Schöne Momente
 
 
 

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August 2009

Tobago
Testigos
Isla Margarita

August 2009:

29. - 30. Juli, Porlamar, Isla de Margarita, Venezuela - von Stefan

Nach gemütlichem Day-Sailing und lustigem Fischerboote-Ausweichen vor der Küste Margaritas, fiel der Anker vor Parlamar, dem kommerziellen Mittelpunkt der Insel. Diese Ankerbucht zählt wie Gran Canaria, Martinique, Trinidad oder Panama zu den Durchgangsstationen der Fahrtenseglergemeinschaft.
Nicht nur das es auf dem Weg der Blauwasserroute liegt, es ist auch ungemein günstig, sich hier zu proviantieren. Dazu aber nachher noch etwas mehr. Neben den Durchreisenden liegen aber hier wie vielerorts auch die Hängengebliebenen, die hier Dauerstopp machen. Die Gründe sind vielzählig. Das es sich auf der Insel sehr günstig lebt und Venezuela außerhalb des Hurrikangürtel liegt, trägt sicherlich dazu bei.
So liegen auch ein paar gesunkene Yachten in der Bucht und auch welche, die es bald tun werden. So ein Anblick tut einem wirklich Leid. Einst ein Lebenstraum, nun ein Stück rostender Stahl im Wasser, auf dem der Pelikan sitzt.

Wir genießen in vollen Zügen das reichhaltige Angebot Parlamars. He, hier gibt’s sogar Hochhäuser, eine ganze Menge sogar. Das letzte Mal haben wir so was in Las Palmas auf Gran Canaria erlebt, und das ist immerhin fast 9 Monate her! Ja, auf Martinique standen auch ein paar, aber nicht vergleichbar mit der Skyline hier auf Margarita!
Die Stadt ist extrem lebendig mit Geschäften überall und Garküchen an jeder Straßenecke. Und was für leckeren Kram. Empanadas (in Öl frittierte gefüllte Maisfladentaschen), Fleischspieße, Burger, .... und das alles zu unter ein Euro Preisen.
Bier in der Strandbar 50 Cent, Cocktail (aus frischen Früchten gemixt) ein Euro. Taxi unter 2,-. So lässt es sich leben, gerade nach den teuren West Indies, wo man froh war, wenn man Fisch gefangen hat.

Das allerschärfste ist natürlich der Spritpreis. Festhalten!
Benzin 8 Cent der Liter, Diesel 6 Cent.
Ja, man hat's schon mal in irgendwelchen Tabellen gelesen, aber wenn man es sieht, fasst man es erst richtig.
Dementsprechende Autos sieht man hier herumfahren. Richtig oberfette Ami-Schlitten, in denen der 4 Liter Hubraum nur so dröhnt, und es schon ein wenig dauert, bis das gesamte Auto an einem vorbeigefahren ist. Oder der Mini-Van, über dessen Motorhaube man kaum hinübergucken kann. Die Tanknadel nur beim Anlassen zuzuschauen würde im Europa Kopfschmerzen bereiten.
Diese alten Dinger sind natürlich schon vor 20 Jahren fast vor dem Auseinanderfallen gewesen - und laufen immer noch. Umwelttechnisch ein Riesenkatastrophe, zum anschauen und -fühlen, der Oberhammer.

Heute haben wir die Touristenstrände im Norden der Insel besucht - Sonntagstrandtag.
So muss es an der Copa Cabana zugehen. Ein Riesenrummel an riesig langen Palmenstränden, die Sonnenschirme in Feldern hübsch in Reihe. Einfache Strandbuden bis hin zu trendy Lounge-Clubs. Die kinderreiche Normalfamilie bis zu den Superreichen, die sich in der den Hummer servieren lassen. Wellenreiter düsen durch die badende Menge. Viel Alkohol wird getrunken. Und gegessen.
Wohl deswegen haben die meisten Leute leider ein paar zu viele Pfunde auf den Rippen. Aber trotzdem sind die Mädels, bis ins höhere Alter, im String-Tanga unterwegs. Südamerika halt. Junge und reiche Frauen haben fast alle Ballonbusen. Hier sieht man, wie der Chirurgenmarkt in Venezuela boomen muss.

Heikes Zahn ist übrigens draußen! Nur schon mal im Vornerhein, für diejenigen, die sich Sorgen gemacht haben. Die ganze Story wird Heike aber sicherlich ins Logbuch schreiben.

25. - 27. Juli, Testigos, Venezuela - von Stefan

Die Testigos sind klasse. Wäre dies nicht mit Heikes Zahn passiert, wären wir sicherlich noch ein paar Tage geblieben.

Am ersten Tag nach dem Einklarieren besichtigten wir gleich die großen Sanddünen (wie jeder Segler, der hier Halt macht), die hier über die kleinen Hügel von der Seeseite hinüber wehen. Der wilde Strand mitten im Nirgendwo, an dem sich die Dünung bricht, lädt zum (Nackt-)brandungssurfen ein. Ja, ein bisschen Müll am Strand aber viel weniger als damals auf den Kapverden, fällt uns auf.

Am nächsten Tag schlendern wir am sauberen Leestrand entlang, wo ein paar Hütten stehen. Alles ist aufgeräumt und geharkt, die Leute zurückhaltend freundlich - eine nette Atmosphäre. Jeder scheint viiiiel Zeit zu haben.
Unser Morgenziel ist es, den Hauptberg der Insel zu besteigen, auf dem ein Leuchtfeuer thront. Wir stellen uns etwas blöd an die Einstiegstelle des Pfades zu finden und landen in einem Labyrinth am Kakteenhang - Aua. Immer wieder meinen wir einen  Weg zu erkennen, werden aber von den wahnsinnig spitzen Stacheln der Kakteen gestoppt - Aua. Nach langem Zick-Zack sehen wir unseren Fehler ein und bahnen uns den Rückweg durch das Stachelfeld. Wieder unten am Strand angekommen, deutet uns ein Einheimischer, dass wir komplett falsch unterwegs waren. Er hätte uns die ganze Zeit vom Strand aus beobachtet und nur gehofft, dass nichts Erstes passiert, diese undurchdringliche Stachelfeld zu durchqueren.
Einmal auf dem richtigen Pfad angekommen, ging es durch tolle Landschaft steil bergauf. Nach etwas Felskraxelei standen wir auf der Spitze und wurden mit einer tollen Aussicht auf die Islas Los Testigos belohnt.

Nachmittags verlegten wir uns in eine andere Ankerbucht, zum Playa Royal. Wahrlich königlich war der Strand. Wie im Werbeprospekt. Nur keine Hotelanlage sondern eine kleine verlassene Palmenhütte. Bilder folgen...

Testigos!, 27. August, von Stefan

Bevor wir uns auf den Weg nach Venezuela machen konnten, hiess es Ausklarieren. Also das letzte Mal den Finger cool am Strassenrand hinausgestreckt bis einer der 'local taxis', meist eine dröhende Bum-Bum-Box mit Rädern, anhielt und uns für ein paar Groschen nach Scaraborough, der Hauptstadt Tobagos, kutschierte.
Da man hier wie ein Containerschiff behandelt wird, war das Papierzeug in 4-facher Ausfertigung eher anstregend und für eine Segelyacht ungewöhnlich.
Wieviel blinde Passagiere wir an Bord hätten? Aeeeh, keine.

Jeder unserer Segelkollegen hatte Probleme beim auschecken, so auch wir. "Big problem, I cannot check you out!". Ein Zettel vom Immigration würde fehlen. Ohne diesen geht nichts.
"Wie, haben wir nicht. Wir haben nichts beim Ausklarien im Norden der Insel bekommen".
Nein, Nein, wir müssten nach Charlotteville im Norden fahren, um uns diesen Wisch zu holen, gab uns der um Vermittlung bemühte Beamte zu verstehen.. Immerhin eine Tagesreise.
"Ne, Ne, das ginge nicht, wir hätten Termine.", konterten wir. Vielleicht möge man im Charlotteville-Büro anrufen und die Lage einmal besprechen. Oh, ok, werde gemacht. Wieder halbe Stunde warten. Dann plötzlich viel freundlichere Gesichter. Der freundliche Officer im Norden der Insel, der in seinen Shorts eher wie ein Tourist beim Beach-Ball aussah als wie ein Beamter, hatte versäumt uns das Zettelchen mitzugeben, welches dort noch auf dem Schreibtisch läge. Gefaxt konnte es nicht werden, da der Officer in einer Besprechung sei.
Ha, dachten wir, natürlich ist der Beamte nicht in einer Besprechung, sondern fischen, Fussball spielen oder Bekannte besuchen. Aber sicherlich nicht in einer Besprechung.
Um 3 Uhr nachmittags würden die Papiere ankommen, wir sollten solange warten.
Nichts da! Was können wir dafür, wenn der Beach-Boy-Beamte da oben es versäumt, uns alle Papiere mitzugeben und ausserdem müssen wir den günstigen Wind nach Venezuela ausnutzen. Wir blieben sturr und schauten fragend die Dame in ihrer geschniegelten Uniform an.
Nach weiterem Hin-und-Her dann die Einlenkung. Nun gut, die Papiere seien ja vorhanden und würden bald eintreffen. Ausserdem könne sie sich an uns erinnern, wie wir vor 6 Wochen brav einklariert haben (und fett Wochenendzuschlag bezahlt haben).

Draussen waren wir. Geht doch.

Noch die letzten Tobago Dollar in der italienischen Pizzeria ausgegeben und los.

Was für ein Traumsegeln! Bei flotten achterlichen Wind und bis zu 3 Knoten Strömung von hinten, die uns auf der Herfahrt so arg zu schaffen machte, flogen wir dem Sonnenuntergang entgegen, der uns mit einem Feuerwerk den Weg zeigte. Völlig stressfrei nie unter 8 Knoten, häufig über 10 über den Ozean fegen. So macht das Segeln Spass.
Es war fast Neumond und wolkenlos in dieser Nacht, so dass man die Sternsysteme über uns zählen konnte. Soviel Sterne funkelten und spiegelten sich im Wasser, dass man meinen könnte, man wäre in der Schmuse-Disco.

Ach, wir befinden uns übrigens im 'Piratengebiet'. Von viele Überfälle wurden auf dieser Route schon berichtet. Meinst wohl Drogenkuriere auf ihrem Weg von Venezuela in die West Indies oder halt auf dem Rückweg, die dann schwer bewaffnet schnell noch mal eine Yacht aufbringen. Von wilden Schiessereien auf See wird berichet und Yachten mit unzähligen Kugeleinschlägen präsentiert.
Nun gut, viele Yachten passieren das Seegebiet auch ohne Probleme und überhaupt... in Hamburg wird auch häufig mal einer erschossen oder vom Auto überfahren.
Wir fahren vorsichtishalber ohne Licht und die Signalpistole liegt geladen neben uns. Was soll da noch passieren?

Am Morgen kommen wir auf den Testigos, eine kleine Aussenposten Venezuelas, an. Ein paar Fischerhüttchen am weissen Strand an dem sich die Palmen im Wind biegen, dahinter Hügel mit grossen Kakteen und ein paar Bäumen, die den salzigen Seewind trotzen.
Die Beamten der Guardacostas sind nett und der Papierkram, eine Art Aufenthaltsgenehmigung für 2 Nächte, schnell erledigt.

Beim ersten Kontakt merkt man, dass wir in einer anderen Welt angekommen sind.
Ersteinmal natürlich das Spanisch, statt dem Englischen in den West Indies. So wird es wohl auch das nächsten Jahr bleiben. Heike freut sich endlich mal wieder ihr Spanisch einsetzen zu können. Ich werde immer motivierter, es zu lernen...

Und dann die Menschen. Der erste Kontakt zu einem Einheimischen zeigte uns gleich, dass wir in Südamerika angekommen sind. Nicht ein lautes 'Yo man!' oder ein 'Respect man' vom Rastafari sondern ein leises 'Hola' zwitscherte uns entgegen. Bei einem kleinem Pläuschchen mit einem Fischer vor seinem Haus entschuldigte er sich, dass er uns kein Bier anbieten könne, da er keins hat. Auf den Inseln, wo wir gerade herkommen, hätte man uns schon längst nach einem Bier gefragt oder uns Ghanja zum rauchen angeboten.

Wir freuen uns auf Venezuela.

Zahnweh!!!!, 25. August, von Heike

Als ich gerade dabei bin eine mega obergeile Pizza zu verspeisen, kracht es fürchterlich und ich denke, mein Backenzahn ist durchgebrochen. Autsch! Ich reagiere sofort und spucke alles aus, renn aufs Klo und spüle meinen Mund aus.Mmmmmh seh mix, es gibt keinen Spiegel in dem Laden. OK, jetzt kann ich nicht mehr machen, also schön die restliche Pizza auf der rechten Seite kauen und anschliessend direkt zurueck auf BAJU. Das ist genau das Horrorszenario, vor dem ich immer mega Schiss hatte, Zahnschmerzen und weit und breit kein Zahnarzt. Super!
Nun gut, 2 Tage segeln und wir sind in Venezuela, dort sollen die Zahnärzte ja berühmt sein. Also Anker auf, wir wollten heute ja eh los. Nach ein paar Stunden tollem Segeln und nachdem ich mich ein bisschen beruhigt hatte, merkte ich das vielleicht doch gar nicht der Zahn durchgebrochen ist, sondern "nur" die Füllung rausflog. Schmerzen sind auch weniger und so kaue ich eben für ein paar Tage auf der rechten Seite und putze immer gleich fleissig nach dem Essen die Zähne, damit wir uns die Testigos ansehen können und nicht schnell nach Margarita durchsegeln müssen.
In Margarita werde ich nach dem Einklarieren gleich zum Zahnarzt düsen. Die Story folgt.

Hoffentlich passiert mir so was nicht auf irgendeinem Atoll mitten in der Südsee...

TOBAGO, August 2009, von Heike

"Tobago - Other Islands invite you to return, Tobago wants you to stay"
"Tobago - Andere Inseln laden dich ein wieder zukommen, Tobago möchte das du bleibst"

Das ist der offizielle Werbespruch für Tobago. Es passt! Genau so fühle ich mich hier, auf Tobago. Man will gar nicht mehr weg. Die erste Karibikinsel, die alles vereint; von unglaublich schönen, wilden Stränden gesäumt mit Palmenwedel, über Wasserfälle, die zum Baden einladen, eine bunte Unterwasserwelt mit den verschiedensten Arten von Korallen, gigantissch zum Schnorcheln und Tauchen, leckere lokale Cuisine zu günstigen Preisen, bis hin zum bekannten Wellenreitspot, nicht zu vergessen Kiten- und Windsurfen ist am Buccoo-Riff mit Stehrevier möglich. Dazu  ist es sicher und bei unseren Wanderungen ist hitchhiken überhaupt kein Problem. Es gibt sehr wenig Segler und BAJU ankert einsam in den Buchten. Pagageien, die einem den Morgengruss aus dem Dschungel zurufen und Schildkröten, die ihren Kopf aus dem Wasser strecken, sind an der Tagesordnung. Eine Insel, in der man barfuss in der Strandbar sitzt und den Klängen der Steel-Band lauscht. Zum ersten Mal, hier in der Karibik, haben wir das "Asia-Gefühl": am Strand in einem gemütlichen Hüttchen abhängen und ein kaltes Bier trinken. Oder wie die Einheimischen sagen: "liming" (abhängen). Und das zu ok Preisen.
Die bis dato Top-Baju-Karibik-Lokation ist gewählt: Tobago.

Und deswegen haben wir soooo lange nichts geschrieben. Wir entdecken die Insel über und unter Wasser zusammen mit Vincent, Stefan´s Neffe. Er verbringt seinen Sommerurlaub bei uns. Am Anfang waren wir mit der SY Cayenne zusammen, die auch gerade zwei Teenie-Mädels zu Besuch hatte. Von Lagerfeuer mit Stockbrot, bis hin zu Kämpfen auf der Luftmatratze, Geochaching, Früchte sammeln, Dschungelwanderungen und Spieleabende ... wir haben viel zusammen erlebt.
Einen Tauchkurs hat Vincent mittlerweile erfolgreich absolviert und nun darf er mit seinem Onkel tauchen gehen. Cool! 

Nachdem wir drei wunderschöne Wochen Buchthopping in den Norden von Tobago hinter uns haben, sind wir jetzt wieder im touristischen Süden angekommen und bereiten uns auf die Überfahrt nach Venezuela vor. Vincent fliegt am Sonntag nach Hause und wir werden wohl am Montag ausklarieren um gen Westen zu segeln - mit Zwischenstopp auf den Testigos und dem Ziel Margarita.

Gestern waren wir seit langem mal wieder "shoppen". Es gibt tatsächlich eine Mall, die einigermassen gross ist und interessante Geschäfte bietet. Vom Sportladen bis zum Buchshop alles da. Bei ‚Subway' gab´s Mittagessen und wir konnten die Vorteile der Zivilisation geniessen. Im Gegenteil zum Norden, wo es noch nicht mal einen richtigen Supermarkt gibt; den Fisch kauft man direkt bei den Fischern, Brot wird einen Tag vorher bei der Snackbude bestellt und Früchte pflückt man vom Baum. Nun düsen die Jetskies neben BAJU und die weissen Touris sitzen in der Beachbar und trinken Bier. Abends schallt live Musik aus dem Resort. Fischer sind keine in Sicht und Vollkornbrot mit Salami bietet der Supermarkt.
Beides ist schön; alles hat seine Zeit.

Wir haben hunderte von Photos geschossen, ein Bericht mit vielen Photos gibt es hier.

 

Mangos!.... Mangos!.... Mangos!
Es ist Mangosaison auf  Tobago und die BAJU Manschaft findet das total genial. Die Früchte sammelt man einfach auf der Strasse ein - es gibt unglaublich viele Mangobäume - und die Einheimischen haben bereits die Nase voll von den vielen Mangos. Es gibt bis zu 15 Mangosorten, die tatsächlich alle verschieden schmecken. Nachdem wir keine Mangos mehr sehen können,wird jetzt Mango-Chutney und Mango-Marmelade eingekocht. Die SY Pukuri hat sich in der Mango-Bier-Produktion leider nicht erflogreich versucht, aber dafür schmeckt ihr selbstgemachte Mango-Sirup super. Mango-Hühnchen-Curry stand bereits mehrmals auf dem Speiseplan. Gut, das bald September ist, dann ist die Mango Saison vorbei und die Avocadozeit beginnt. Ich sammle schon Avocado Rezepte.

 
 
 

 

 

 

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