2. bis 23. Mai, Le Marin, Martinique, Karibik - von
Stefan
Zuerst will ich mich ganz kräftig bei denjenigen entschuldigen,
die regelmässig auf unserer Seite stöbern, was ja mittlerweile 'ne ganze
Menge sind.
Solange habe ich noch nie keinen Bricht oder Bilder online gestellt. "
I am very sorry, das soll nicht mehr vorkommen!"
Es scheint zwar die Sonne, es ist tropisch warm und die Palmen flattern
im Wind, aber von erfrischenden Abenteuern kann ich nicht viel berichten.
Seit Wochen bin ich am basteln, was das Zeug hält. Dazu weilt die Heike
noch in Deutschland. So wie dieser Arbeitsstopp geplant war, freu' ich
mich jetzt aber mal wieder auf Urlaub....
Nehmen wir das als Begründung, warum ich nicht die Energie aufbringen
konnte, was zusamenzuschreiben. Ne ehrlich, ich hab' in dem Chaos, das
hier auf dem Schiff herrscht, einfach den PC nicht wiederfinden können...
;-)
Schon vor ein paar Wochen verlegte ich mich von der schönen Bucht in
St.Anne in den Naturhafen 'Le Marin'. Zum einen musste ich doch fast täglich
zu irgendeinem Schiffshändler nach Marin, was auf Deuer ganz schön viel
Zeit (oder Benzin für's Dinghi) kostete, zum anderen regnete es oft tagelang.
Da konnte ich die tolle Urlaubsbucht nicht wirklich geniessen.
Gerade nachts waren die Regenfälle so heftig, dass es auf Martinique zahlreiche
Überschwemmungen und Erdrutsche gab, bei denen sogar Leute ums Leben kamen.
Die Wasserversorgung ist jetzt, 3 Wochen später, immer noch nicht flächendeckend
wiederhergestellt. Es regnete teils so heftig, dass man nichts als Wasser
sah, so was hab ich noch nie erlebt. Der Regen tommelte auf BAJU, so dass
ich mir jetzt lebhaft vorstellen kann, wie sich eine Ameise bei Platzregen
in einer Coladose fühlt.
Es gibt einen zweiten Grund, wenn man einen Katamaran verflucht: Beim
Luken-zu-Machen.
Da rennt man in Windeseile durch's Schiff, um die Decksluken so schnell
wie es geht zu schliessen, bevor sich der Platzregen im Schiff ergiesst.
Danach dann alle wieder alle auf, damit frische Luft durch Schiff zieht.
Wenn alle Luke auf sind, zählt man immerhin 14!
Na ja, sehen wir es sportlich. Dieser "Luken-Trimm-Dich" hält
fit und aufmerksam. Ausserdem beobachtet man so hinreichend seine Umgebung,
ganz nach dem Motto: 'Ob es bei der nächsten dunklen Wolke wohl regnet?',
oder 'Regnet es jetzt nur ein paar Tropfen, so dass ich die Dinger einfach
auflasse?'
Den Rest der Geschehnisse werde durch ein paar Fotos kommentieren.
Sonnenuntergangskompositionen
- jeden Tag ein anderer toller Anblick von St. Anne gen Westen zum
'Rocher du Diamant'
Dann wird gearbeitet....
Verkleidungen werden abgeschraubt,
um eine defekte Schweissnaht zu finden
Das neue neben dem alten Hirn
des Autopiloten wird eingebaut
Stylische Lampen konstruiert
Zwischendrin dann immer mal wieder Abwechslung:
Das Schwimmdock hinter
mir bietet Kino vom Feinsten - Gerade wenn sich das Ding mal wieder
nicht ganz absenken will und Taucher kommen müssen, um das Dock
zu reparieren.
Und weiter gehts...
Innenlautsprecher für den richtigen
Sound installiert
Konstruktion des Grosssegels
für BABY BAJU
Das wird abgehen wie Schmidt's Katze!
Der neue Tagestank gegen Wasserprobleme
im Diesel
Ein kleines Teil sorgt für viel
Aufregung und Arbeit.
Der Zahnkranz und die Kette für den
neuen Autopiloten sind sehr schwierig zu bekommen, da die Abmase
ungewöhnlich sind. Tagelang düs' ich auf der Insel herum und bekomme
trotz Unterstützung unserer lokalen Freunde nichts passendes.
Bis die super-schlaue Heike in Deutschland
im Fachhandel von SKF das richtige Zeug ausfindig macht. Bravo!
Selbst ist der Mann - Waschtag. Die Wäschereien im
Ort sind wegen Wasserrohrbruch sowieso seit Tagen geschlossen.
Dann endlich mal wieder feiern. Ich habe unsere Freunde aus Martinique
zum BBQ auf BAJU eingeladen und 'zufällig' hat Christine von der PUKURI,
die neben mit liegen, Geburtstag. Sabine von der CAYENNE backt einen Kuchen
und ich heize den Grill ein.
Full House auf BAJU
Geburtstagsfreuden
Da wird auch schon mal ne Jumbopulle
Champagner aufgemacht!
Ein Wochenende verbringe ich bei unseren
Freunden an der Ostküste, wo sie mit 2 Paaren ein tolles Haus mit
Reisengrundstück direkt am Wasser bewohnen. Der Weg dorthin ist
ein kleiner Feldweg, der zur Zeit gerade mal mit dem Jeep zu befahren
ist.
Überall Palmen und Mangroven, und dazu die Geräusche des Dschungels.
Ich kam mir vor wie in einem Ferienressort.
Haben viele eine Ton-Kröte im Gästeklo aus Deko,
schaute mir hier eine echte fette Kröte beim PiPi-machen zu, während
sie auf einer Fliege herrumkaute.
Mit dem Jeep unternehmen wir einen Sonntagsausflug
in den Dschungel. Überall müssen wir Flüsse überqueren, die wegen
des Regens über ihre Ufer getreten sind..
Manchmal mit dem Jeep, manchmal zu Fuss.
Und dann wieder mukkeln....
High-Tech Material wie auf dem
Regattaschiff - Die Backstagen für's das neue Vorsegelkonzept, normalerweise
aus Stahl, sind Seile. Halten das Gleiche dabei aber federleicht
und einfach handzuhaben - und kosten ein Vermögen ;-).
Es wird gesägt und gebohrt
Das alte und neue Netz im Vergleich.
Dort "AUA" . . . . . . . . . . . hier der Hochgenuss
der Netzkultur!
Einen Tag schnapp ich mir mein Fahrrad
und unternehme einen Ausflug in eine Rumdestillerie, die es auf
Martinique zu Genüge gibt... inklusive Rumprobe :-)
Man erkennt es ganz deutlich
- die Hurrikansaison naht. Die Superreichen verfrachten ihre Megaspielzeuge
ins Mittelmeer.
14. Mai 2009, Würzburg, Deutschland von Heike
Nach einem ganzen Jahr auf BAJU geniesse ich Heimaturlaub. 2 volle Wochen haben wir über den Atlantik gebraucht. Zwei Filme, zwei Mahlzeiten und ein Kapitel im Buch später bin ich schon wieder in Paris, und lasse mir einen "pain au chocolat" schmecken. Wie komisch das doch ist, so schnell zu reisen.
Verändert hat sich nicht viel. Die Ankunft war genau so, wie man es bei typischen Deutschlandwetter in Erinnerung hat: Trist, trüb, keine Menschenseele auf der Strasse, Regen, Unfreundlichkeit - irgendwie eine bedrückende Stimmung. Jeder ist in Eile und gestresst. Die Schweinegrippe wird zur Gruselgeschichte, Daniel ist jetzt Superstar und Heidi wird mit "Deutschland´s nächstes Top-Model" reich. Bei Aldi gibt´s wieder mal spanische Woche und Tchibo verkauft Badehosen und das Gefühl, dass der Sommer, und somit der Urlaub, nicht mehr weit weg sein können.
Seit ich hier bin, hatten wir 3 vielleicht auch 4 sonnige Tage. Dann ist es allerdings super schön - die Leute lachen, die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, alles blüht, jeder ist gut gelaunt und die Beach-Clubs sind voll.
Sonnenbrillen in allen Formen und Farben werden rausgekrammt und man kann auch mal ein T-Shirt anziehen. Vielleicht habe ich ja Glück und darf noch ein paar Sonnentage erleben.
Alle fragen mich immer, was ich so vermisst habe. Mmh, ich muss lange überlegen. Ja klar, es ist schön warm duschen zu können. Aber hab ich es vermisst? Nein, nicht wirklich. Es ist schön im Supermarkt vor einer riesen Auswahl an Käse zu stehen. So gross, das ich eigentlich überfordert bin und gar nicht weiss, was ich kaufen soll. Aber habe ich das vermisst? Nein, der Käse in St. Lucia - es gibt Cheddar Käse, und nur Cheddar Käse, dafür in 3 Grössen - schmeckt super lecker und es macht Spass sich auszudenken, wie man ihn geschmacklich variert. Ich mag es nicht besonders, mir morgens überlegen zu müssen, was ich anzuziehen habe. Wie kalt ist es? Wird es regnen? Auf BAJU überlege ich mir nur welche Farbe der Bikini heute hat. Shorts, T-Shirt und FlipFlops für den Landgang sind immer bereit. Und wenn es mal regnet, freuen wir uns über das Süsswassergeschenk. Ich vermisse die frische Luft, die Weite, den blauen Himmel, die Sonne, den Strand, das unendliche Blau des Wassers und ich vermisse BAJU und meinen Käpt´n.
Im Gegenzug geniesse ich es natürlich hier Familie und Freunde wieder zu treffen, die einem auf so einer langen Reise schon fehlen.
Im grossen und ganzen gewöhnt man sich viel zu schnell wieder daran, das der Strom aus der Steckdose und das Wasser aus dem Hahn kommt. Das man einfach alles kaufen kann, was man gerade braucht, das einem die Medien vorschreiben, was zur Zeit wichtig ist. Und Aldi bestimmt, wann man Mückenspray zu kaufen hat.
Ich liebe es morgens aufzustehen, mir meinen Tag selber einzuteilen und lass gerne die Natur bestimmen, wann wir Strom und Wasser haben. Ich find es spannend wegen einer gebrochenen Sprungfeder den ganzen Tag von Lädchen zu Lädchen zu laufen und aussergewöhnliche Menschen kennenzulernen. Wenn man Hunger hat, bestimmt der lokale Markt, der Angelköder oder unsere Vorratskisten, was es zu essen gibt.
Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile, so wie alles im Leben. Und oft werde ich gefragt, ob ich nicht doch lieber hier, in Deutschland, leben will, ganz nach dem Motto "die Jahreszeiten sind doch so schön"?
Würde ich tauschen wollen? Nein, will ich nicht. Zur Zeit gehöre ich auf's Schiff.
7. Mai 2009, Le Marin, Martinique - von Stefan
Ich hab mich ja nach Le Marin verlegt.
Neben mir liegt das grosse Zollboot. Natürlich.
1. Mai 2009, St. Anne, Martinique - von Stefan
Da freut sich fast die ganze Welt über den (1.Mai) Feiertag und mein erster Gedanke, als ich per Funk von einer Nachbarsyacht erfahre, dass heute 'Tag der Arbeit' ist, lautet: " So ein Mist. Das hab ich ja glatt vergessen".
Was für eine Schade, ich schäme mich dafür. Aber meine Uhr scheint mittlerweile anders als die der meisten Anderen zu ticken. So ist es halt und ganz schlecht ist es ja auch nicht :-))
Wo soll ich denn jetzt mein Baquette herbekommen? Ich muss heut mal von Bord. 3 Tage habe ich schon keinen Fuss mehr an Land gesetzt. Die langen Segelüberfahrten ausgenommen, ist dies wohl (trauriger) Rekord.
Also, ab in die reale Welt, bevor ich noch langbärtiger, selbstgefälliger, besserwisserischer, brummeliger, gestrandeter Ankerlieger werde ;-)