen war es hauptsächlich Mr. Super-Langusto, der in die Höhlen tauchte, selbstverständlich ohne Tauchausrüstung, sondern nur mit Schnorchel und die Langusten rauszog. Wahnsinn. Gegessen wurde auf BAJU zusammen. Die Männer hielten anschliessend ihren Mittagsschlaf auf BAJU während wir unseren Katamaran langsam auf die grosse Fahrt vorbereiteten. Das hiess heute ab in den Mast, das Vorliek des Vorsegels durchsetzen und Unterwasserschiff schrubben. Und natürlich, die Kiddies kamen auch wieder vorbei. Um 17 Uhr war es dann endlich mal soweit, wir waren tatsächlich mal alleine. Total ungewohnt. Niemand, der irgendwo auf BAJU rumhängt.
Kurz vor dem Sonnenuntergang hörten wir Rufe und wir sahen unsere zwei Lieblingskiddies am Strand, mit mal wieder irgendetwas in der Hand, winkend und schreiend. Naja, da es ja schon spät ist und das Wasser wirklich frisch, schickte ich Stefan mit BAJU BABY los, um sie zu holen. Ein schönes Gefühl, zu wissen, das man Freunde, oder besser kleine Fans, gefunden hat. Das ist für uns das erste Mal auf der Reise, dass wir so in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden. Sie sind fast schon beleidigt, weil wir heute wieder nicht zum eingeladenen Essen gekommen sind. Aber wir sind einfach todmüde.
Stefan ist zurück mit einem Berg von gesamelten Früchten von den Jungs. Tamarinde. Man soll sie pellen, kochen und mit Zucker kann man das Wasser trinken, sagen die Jungs. Ich hab in dem Buch "Exotisches Obst und Gemüse" nachgeschlagen. Dort ist diese Frucht beschrieben und wie man sie zubereitet. Man stellt ein Konzentrat her, das besonders gut zu Curry-Gerichten passt. Roh kann man das Fruchtfleisch von den Samen lutschen. Es schmeckt süss-sauerlich. Wie Brause. Ungewohnt, aber echt lecker. Laut Buch halten die Früchte bei Zimmertemperatur ein Jahr lang und so kann ich heute meinen wohlverdienten Feierabend geniessen, und muss das Konzentrat nicht gleich herstellen.

Samstag, 24. Januar 2009, die gleiche, perfekte Bucht auf BRAVA, mit dem Namen Tantum, wie wir jetzt wissen, Kapverden, von Heike

  Unsere Mission des Tages: alte Nähmaschine irgendwie loswerden, Internetcafe finden, um den Wind für die Atlantiküberquerung zu checken. Funken klappt in dieser mit felsbestückten Bucht mit den hohen Klippen einfach nicht. Also paddeleten wir mit BAJU BABY an Land.
Die Kinderschar begrüsste uns und half gleich das Dinghi an Land zu schleppen. Nachbarschaftshilfe lohnt sich also. Nachdem wir den heutigen Fang begutachtet hatten, brachten wir die Nähmaschine ins Spiel. Gleich ging das "ohh und ahh Gegacker" los. Wir standen rum, verstanden nix und irgendwann fragte uns jemand, wieviel wir dafür haben wollen. Naja, sagten wir, eigentlich nur ein bisschen Obst, vielleicht Papaya, Banana, Coco. Der Deal war mit Francesco, dem Tätowierten, gemacht und wir mussten zum Glück das schwere Ding nicht den steilen Weg hochschleppen.
In dem Dorf angelangt, mussten wir gleich mit Francesco zu seinem Haus und durften im Wohnzimmer Platz nehmen. Was wir hier sahen überraschte uns: super sauber, grosses, weisses Doppelbett mit Teddy, Tisch mit 4 Stühlen mit blauem Samt bezogen, Wandschrank mit vielen bunten Porzelanfiguren, TV und DVD unter gehäckelten Omadeckchen hervor schauend, alles gemütlich eingerichte. Vom Style, wie bei meiner Ur-Oma, aber Armut ist das nicht wirklich. Die Nähmaschine wurde ausgepackt und kurz erklärt. Mmmmh, kein Faden da, na gut, dann ohne Probenähen.
Essen wollte Francesco uns auftischen, aber wir hatten ja die andere Mission zu erfüllen, also bot sich Zip an, uns in die Hauptstadt nach Nova Sinta zu begleiten. Nach einer halben Stunde Warterei, erfuhren wir, das der Bus (offener Pick up mit Sitzfläche) nicht kommt und wir laufen müssen. Wie weit? So, 30 min laufen. Ok, hört sich gut an. Also, machte sich die Kolone bestehend aus uns, Zip und den Frauen des Dorfes mit ihrem heutigen Fang auf dem Kopf auf den Weg. Der Fisch sollte ja frisch an den Mann gebracht werden. Zum Glück erspäten wir weit oben das Auto (Gangprobleme verhinderten, das es das steile Stück hinab in Dorf fahren konnte). Mittagshitze und das Bergsteigen waren ganz schön anstrengend. Und nun stellt man sich die Frauen vor, mit Plastikkörben auf dem Kopf, die um die 30 kg wogen. Am Auto fragten die Mädels nach Wasser... mmh... klar hatte ich einen Liter dabei, aber der Tag war noch lang und die Vorstellung, dass jeder an meiner Flasche nippelt, fand ich gar nicht gut. Also gab ich jedem ein Bonbon und das Thema war durch.
Im Auto fuhren wir Richtung Hauptstadt, durch Dörfer, Berge rauf und runter und immer wurde geschrieen "Fisch, Fisch, Frischer Fisch" oder "Taxi, Taxi". Der Truck hielt an jedem Haus an, wo Mutties mit Schälchen warteten und die Verhandlungen starteten. Wer darf wem welchen Fisch verkaufen. Komisch, es gab jeden Tag Wahoo und der Preis 200 Escudos (2 Euro) das Kilo steht auch immer fest.
Viele Häusschen sind im Kolonialstil erbaut - eine Pracht so was zu sehen. Die Insel an sich ist sehr grün, Obst und Gemüse werden angebaut und Wasserprobleme gibt es nicht. Die Menschen total entspannt. Die ganze Atmosphäre bietet absolut Null-Stress. Selbst als wir die Hauptstadt erreichen, eine Ruhe, wie man sie selten kennt. Nova Sinta: Palmenalleen, alte Häuser, Backsteinpflaster, gepflegter Marktplatz, überall Papayapflanzen oder andere Bäume. Einfach nur schön, sich treiben zu lassen und die Kolonialbauten zu bewundern. Es hat einen ganz besonderen Charm. Irgendwie kommt es einem vor, als wäre die Zeit stehengenlieben. Wenn man an Stress leidet, sollte man sich hier niederlassen.
Logisch sind wir die einzigen Touristen, wie schon die letzten Tage. Halt was Besonderes :o)) Internetcafe hat zu, und so finden wir uns ein paar Minuten später hinter dem PC des Bürgermeisters wieder und dürfen sein Internet benutzen. Gibt´s auch einen Bäcker? Klar. Zwei sogar. Der eine hat zu und beim anderen finden wir uns in der winzigen Backstube neben dem Ofen wieder und füllen unsere mitgebrachte Plastiktüte mit 25 Bröchten. Lecker, sie sind noch warm. Kokusnuss-Kuchen? Ne, der ist nicht mehr da. Der Neue noch nicht fertig. Schade. Und so schlendern wir noch eine Weile mit frischem Brot zwischen den Zähnen durch Nova Sinta und geniessen.
Das Minitaxi bringt uns nur bis zu einem Dorf vor unserem Dorf zurück und so unternahmen wir noch eine fantastische Wanderung die Strasse entlang, diesmal glücklicherweise hinunter. Aloe Vera am Wegesrand, hier und da mal ein Esel oder ein paar Ziegen. Apropos Strasse. Diese wurde vor 3 Jahren erst gebaut und ist auch noch nicht überall fertig. Bis dahin gab es nur einen Trampelpfad zum Fischedorf.
An BAJU BABY angekommen sahen wir die Kiddies wieder und verteilten die versprochenen Stifte. Grosse Freude. Und müde, wie wir waren, wollten wir nur nach Hause.
Wir hatten gerade alles fertig verstaut, wollten baden und duschen, als wir 3 Kinder sahen. Nein, ich will nur meine Ruhe, ich will duschen! Und Stefan meinte, die haben was dabei und halten es hoch über dem Wasser. Also wieder anziehen und die Jungs begrüssen. Da packten sie ein Geschenk für uns aus: zwei grüne Eier. Grün, die Eier sind grün. Freudestrahlend bedankten wir uns und waren sichtlich gerührt. Sie erklärten, dass dies "normale" Hühnereier sind, halt nur grün. Der eine Junge lud uns für morgen gleich zum Essen zu seiner Familie ein. Es wird Reis und Fisch geben. Wir freuen uns darauf.

Freitag, 23. Januar 2009, in einer kleinen wildromantischen Bucht auf BRAVA, Kapverden, von Heike

 

Morgens und nachmittags fahren die Fischerboote an Baju vorbei, rein und raus aufs Meer, einer nach dem anderen. Ein Fischerboot nach dem anderen fragte heute nach irgendetwas: Messer, Angelhacken, Regenjacken, Zigaretten, Draht, Zeitungen, ... manche Wünsche erfüllten wir, manche konnten wir nicht nachgeben, da wir z.B. selber nur 2 Regenjacken haben. Das konnten sie wiederum gar nicht verstehen; eine Regenjacke pro Boot reicht doch ?!?
Anschliessend kam ein Fischer und setzte zwei Frauen ab und fuhr wieder weg ?!? Naja, da sitzt man zusamen und versucht irgendwie Konversation zu betreiben, mehr recht als schlecht. Aber klar, dass die eine meinen Bikini gut fand, das habe ich kapiert und so wechselte der kurzum den Besitzer. Was tut man nicht alles für eine gute Nachbarschaft. Gleich dazu gab ich ihnen noch Lippenstife und eine alte Zeitschrift zum Bilder gucken. Dann kam die Idee auf, Langusten zu fangen. Also war die Party auf Baju vorbei, und rein ins Wasser auf der Suche nach Langusten. Es war mehr ein Schnorchelausflug an das nahe gelegenen Riff. Sehr schön; tolle Gesteinsformationen, ein paar Korallen und bunte Fische gab es zu beobachten, aber der Fang blieb leider aus. Oder zum Glück, hatten wir doch noch reichlich Wahoo in unserem Kühlschrank, vom letzten Fang (1.10m lang, 7kg) - ein Riesending!

Zurück an Bord waren auch schon wieder Besuch da, die Kinder. Acht Kinder um genau zu sein. Gleiches Spiel, Bonbons wurden verteilt und es wurde gegickelt und viel gelacht. Manche haben blaue Augen oder mal hellere Haare. Das müssen noch die verstreute Gene von den Sklavenhändlern gewesen sein. Verabredungen wurden getroffen und wir versprachen morgen ins Dorf zu gehen. Ein 30 minütiger Fussmarsch, steil nach oben.

22. Januar 2009, Fogo, Kapverden (N 14 52.722 / W 24 29.645), von Stefan

  Wir durchlebten eine sehr unruhige Nacht: Der Anker hält nicht in den groben Steinen, der Wind kommt aus allen Richtungen und der Schwell lässt BAJU tanzen. Der GPS Positions- und der Tiefenmesseralarm geben uns wenigstens ein bisschen Sicherheit und erlauben uns für ein paar Minuten die Augen zu schliessen.
An Anlanden ist wegen der Wellen nicht zu denken und daran, BAJU bei diesem schlechten Ankergrund alleine zu lassen auch nicht.

Das war unser Besuch auf Fogo. Die Kulisse ist es wert und in der Nacht haben wir so viele Sterne gesehen, wie schon seit langem nicht mehr. Im Morgenlicht lassen die Fischer am Strand durch die fette Brandung ihre Fischerkähne zu Wasser, was ziemlich halsbrecherisch aussieht. Im Hintergrund der Vulkan, der in der Morgenröte leuchtet. Dazu Honig mit Butter - schon ist die Nacht vergessen.

Weiter nach Brava, welche auch eine tolle Insel sein soll, die Ankermöglichkeiten aber weit aus besser.

Wir haben von Seglerfreunden gehört, dass man aus der Brava-Ankerbucht nicht funken kann. Dies ist wohl der letzte Logbucheintrag, bis wir zur Atlantiküberquerung in 2-4 Tagen aufbrechen.

21. Januar 2009, Fogo, Kapverden (N 14 52.722 / W 24 29.645), von Stefan

  Bei Sonnenaufgang los nach Fogo, die Insel mit dem 2. höchsten Berg im Atlantik. War das ein Ritt: Anfänglich schönes segeln wurde durch Flaute abgelöst, da wir durch den Windschatten von Santiago hindurch mussten. Also 2 Stunden motoren. Dann, genau wie bei Tenerifa, Schalter an, knaller-baller Wind. Mit dem 1. Reff segelten wir eine zeitlang dahin, bis weit vor Fogo der Wind stark aufbriste und zum Schluss mit Sturmstärke pfiff. Die Wasseroberfläche war weiss und Gischt fegte durch die Luft. So viele Brecher hatten wir noch nie auf dem Deck und auch noch nie waren wir so nass. Ein echter Hexenkessel.
Dann, in der Abdeckung vom grossen Vulkan, eine Linie wie mit dem Linial gezeichnet - Windstille. Eine Minute später kam der Wind, der zuvor schräg von hinten kam, von vorn.
Alles logisch und schon häufig erlebt, aber immer wieder kaum vorstellbar, wenn man nicht mittendrin steckt.

Berge wurden nicht für den Segler geschaffen!

Ausser 2 high-performance Angelköder, die während des Sturms draussen an der Leine abgerissen wurden, hatten wir zum Glück keinen Schaden zu vermelden.

Fogo ist eine beeindruckende Insel. Ein fast symetrischer Vulkankegel, der 3.000 Meter aus dem Wasser ragt. Kaum besiedelt und die meist karge Landschaft leuchtet in allen Farben.

Wir haben ja gewusst, dass es in Fogo sehr schwierig sein wird zu ankern oder sogar das Schiff zwecks Landausflug alleine zu lassen. Probieren wollten wir es aber trotzdem.

17.-20. Januar 2009, Santiago, Kapverden (N 14 54.72 / W 23 30.33), von Stefan

  Ciudad Velha war für eine Zeit die Hauptstadt der gesamten westafrikanischen Küste und besass das Monopol für den Sklavenhandel. Als wir durch den Ort schlenderten, konnte man dieses Flair spüren. Eine grosses Festung auf dem Hügel, von dem man einen tollen Ausblick über den Ort und die gesamte Bucht hat, den Marktplatz, auf dem damals die Sklaven gehandelt und aufgehängt wurden, kleine Gassen und verfallene Kirchen. Überall wird restauriert, da das Örtchen darauf wartet, auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen zu werden.
Wir machten eine lange Wanderung durch ein fruchtbares Tal zu einem Wasserfall, in dem neben Gemüse vor allem Zuckerrohr angebaut wird. Kleine Schnapsbrennereien verarbeiten diesen dann gleich zu Rum, wie praktisch. Probieren wollten wir aber doch nicht, als wir eine rauchende Höhle begutachten. Das Zeug riecht arg nach Sprit und der Becher war zu verrostet.

Wir fanden den Ort so ansprechend, dass wir ihn am nächsten Tag gleich noch einmal mit dem Sammeltaxi besuchten. Tolle Fotos werden mit der nächsten Fotos & Stories präsentiert.

Die restliche Zeit verbrachten wir mit Einkaufen und Internet, da Praia auf Santiago die letzte Proviantierungsmöglichkeit und Infrastruktur vor der Atlantiküberquerung bietet. Zu kaufen gibt es hier wirklich fast alles. Sogar Butter haben wir gefunden und so haben wir wieder ein breites Grinsen im Gesicht, wenn wir morgens unserer Honigbrötchen genießen. LUXUS!

16. Januar 2009, Santiago, Kapverden (N 14 54.72 / W 23 30.33), von Stefan

 

Gestern war Inselerkundungstag. Mit dem Minibus sind wir einmal quer von Süd nach Nord durch die Insel gedüst. Bis zu einem grösseren Dorf in der Mitte der Insel sogar noch auf einer Teerstrase, den Rest dann auf Kopfsteinpflaster. Und das teils über atemberaubende Serpentinen, da die Insel sehr bergig ist. Während einem trotz Reaggaemusik im Auto der Atem stockte, wurden wir mit tollen Ausblicken auf Berghänge und Gesteinsmassive belohnt, in die kleine und sehr einfache Siedlungen getupft waren. Die Landwirtschaft, die durch den spärlichen Steigungsregen hier möglich ist, ähnelt mehr Bergwandern ohne Seilsicherung und muss unglaubliche Knochenarbeit sein. Wenn nicht gerade ein Dürrejahr ist, die hier leider häufiger vorkommen, kann man wenigstens etwas dem Boden abgewinnen.

Tarrafal am Nordende der Insel ist ein ganz schnuckeliger Ort, in deren traumhafter Bucht auch ein paar Segler ankern. Ein paar Individualtouristen und Einheimische tummeln sich am picoresten, palmengesäumten Strand. Uns ist für die nächsten Tage zu viel Wind angesagt und haben uns deswegen für den geschützteren Ankerplatz im Süden entschieden.

 Interessante Leute haben wir heute kennengelernt:

Auf der Rücktour im Bus eine schwedische Musikerin, die 3 Monate auf Santiago lebt, um ein Musikexperiment, das auch von einer Organisation gesponsort wird, begleitet. So haben wir für heute Abend ein Tisch im örtlichen Kulturrestaurant reserviert, wo sich die Musikszene trifft, und werden einer kapverischen Musikerin lauschen. Danach soll unsere schwedische Klaviermusikerin noch im Cockpit, einem lokalen angesagten Club, einen Auftritt haben, den wir natürlich nicht verpassen wollen.

 Bei einer Stärkung in einem sehr lokalen, ober-billigen und vor allem super leckeren Restaurant haben wir dann mit einem älteren Ami geredet, der wohl so ziemlich überall auf dieser Welt schon einmal gelebt hat. So ein typischer Kerl der ersten Stunde, der 5-10 Jahre vor wirklicher Infrastruktur in einer Gegend lebt und Land kauft, um es mit anderen Expats aufzubauen. Sein jetziger Tip und Wohnort: Die Nachbarinsel 'Maio'. Landpreis, beste Lage, 4-5 Euro der m2 - Tendenz steigend:o)) Er baut dort gerade eine Geschäftszeile mit Supermarkt (der erste auf der Insel) und ein paar andere Läden im Erdgeschoss, Apartments im Obergeschoss.

 Ach, und dann besuchte uns der Franzose vom Nachbarkatamaran. Welch' Ehre, ohne Aufforderung von einem Franzosen, der uns gleich auf Englisch ansprach, besucht zu werden. Er hatte viele Fragen zu den interessanten Features von BAJU. Im Gespräch merkte man, dass er was vom Fach verstand (auf alle Fälle viel mehr als ich), da er alles begeistert kommentierte. Wie sich später herausstellte, hat er 30 Jahre eine Werft in Gambia geleitet und dort 20 Meter Luxuskatamarane gebaut. Ein ganz grosser in der Katamaranbauszene. Letztes Jahr baute er das letzte Boot, seinen eigenen 15 Meter Katamaran, übergab die Werft an seine Mitarbeiter, um von nun an das Seglerleben zu geniessen. Nach einer Nordatlantikumrundung ist sein vorläufiges Ziel das Mittelmeer. Nach so langer Zeit Dschungelleben und Palmenstrand erst einmal Kultur tanken.

 Abends statten wir dann noch der Segelyacht vor uns, Engländer, einen Besuch ab. Das Boot war so interessant, das wir es einmal anschauen mussten. Der Rumpf ein 9 Meter Holzschiff, sehr tradionelle Form und Rigg. Farbe: Lila! Darauf lebte ein junger Engländer, der das Boot nach 100 Jahre alten Riss und Bauweise selbst gebaut hat. Wie wir lernten ein Fischerkahn, der in den Küsten Englands unterwegs war. Innen kam man sich vor wie auf einem Piratenschiff: Alles Holz, grösstenteils keine Stehhöhe, kleine Fenster, ein grosser Feststoffofen,... ur-gemütlich. Seit 4 Jahren ist er Solo mit dem Schiff unterwegs und hatte bis vor einem Monat noch nicht mal einen Motor an Bord. In Frankreich wurde er auf einer Holzbootmesse für Traditionssegler von einer jungen Engländerin angesprochen, ob sie ihn bis nach Antigua begleiten könnte und so sind sie nun zu zweit unterwegs. Schade, dass sie schon ausklariert hatten, um noch an diesem Abend Richtung Karibik aufzubrechen. Wir hätten das Pärchen gerne noch etwas besser kennengelernt. Das nächste Mal, die Seglerweit ist doch klein.

 Wie angekündigt bläst es seit heute ganz kräftig; in Böen bis zu 30 Knoten. Das ist für unseren Geschmack schon Orkan. 3 andere Segler sind aus unserer Bucht aufgebrochen, um diesen 'guten Wind' zu nutzen. Einer sogar gegenan Richtung Senegal. Entweder müssen wir noch ein bisschen cooler werden oder die anderen leiden an Selbstüberschätzung. Mmmmh, vielleicht ein bisschen von beiden.

Wir haben heute über Funk unsere Kollegen, die vor 4 Tagen von den Kanaren Richtung Karibik aufbrachen, gehört. Die haben allerhand zu tun, obwohl dort im Norden der Wind sogar etwas schwächer gemeldet ist. Der ODIN ist der zweite Spibaum gebrochen, die Wellen sollen sehr hoch sein und der Wind teilweise mit 35 Knoten pfeifen. Alles in allem wohl sehr ungemütlich. Ne Ne, wenn wir rüberfahren, haben wir lauen Wind, Sonnenschein und liegen gemütlich in der Hängematte.... hoffentlich.

 14. Januar 2009, Santiago, Kapverden (N 14 54.72 / W 23 30.33), von Heike

 

 Um 8 Uhr morgens, nach einer ganz gemütlichen Nacht segeln, liefen wir in Santiago ein. Wau, geteerte, richtige Strassen, viele Autos, eine Menge Busse, Stadtgestank und sogar ein paar Hochhaeuser. Daran muessen wir uns erstmal wieder gewoehnen.

Auf der Suche nach dem ultimativen Baecker - den Tip hatten wir von der PUKURI bekommen - schnallten wir, das es irgendwie zwei Plateaus gibt, auf der sich zwei "Stadtkerne" mit Geschaeften befinden. Spaeter erfuhren wir das die Stadt hier, Praia, die zweite Hauptstadt von Santigo ist, da die Erste, Cidade Velha, 3 mal von Piraten platt gemacht worden war. Danach hatte die Stadthaeuptlinge keinen Bock mehr und bauten das heutige Praia mit einer massiven Festungsanlage auf einem Huegel.

 Der erste Eindruck von Santiago war die Anlandung mit dem Dinghi. Diesmal nicht am Strand, sondern im Fischerhafen. Von einem Deutschen erfuhren wir, das Lukas, gegen Bezahlung natuerlich, auf die Beiboote aufpasste. Ich liess meine Sandalen mit dem Kommentar zu Stefan: "Meinste die sind nachher auch noch da?" im Dinghi liegen. Aber meine Sandalen mit dem Aussenborder anzuschliessen, fanden wir übertriebene Vorsicht. Nachdem wir dann ueber den Obst- und Gemuesemarkt geschlendert sind und uns brav beim Hafenmeister angemeldet haben, haben wir es gewusst: die alte Jeans, die unseren Benzinkanister im Baby Baju vor der Sonne schuetzt und meine Sandalen waren weg. Mmmh, mit einem Gebrummel machte ich den Typen, der auf unser Dinghi aufpassen sollte, klar, dass meine Schuhe weg sind. Naja, eigene Dummheit dachte ich und gab unserem Dinghi-Aufpasser trotzdem ein bisschen Kleingeld. Gleichzeitig war irgendwie grosses Geschrei und ein Hin- und Her, weil die Aktion ein paar andere Leute mitbekommen hatten. Und als wir gerade den Motor starten wollten, hatte ich meine Schuhe und die alte Jeans wieder in der Hand. Allerdings musste ich versprechen, dass ich die Schuhe hier lasse, bevor wir weiter segeln. OK, Deal. Gleich an Bord kramte ich sämtliche alten T-Shirts zusammen und anstatt den Aufpassern jetzt Kohle zu geben, bekommen die von uns alte Klamotten :o))

 Überrascht waren wir beide an der Auswahl an Obst und Gemüse. Ein bunter Afrikamarkt mit dicken Mamas, die Papayas, Bananen, Aepfel, Zitronen, Kartoffeln, Auberginen, Zuchini, Suesskartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen in allen Formen und Farben, ..., einfach so ziemlich alles, was man zum Verproviantieren braucht, anbieten. Das Beste: nichts ist gekuehlt, d.h. die Waren werden sich lange an Bord halten. Selbst im riesen Supermarkt gibt es Butter, Schmierkaese und Yoghurt. Einfach alles da und das zu Preisen, verfleichbar mit W-Europa.

 Morgen werden wir uns dem Touri-Programm widmen und per Bus in den Norden der Insel duesen.

13. Januar 2009, Auf dem Weg von BoaVista nach Santiago, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

 

Gestern war uns zu viel Wind und hatten nicht so rechten Lust auf's (heftiges) segeln. Well, Zeit haben wir ja uns so sind wir erst heut' losgedüst - eine Insel weiter in den kapverdischen Achipel. Wir segeln gerade gemütliches vor dem Wind; nicht zu schnell, da wir im hellen am Ziel, im Süden der Insel Santiago, ankommen wollen.
So haben wir uns Atlantiksegeln vorgestellt: 15 Knoten Wind von hinten, laues Lüftchen, kein Stress und der Tisch wackelt nicht im Salon als ob unter uns eine U-Bahn hindurchrattern. Gerade geht die Sonne unter, wir segeln bei fast Vollmond in die Nacht hinein und bei einem Tee lassen wir den Tag ausklingen.

Unsere Segelfreunde von dem Katamaran PUKURI, die knapp 1000 Seemeilen westlich mitten im Atlantik der Karibik entgegen schippern, haben mehr Dampf. Wellen von der Seite und eher viel Wind, der die nächsten 2 Tage noch aufbrisen soll. Vor 2 Tagen ist ihnen ein Fenster von einem Seitenbrecher eingedrückt worden. Der ganze Rumpf innen nass. Arme Säcke.
Andere Freunde sind mit mehreren Schiffen gestern von Gran Canaria in die Karibik aufgebrochen und haben jetzt 2800 Seemeilen vor sich. Mit allen stehen wir in Funkkontakt und es ist schön täglich voneinander zu hören. Teilen wir diese Wochen doch ein ganz besonderes Erlebnis - die Atlantiküberquerung.
Wir sind gespannt, wie es uns in 2 Wochen ergehen wird, wenn wir in den Weiten des Atlantiks schippern...

Heut' war übrigens wieder ein Arbeitstag: Ausserborder (klein) gewartet, Dieselfilter gewechselt,... das alles aber bei nett Sonnenschein und warmen Temperaturen. So lässt's sich arbeiten...

11. Januar 2009, BoaVista Sal Rei, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

  Oh Manno, war das ne Wanderung gestern. Wir haben ja mit einem ganz schönen Stückchen um das Nordkap zum bekannten Wrack kalkuliert, das wir aber letztendlich fast 6 Stunden unterwegs sein würden, damit haben wir nicht gerechnet. Aber es war's wert!
Kurz nach dem Dörfchen 'Sal Rei' wurde es einsam, und so blieb es die gesamte Strecke. Keine Menschenseele, kein Haus, kein Weg, kein Irgendwas. Nur schroffe Felsküste, in Abwechslung mit atemberaubenden weissen Stränden, die Brandung, ein paar Vögel und viel, viel Sand. Dieser wird an der Nordküste, wo all die Wellen sich brechen gemahlen und dann durch den Wind auf die Südseite der Insel transportiert, wo er sich zu riesigen Dünen auftürmt. Das dauert natürlich alles ein paar Jahrhunderte /-tausende, aber man merkt es an dem Sand, der einem zwischen die Zähne beblasen wird.
 

Was wird nicht alles für ein Müll an der Küste angeschwemmt? Da ist man quasi mitten im Atlantik und trotzdem liegt der Strand voller Dreck, als würde man durch eine Müllkippe laufen. Zum Grossteil sind es Plastikflaschen. Was bei uns brav bei Aldi & Co wieder abgegeben wird, landet hier leider im Meer und dann früher oder später an der Brandungsküste. Man sieht auch viel Fischereiartikel: abgerissene Bojen, Netze, Leinen und Plastikfangkörbe.

Und dann.... Schildkrötenpanzer! Riesendinger in allen Verwesungsstufen. Wie die hier herkommen, ist uns nicht ganz klar.
Theorie 1: Alte Omas, die bei ihrer (letzten) Eiablage erschöpft sterben
Theorie 2: Tote Tiere, die hier angespült werden (Dafür liegen die Skelette aber eigentlich zu hoch am Strand)
Theorie 3: Schildkröten, die bei der Eiablage von den Einheimischen abgeschlachtet und gegessen werden. Diese Theorie wird leider davon unterstützt, dass wir hörten das auf den Kapverden Schildkröten und -eier auf dem Speiseplan stehen. Verstärkt wird zwar für den Schutz der Schildkröten geworben (hier trägt der Tourismus sicherlich einiges dazu bei), aber Einige wird das kaum interessieren.
Uns gefällt Theorie 1 am besten.

Total erschöpft und mit Blasen an den Füssen kommen wir auf BAJU bei Sonnenuntergang an.
 
 

 


Skurile Spuren formt der Wind in den durch Salz durchsetzten Sand, der hart wie Beton ist.

Wie auf einem anderen Planeten

Auf dem Rückweg wanderten wir noch durch eine Oase
 

Nach der Monsterwanderung gestern war heute 'Bordtag'. Und was wir alles geschafft haben:

- GPS-Daten an die Amateurfunke angeschlossen - damit funken wir jetzt automatisch mit jeder Datenübertragung unsere aktuelle Position an eine zentrale Webseite, wo sie abrufbar ist. BAJUBASIS wird sie dann auf unsere baju-sailing Seite übertragen
- GPS-Daten an den neuen Günther angeschlossen - damit haben wir jetzt Daten wie Geschwindigkeit, Kurs über Grund (COG),... auf dem Display des neuen Gerätes. Vielleicht bekomme ich ja die remote control unit zum Geburtstag geschenkt, dann hat man alle Schiffsdaten sozusagen in der Tasche ;-)
- Abdeckplane fürs Dinghi gebastelt - damit ein Brecher, der uns bei Schlechtwetter hinten einsteigen will, sich nicht im Beiboot ergiesst sondern ablaufen kann
- Türverriegelung verbessert - damit wir nachts im Tiefschlaf nicht geklaut werden können
- Salzwasserpumpe repariert - damit wieder Wasser aus dem (Salz-)Wasserhahn kommt
- Abdeckhaube für die BUM BUM BOX genäht - damit das Monstergerät nicht verstaubt und es nicht gleich jeder sieht und neidisch auf die Kiste wird
- in den Mast geklettert um den Achterstag zu kontrollieren - damit uns der Spargel nicht auf den Kopf fällt
- Masseanschluss für die Funke verbessert - damit unser Funksignal noch besser ist und wir Mails noch schneller empfangen können
- Rudergeber neu justiert - damit uns Günther schick über den Teich schippern kann

Diese Liste ist für all diejenigen, die immer noch glauben, wir gammeln hier rum ;-)
Uff, da merk' ich doch gerade, dass heut' Sonntag ist. Boot waschen vergessen... na gut, morgen.

10. Januar 2009, BoaVista Sal Rei, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

  Seit der Besuch vor 3 Tagen von Bord gegangen ist, liegen wir alleine in dieser riesigen Bucht, die wir nur mit Windsurfern und Kitern teilen. Wir basten die Tage ein bisschen am Schiff: So leckte z.B. der Wassermachter, was er nach der Reparatur leider immer noch tut. Den Berg von 3 Wochen haben wir gewaschen und getrocknet, was gar nicht so einfach war, da der Wind ganz schön pfiff. BAJU sah also aus wie eine grosse Wäschespinne, wir mittendrin. Die Internetseite wollte gepflegt werden und das flotte Lüftchten sollte ja auch surftechnisch genutzt werden. So vergehen schnell die Tage, ohne auch nur einen Fuss an Land zu setzen.
Heute wollen wir endlich mal wieder Gassi-gehen und eine Wanderung um das Nordwestkap machen, um ein grosses Wrack zu besichtigen.

So langsam merkt man, das wir schon des längeren fernab von Versorgungsmöglichkeiten verweilen. Das letzten Gemüse (natürlich Kohl, hab verschimmelt) haben wir gestern gegessen, der letzte Apfel ist schon vor ein paar Tagen in das Müsli gewandert und Margarine hat schon lange die Butter ersetzt. Ja, so ist es nun mal, wenn man in abgelegeren Orten unterwegs ist. Alles theoretisch besprochen, nun live erlebt. Klar kann man was in den kleinen Läden kaufen, aber nie was man will, sondern eher das, was da ist. Und dazu meist noch teuer und in einer schlechten Qualität. Schau'n wir mal, was wir heute ergattern können.
Auf der südlicheren Insel 'Santiago', die wir als nächstes anlaufen wollen, soll die Versorgungslage an Frischem besser sein, da mehr Landwirtschaft betrieben werden kann, da sie regenreicher ist. Und den bekannten einheimischen Rum, den soll es dort auch geben.

5. Januar 2009, BoaVista Sal Rei, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

Was machen wir mit all dem Fisch?? Auf dem Weg von unserer einsamen Wüstenbucht zurück nach Sal Rei, der Surf- und Kitbucht an der Westküste Biavistas, knallten uns simulatan 2 fette Fische an die Haken. Da kam doch kurz Hektik auf. Fahrt reduzieren, Leine vorsichtig einholen, mit dem Gaff hochziehen und dann mit dem Gummiprügel eins auf die Rübe. Beide Dinger waren 60cm, der eine 3,5 der andere 4 kg schwer. Der Eine war wohl ein Bonito, der Andere wissen wir nicht so genau. Auf alle Fälle ahtten beide zartestes weisses Fleisch zu bieten. Perfekt, da wir vom roten Tunafleisch eher genug hatten (das hört sich jetzt sicher dekadent an).
Hier liegen wir nun wieder in der Bucht, wo wir schon Weihnachten verbrachten. Fetter Schwell von hinten hat uns zwar um eine ruhige Nacht gebracht, aber der super Surf am nächsten Tag hat dies wieder wettgemacht.

4. Januar 2009, BoaVista Süd, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

  Es ist Hochsommer hier, im Windschatten der Wüsteninsel. Es ist wie auf den Kanaren: die Wind zugewandten Seiten sind eher kühl, da windiger und vor allem wolkenverhangen, im Süden ist dann Sonne satt.
Da Dinghi-anlanden durch die fette Brandung, die sich an dem kilometerweiten Sandstrand brach, absolut unmöglich war, entschlossen wir uns schwimmend anzulanden. Es wurde jedem schon ein wenig grusselig, als das Getöse der Brandung immer näher kam. Ohne allzugrossen Waschgang erreichten wir zum Glück das Ufer und konnten zu unserer geplanten Dünenexpedition aufbrechen. Aus geschätzten 2 Stunden Wanderung am schneeweissen Strand entlang wurden dann 4, welche es definitiv wert waren. Wir wurden mit eindruckvoller und vor allem menschenleerer Dünen- und Oasenlandschaft belohnt, so dass wir uns vor kamen wie Extremabenteuerer. Dazu brach am Strand eine fette Welle, die zum abkühlen einlud.
Abends verspeisten wir unsere Tuna-Steaks (Tag Nr.2 der Tuna-Fang-Zeitrechnung) und legten unsere Beine in die Höh'.
Perfekter Tag.

3. Januar 2009, BoaVista Süd, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

 

NA ENDLICH! Auf der Überfahrt von Sal zurück nach BoaVista hat's geklingelt. Geklingelt? Mit einem 'PENG' bei 8 kn Fahrt flog plötzlich das Gummiseil, an dem die Angelleine hing, durch die Luft und war zerborsten. Zuerst wollten wir, alle etwas von den Enttäuschungen der letzten Angeltage desilliosioniert, gar nicht glauben, dass wir was gefangen haben. "Ach, bestimmt haben wir nur Müll aufgesammelt". Oberangler Pico wollte sich sogar fast schon wieder seinem spannenden Buch (mittlerweile ein Weltumseglerbuch) widtmen, da holten wir einen

**** 70 cm, 4,5 kg Gelbflossen-TUNA ****

aus dem Wasser! Was für ein Aparat! Endlich konnten wir gekonnt unser vorher theoretisch gelerntes und tausendmal durchgesprochenes Wissen praktisch anwenden: Leine immer auf Spannung halten, dann das Gaff hinter die Kiemen rammen und den Jäger die Bordwand hochziehen, um dann mit gekonnten Schlägen mit dem Gummibrügel den Burschen ausser Gefecht zu setzten und ihm mit dem Messer die Hauptschlagader zu durchtrennen. Wie die Profies halt! ;-) Beim Filetieren zeigten sich dann aber die wahren Künstler und so schnitten wir, quasi verlustfrei, 4 grosse Filetstücke aus dem Kraftpaket. Die ultra-frischen Tunasteaks bruzelten Minuten später von Heike wie immer kunstvoll gewürzt auf dem Grill. Mit der zweiten Hälfte wird morgen thailändische Kokusnuss-Curry gekocht, auf das wir uns schon alle freuen.

Die Südküste BoaVista's ist einzigartig! Riesige Sanddünen wechseln sich mit Vulkankegeln im roten Stein ab und dazu die gesamte Szenarie absolut unbebaut. Soweit das Auge reicht kein Mensch, keine Strasse, kein Haus ... nichts! Die Wellen brechen sich an dem kilometerweiten weissen Sandstrand, ohne dass irgendetwas diese Linie unterbricht. So etwas gibt es bestimmt nicht mehr allzu häufig auf der Welt. Ich möchte wetten, dass in 5 Jahren hier irgendwo ein Hotelblock steht. Aber vorerst geniessen wir diesen Anblick von unserem Ankerplatz in dieser risigen Bucht.

2. Januar 2009, Palmeria, Sal, Kapverdische Inseln - Autor: Stefan

  Bei 25 Knoten Wind kämften wir uns an der Westküste Sal's in langen Kreuzschlägen nach Norden, da wir unseren Gästen noch eine neue Ankerbucht zeigen, aber vor allem den lokalen Rum-Punsch in der Hafenkneipe nicht vorenthalten wollten. Na, und geangelt sollte ja auch noch was werden. Alle Köder waren ja tags zuvor in Detailarbeit präpariert worden, so dass eigentlich keiner an einen Misserfolg glauben konnte. Well, was soll ich sagen, den Abend gab es nach Ortserkundung dann Nudeln mit Artischoken... Auch lecker, aber halt kein Fisch.

Freitag, 2. Januar 2009, Palmera, SAL, Autor: Heike

 

.. die Brecher waren da! Leider war ich ohne Kamara am Strand spazieren. Die Wellen so ca. 3-4 m hoch, brachen sich am Riff vor einer kleinen Bucht an der Westküste unwiet der Südspitze Sal's. Die Fotografen mit den riesen Objektiven waren aufgereiht und so konnte die Show beginnen. Auf einer Welle ein Windsurfer, ein Kiter und ein Wellenreiter.... wer hatte wohl am meisten Spass? In einer Millisekunde bestimmt alle drei, aber dann stürtzte der Surfer vom Brett und wurde ordentlich gewaschen, der Windsurfer hatte die Welle abgesurft und wurde von den Nächsten total überrollt, da der Wind für Schub fehlte. Der Kiter hatte irgendwann einfach keinen Bock mehr die Welle abzusurfen, nahm "Anlauf" und liess sich mal locker über die Welle rüberkatapultieren, glitt dann die Welle wieder runter und war gleich bereit für die Nächste. Irgendwann werd´ ich auch mal mit dem Kiten anfangen...
Stefan und Pico entschlossen sich dann doch den Top-Spot den Profies zu überlassen und verkrochen sich hinter das Kap, um dort die Wellen zu reiten.

HAPPY NEW YEAR 2009 wünschen wir Euch allen! Silvester schlemmten wir unser 3-Gänge Menu an Bord (wer es wissen will: Feigen im Speckmantel, gegrillter Bonito mit Ananas-Curryreis, Mousse a Chocolat, dazu den Tagescocktail: Pina Colada), sind dann an den Steg gepaddelt (unser Aussenborder mag es ja nicht, wenn es dunkel ist) und haben unter dem 'Tui-Feuerwerk' mit Cava angestossen, bevor wir auf der lokalen Party in der Bar landeten, wo Lokale, Ex-pats und Touris abfeierten. Die Stromausfälle so ca. jede 5-25 Minuten waren eigentlich nur störend für den DJ, für uns passte das irgendwie zu die Kapverden. Nachdem wir schon lange im Bettchen lagen, hörten wir immer noch die Musik am Strand. Am nächsten Tag merkte man deutlich, das jeder lange gefeiert hatte, denn frischen Fisch am Steg ab es keinen und selbst der geile italienische Eisladen war geschlossen (schade, heute kein Caramel- / Mint-Schoko Eis für uns).

Heute segeln wir die Westküste von Sal gen Norden eigentlich nur mit dem Ziel den riesen Tuna (oder eine leckere Dorade) an einem unserer Angelhacken zu bekommen. Die Köder sind prepariert - Profiangeln halt. Wenn nicht, gibt´s halt Spaghetti. Auch lecker, aber keiner rechnet wirklich damit... ;-)

 

 

 

 

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