Februar 2010:
28. Februar 2010, Cienfuegos, Kuba, Karibik - von Stefan
Wir sind gerade vom Baseballspiel zuzückgekommen - Playoffs Cienfuegos 'Elefants' gegen den letztjährigen Champion 'Habana'. Im ausverkauften Baseballstation, wo schätzungsweise 10.000 Leute Platz fanden, wollten wir mal sehen, wie die Kubaner ihren Lieblingssport (neben dem Boxen) feiern.
Für die meisten war es grosses Showlaufen, gerade für die jungen Damen. Alle komplett durchgestylt, von Kopf bis Fuss. So liefen sie in den Gängen hin und her und klatschten ihre Cliquenfreunde ab. Herrlich.
Sonst wurde natürlich viel nach Sambaklängen die Hüfte geschwungen.
Aber was soll ich sagen.... Baseball ist selbst in Kuba sau langweilig anzuschau'n.
Morgen werden wir uns um unsere Genua, die auf dem letzten Schlag in den Jardines de la Reina auf 12 Meter länge eingerissen ist, kümmern. Hier in Cienfuegos gibt es eine Charterbasis und deren Leiter, ein Deutscher, will uns helfen, das Segel genägt zu bekommen. Stoff und Faden haben wir zum Glück am Bord, sonst hätten wir ein Problem.
Hoffentlich klappt das.
27. Februar 2010, Cienfuegos, Kuba, Karibik - von Stefan
Cienfuegos ist nicht ganz das Kuba, was wir bis jetzt kannten. In der Innenstadt reiht sich in der Fussgängerzone ein Geschäft an das andere und der Trubel erinnert an die Mönkebergstrasse am Samstag. Die meisten Leute sind sehr modisch gekleidet und wenn man oberflächlich in die Runde blickt, könnte man überall sein auf dieser Welt.
Klar bieten die Läden auch hier kein Riesenabgebot an Ware, aber deutlich mehr als in Santiago de Cuba oder Trinidad. Auch hier sieht man die alten Amischlitten oder Russentrucks, aber viel mehr moderne Autos und Lienenbusse.
Wir sind froh zuerst das 'echte Kuba' bereist zu haben.
25. Februar 2010, Trinidad, Kuba, Karibik - von Stefan
Es ist Winter! Wir frieren! Abends barfuss auf BAJU geht schon lange nicht mehr. Gestern habe ich eine lange Hose und Socken angehabt.
Fast täglich zieht eine Kaltfront durch und der Wind dreht jeden Tag einmal im Kreis, so dass wir mit BAJU im Karussel ankern. Das es in Kuba so kalt wird hat uns keiner gesagt. Nun ja, die gesamte Nordhalbkugel soll diese Zeit etwas unterkühlt sein. Beschweren wir uns mal nicht und freuen uns, dass wir eingemummelt unter der dicken Decke gemütlich schlafen können. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es wieder ruck-zuck warm. (Abends 15 Grad!!)
22. Februar 2010, Trinidad, Kuba, Karibik - von Stefan
Nach einer Woche Einsamkeit, kam uns die Kleinstadt Trinidad schon vor wie eine Metropole. Eine sehr sehenswürdige - nicht umsonst eins der Städte-highlight Kubas.
Strassen aus Pflasterstein, durch die die Pferdekarren klapperten, und Gassen, in denen man sicher ist, dass hier die Zeit angehalten wurde.
In der Altstadt nicht mehr ganz so authentisch wie Santiago de Cuba, aber von den Bauten ein ganzes Stück prunkvoller - insgesamt (damals) reicher und ein wenig stilvoller.
Der Reichtum wurde damals in dem grossen fruchtbaren Tal 'Los Indigenas' Zuckerplantagen und -fabriken erwirtschaftet.
Wir mieteten uns einen Tag ein Moped und düsten ins 60 km entfernte 'Sancti Spiritus' durch das Tal. Der Weg war das Ziel. Wir hielten hier und da an und kamen uns vor wie im 'Wilden Westen'. Viele Cowboys auf Pferden waren unterwegs - so richtige Marlboro-Typen mit Lasso in der Hand. Die Zuckerplantagen sind heute fast alle verschunden und das Tal wird durch Rinderwirtschaft genutzt. Eigentlich bewegt sich jeder mit dem Pferd vorwärts, entweder auf dem Eigenen oder in der Kutsche. Teilweise ein witziger Anblick, wenn 2 oder 3 Kutschen nebeneinander anhalten und die Kutscher small-talk halten.
17. Februar 2010, Cayo Alcatrasito, Jardines de la Reina, Kuba, Karibik - von Stefan
Gestern haben wir unsere eigene Traumlagoone erkundet, die in keinem Segelführer beschrieben war. Wir ankerten vor dem Riff, wo wir eine Einfahrt vermuteten. Per Schnorchel und Flossen bestaunten wir die Unterwasserwelt, wo es vor grossen Fischschwärmen nur so wimmelte. Ja, und natürlich riesig fette Barakudas beäugelten uns Eindringlinge neugierig in ihrem Revier. Hoffentlich hat es sich nicht herumgesprochen, dass viele ihrer Verwandten auf unserem Grill, in unserer Pfanne oder im Einmachglas landeten...
Mit dem Dinghi scouteten wir die Riffeinfahrt und die Lagoone und beschlossen, es mit BAJU zu versuchen, diese Lagoone anzulaufen. Eine Viertelstunde später fanden wir uns in 'unserer Lagoone' wieder und ankerten auf 1 Meter Wassertiefe. Es ist wirklich ein Riesenvorteil, so wenig Tiefgang zu haben.
Wir rückten noch am selben Nachmittag mit BABY BAJU aus, um die umliegenden Mangroveninselchen und Kanälchen zu erforschen. Viele Magroven sind abgestorben und wie uns Fischer erzählten kann diese Phänomen, das seit ein paar Jahren die Magroven sterben lässt, keiner erklären. (Andrea hast du schon was rausgefunden?)
Nach einer ganzen Inselumrundung mit dem Dinghi wieder daheim angekommen, kommt es zu der Situation, wie wir es schon von anderen Jachties gehört, es aber nie glauben konnten.
Ein ururalter Fischerkahn läuft in 'unsere Lagoone' ein, ankert neben uns. Es lässt sein Beiboot zu Wasser und 3 Fischer paddeln zu uns herüber. Kurzer Smalltalk und:
"Wollt ihr Langusten?"
"Äääääh, ja, wenn ihr welche habt?"
"Reicht bitte einen Eimer herüber..."
Und schon wird für uns eingepackt .... 12 Langusten, die Hälfte kleinere Explemplare, die Anderen richtig dicke Dinger! Wahnsinn! Wir haben gar nicht den Eindruck, dass die Fischer etwas dafür haben wollen. Trotzdem holen wir unsere (Tausch-)Schätze hervor und beschenken die Fischer, die nicht aufdringlich sondern super freundlich und schüchtern interessiert sind.
Am Tag darauf statten wir ihnen einen Besuch auf ihrem Fischerkahn ab. Ein irres Erlebnis!
Dass das Schiff noch schwimmt gleicht einem Wunder. Überall quillt der Rost aus dem Ferrocement-Boot (Schiff aus Drahtgeflecht und Beton), welches die billigste Methode ist ein seetüchtiges Boot zu bauen. Ausserdem braucht man ja nicht viel - ein bisschen Stahtgerüst und halt Beton. Stolz ist die 6 köpfige Besatzung auf ihrem Motor. Ein Yanmar 6 Zylinder Schiffdiesel aus dem Jahre ... sehr lange bevor ich geboren wurde.
An Deck lagen überall riesige Stachelrochen, die gerade ausgenommen wurden. Die armen Fiecher - sehen doch so schön aus, wenn sie durch das Wasser fliegen. Dann ein riesiger Haufen Conch/ Königsmuscheln. Kein Wunder, wenn es hier auch bald keine mehr gibt. In der restlichen Karibik sind sie ja schon fast ausgestorben.
Aber hee, die Fischer können nichts dafür. Sie fischen nur nach Auftrag - wie's halt die Planwirtschaft will. Und die sagte für ihre jetzige 2-wöchige Fahrt: Rochen und Muscheln.
Die Muschel werden übrigens nach Japan verkauft und bringen sogar mehr Geld als Langusten.
Gekocht wurde übrigens auf offenem Feuer, da das Gas gerade alle ist. Aber morgen soll neues mit dem Versorgungsschiff kommen. Warum sollte der Mangel beim Kochgas halt machen?
Wir verteilten noch ein bisschen unseren Sundowner an die Mannschaft mit der wir uns angeregt beschäftigten. Zum Abschied wurde unsere ganze Kühlbox mit Eis gefüllt und für uns der nach Fischerangaben beste Fisch filettiert. Welch' nette Nachbarschaft.
Der Strand strahlte mittlerweile in der Abendsonne und nach Langusten-Delikatesse gaben wir noch einmal ein riesen Feuer am Strand zum besten. Natürlich mit unseren Fischerfreunden, die sich nur über unsere Feuerfreuden wunderten und uns fragten, warum wir denn ein Feuer machen (... wenn man nichts zum kochen oder zu heissen braucht?).
Von unserem Stockbrot waren sie ganz begeistert...
14. Februar 2010, Jardines de la Reina, Kuba, Karibik - von Stefan
Eine Woche sind wir jetzt schon auf dem Weg von Santiago de Cuba Richtung Trinidad, wo wir in eine Woche Björn und Andrea absetzen werden.
Die Verproviantierung in Santiago für den Segeltrip durch das sehr abgeschiedene Gebiet war eine prächtige Kuba-Erfahrung. Statt in den Gemüsemarkt zu gehen beauftragt man einen Beschaffer, der auf dem Schwarzmarkt für uns sehr alltägliche Dinge organisiert. Unser Beschaffer war 'Peter', der in der Nähe der Marina in Santiago sein kleines Hüttchen hatte.
Schon beim Abendessen bei seiner Familie klopften andauernd Leute an die Tür, um Geschäfte zu machen.
Der Armeeoffizier brachte einen halben Marlin (Fisch) vorbei, den Peter ihn für 3 CUC (3 Euro) abkaufte.
"Der ist Stammkunde bei mir", bestätigte Peter, "die Militärs haben freie Kost und so zweigt er öfters mal was ab, schmuggelt es zu Peter, um dies in Bares zu tauschen". Dafür kauft er sich dann Schnaps oder Frauen", so erzählte uns Peter.
Ein anderer wollte Hühnchen aus Peters vollem Kühlschrank kaufen, aber sie konnten sich nicht auf einen Preis einigen.
Die Preise für Lebensmittel sinken und steigen wie an der Börse. Knallharter Kapitalisimus mitten in einer der letzten Planwirtschaften.
Heike stellte unsere Obst- und Gemüseliste 3 Tage vor Abfahrt mit unserem Beschaffer zusammen. Wie einkaufen im Internet, nur das die Ware nicht aus dem Hochregallager vollautomatisch zusammengestellt wird, sondern ein Mann 3 Tage lang früh morgens mit dem Fahrrad und Rucksack ausrückt, um die Bestelliste abzuarbeiten. Morgens sind noch keine Polizeistreifen unterwegs und man bekommt besser Ware auf dem (Schwarz-)Markt.
Jeden Abend schleppten wir Tüten mit Frischem hinüber zu BAJU und am 3. Tag war tatsächlich fast alles besorgt. Ok, eine Ananas war nun wirklich nicht zu bekommen, aber damit haben wir schon gerechnet. Papayas konnten auch nur 2 statt der bestellten 4 aufgetrieben werden aber hee, besser als keine.
So konnten wir Santiago und Umgebung entdenken und nach Ankunft unserer Gäste mit genug Frischem an Bord in See stechen. Am Abend vor Abfahrt lud uns die Familie mit Björn und Andrea noch einmal zum Essen ein und die letzten Deals wurden abgeschlossen: Flip-Flops und eine Handvoll Werkzeug gegen Zigarren! Der Sohn war heiss auf die Schuhe, nach denen er schon Tage vorher gefragt hat, und mir den Deal so vorgeschlagen hat. Der Vater wollte Werkzeug.
Wirklich lustig diese Beschaffer-Deals, wenn man es aus Spass machen kann und nicht zum Überleben braucht.
An der Südküste war Traumsegeln angesagt - Sonnenschein und mit Wind von hinten segelten wir an bis zu 2000 Meter hohen Bergen vorbei. Wenig schroffe Stellen dafür gleichmässig erodierte Berghänge, tolle Bergkulissen in Grün- und Braunfarben und Wolkenformationen, die an die kanarischen Inseln erinnerten - mal klebten sie an den Gipfeln, mal flossen sie über Täler hindurch und lösten sich auch.
3 Mal machten wir einen Stop und erkundeten Land & Leute, machten eine Wanderung in die Berge an einem Stausee entlang und schlosseh natürlich einige 'deals' ab: Shampoo gegen Eis, T-Shirt gegen freie Benutzung eines toll gelegenden Grillplatzes auf einer unbewohnten Karibik-Trauminseln und Teddybär gegen Kokusnüsse.
Immer wieder wurden wir mit offenen Armen empfangem - tolle Leute!
Bei der Einfahrt in die Küste der 'Jardines de la Reina' konnte der Speiseplan umgestellt werden. Hatten wir an der Südwestküste Kubas noch kein Angelglück, kallten uns die Dinger rein, dass wir kaumso schnell einholen konnten. Es waren meist leckere Kingfische - einmal 6 fette Dinger an einem Tag. Dazu zur Abwechslung Rotbarsch oder Travally.
Wir sind nun dazu übergegangen kleinere Exemplare wieder freizugeben. So viel haben wir am Haken. Eingekocht ist schon soviel, dass wir keine Einmachgläser mehr haben.
Den Menueplan könnt ihr euch vorstellen - Fisch in allen Variationen. Oberlecker!!
Gestern Abend haben wir, nachdem wir den kilometer langen Strand abgelaufen sind und Kokussnüsse gepflügt haben, ein Riesenfeuer auf einem einsamen Strand gemacht. Holz lag genug herum und da wir die gesamte Erde für uns alleine haben und so keinen stören konnten, konnten wir so ein richtiges Asterix & Obelix-Feuer abbrennen. Jungs-Träume :-)
Die Inseln sind alle von Mangroven bedeckt und haben mal kleine, mal lange Sandstrände. Auf der Feuerinsel wimmelte es von Leguanen. Vor manchen grossen Exemplaren konnte man schon Respekt haben, waren aber scheu und hielten Abstand.
Gerade segeln wir an den Inseln der Königsgärten vorbei, die heute ihren Namen alle Ehre machen. Türkis funkelt das Wasser und an den Riffen brechen sich die Wellen. Tagesziel ist 'Cayo Antilitas', an deren Westseite man gut schnorcheln können soll. Immerhin ist die Riffkante hier fast 1000 Meter tief!
Wir kommen uns nach 3 Tagen in den Jardines de la Reina schon vor, als wären wir alleine auf der Welt. Oder zumindest irgendwo sehr fernab jeglicher Zivilisation. Ein anderes Segelboot haben wir noch keins gesehen, auch kein Fischer oder ein Haus. Nichts, nur Inseln und das Wasser, Wind und die Wellen. Nachts scheint kein Licht, nur die Sterne funkeln vom Himmel.
Eine tolles Gefühl.
Uppps muss los, schon wieder zappeln einer an der Angel....
4. Februar 2010, Santjago de Cuba, Kuba, Karibik - von Stefan
Wir sind erst 3 Tage hier und haben schon sooo viel erlebt, dass ich ein Buch schreiben könnte!! Wir fallen abends totmüde in die Koje und schlafen marianengraben-tief. Viel fester als sonst, so viele Eindrücke, die tags auf uns hineinprasseln, haben wir nachts zu verarbeiten.
Soviel vorweg: Uns gefällt es super! Jede Stunde entschlüsseln wir mehr Kuriositäten über dieses Land, was ziemlich einmalig auf der Welt ist.
Schon das Einklarieren war die Riesenshow. Ich denke 7 verschiedene Institutionen kamen hübsch der Reihe nach an Bord. Wir lagen zum Glück an der Pier und nicht vor Anker.
- Ärtzliche Inspektion (fühlen wir uns krank? --- äääähh, nein --- ok),
- Moskito-Müken Inspektion (haben wir Mücken an Bord? --- nö --- ok),
- Zoll mit einem ganz süssen Schnüffelhund (unser erster Hund an Bord),
- Frucht- und Gemüse Inspektion (jede Papaya und jede Katoffel wurde gedreht und gewendet --- und dann als i.O. ausgegeben),
- Veteriärmedezinmann (der mit unsen Eiern aus der DomRep nicht zufrieden war, uns 6 zum Essen aus der Kiste herausnehmen lies ("Wenn jemand fragt, dann habt ihr sie hier gekauft, ok?" - so war der Deal) und die restlichen 15 Eier verplomte --- Fair enough.),
- Immigration (ohne Stamp im Pass --- könnte woanders ja zum Problem werden - gut so)
- Hafenmeisteramt (der uns informierte, dass das Liegen an der vergammelten Pier fast 30 Euro kostet --- uppps, das ist aber viel)
Ich konnte mir das Schmunzeln kaum verkneifen. Ob die wirklich denken, dass es irgendeinen Sinn macht, was so alle tun?
Auf alle Fälle waren alle Beamten super freundlich und zogen (fast alle) brav die Schuhe aus. Wir verteilten unsere kleinen Geschenktüten und die Atmosphere war sehr entspannt. Ok, ganz billig war der Spass auch nicht. Am Ende bezahlten wir zusammen über 100 Euro für's Einchecken, eine ganz schöne Stange Geld. Aber he, wir sind immerhin in Kuba!
Nächste Kuriosität: Natürlich die Autos.
Es ist wirklich so, wie man es sich vorstellt. 50'iger Jahre Ami-Schlitten neben dem Jahrgang 70 Lada. Dazwischen Russentrucks und VoPo-Kleinbusse. Pferdekutschen und Eselkaren neben moderen China-Reisebussen. Die Leute werden wie im Viehtransporter auf einer überdachten Ladefläche eines Transporters befördert, der manchmal so voll ist, dass man meinen könnte die Fahrgäste würden hinten hinauspurzeln.
Seit einigen Jahren wurde eine international konvertierbare Währung neben dem 'Peso National' eingeführt. Der 'CUC' oder 'Peso convertible'. Mit ihm bekommt man (fast) alles - na gut, sagen wir mal DDR Niveau in den 80'igern. Auf dem Schwarzmarkt noch mehr, alles nur eine Frage des Preises. In CUC sind die Preise mit Europa vergleichbar. NUR: Ein Monatsverdienst eines Angestellten sind 200 Peso National - 25 Peso National sind 1 CUC!
Dies hat in Kuba eine deutliche 2-Klassengesellschaft geprägt der "haben-CUC" und "nicht-haben-CUC". Eigentlich genau das, was die 'Revolucion' ja gerade nicht wollte. Aber wie wir wohl alle gelernt haben, hat der gelebte Kommunismus in der Gemeinschaft grösser als in einem Dorf keine echte Chance.
Hätte Kuba den CUC nicht eingeführt und mit ihm eine gewisse Privatwirtschaft zugelassen, wären die Leute beim Zusammenbruch des Ostblocks einfach verhungert.
Die Architektur ist in der Innenstadt von Santiago der Hammer. Und Santiago zählt diesbezüglich nicht zu den High-Lights in Kuba.
Prächtige Stadtvillen und imposante Palastbauten säumen die Strassenränder. Es ist teilweise wie in einem riesigen Live-Museeum. Viele sind natürlich leider dem Verfall nahe, haben kein Wasseranschluss usw. Wenn sie 'die Wende', die hoffentlich einmal kommt, aber überstehen und renoviert werden, muss es grandios sein.
2 Mal wurden wir beim Stadtbummel in Druckereien hineingebeten, wo mit Heidelbergen Druckmaschine aus dem Jahre 1850 (!!!) Planwirtschaft-Inventarvordrucke gefertigt werden. Nicht als Museemsvorführung, sondern für's echte Leben!
So könnte ich 1000 mehr wilde Eindrücke beschreiben, die einem hier vor die Füsse gelegt und von den mega-freundlichen Leuten aufgeführt werden.
Gegessen haben wir vorgestern in einer Privatfamilie. Dies ist durchaus üblich, da man in den natürlich staatlichen Restaurants (offiziell ist ja alles staatlich, oder besser gesagt - volkseigen) nur 2-3 immer die gleichen Gerichte bekommt. Nudeln, Pizza und frittiertes Huhn. Da ist so ein Casa-Restaurant eine nette Abwechslung und man hat genug Zeit, mit den Leuten zu quatschen und weitere Kuriositäten zu erfahren.
Wohnung, Strom und Wasser sind z.B. 'frei', nur sind die Häuser meinst dem Verfall nahe und das Wasser geht nur ein paar Tage im Monat. Dann werden die grossen Pottige gefüllt. Wenn diese voll sind, sprudelt das Wasser nutzlos über die Strasse, da es keinen Hahn zum abstellen gibt. Das Nachbarstadtviertel hat zur gleichen Zeit mit Wasserknappheit zu kämpfen!
Beim Abendessen wird dann gleich CUC-Business gemacht.
Natürlich Cuba-Zigarren jeder Sorte, Rum in Plastikflaschen und Nahrungsmittel vom Schwarzmarkt. Ach, und Viagra wird billig angeboten. Im Gegenzug wird nach USB-Flashkarten, Seife und sonstigen Elektronikschrott gefragt. O-Ton: "Alles kann repariert werden".
Mittlerweile liegen wir vor Anker neben der Pier, da wir dadurch 'ne Menge Kohle sparen. Es war für uns mal wieder was ganz besonders 'im Hafen' zu liegen, wo man nur einen Schritt an Land machen musste, ohne das Dinghi zu benutzen. Das letzte Mal legten wir vor mehr als einem Jahr irgendwo an - es war in Marokko!
Heute Abend geht ins ins 'Casa Tradiciones' mit Live-Musik, ein lokales Tanzcafe, wo zu Kuba-Klängen die Hüfte geschwungen und Cuba Libre getrunken wird. Andere Segler berichten uns, dass die Stimmung grandios sein soll.
Sonntag geht es dann mit Gästen die Südküste entlang Richtung Cienfuegos, wo wir in 2 Wochen sein müssen. Dazwischen werden wir die einsamen 'Jardines de la Reina' durchsegeln und freuen uns auf die Langusten, die es dort zu Hauf geben soll.
2. Februar 2010 - Santiago de Cuba, Kuba, Karibik - von Stefan
Willkommen in Kuba!
Es war ein schöner Segeltrip. Der Wind meist angenehm von hinten, nicht zu schach und nicht zu stark. Die Nächte waren aufregend mit glitzernden Sternen und nach aufgehendem fast-Vollmond hell und somit perfekt für die Nachtwache.
Am Tage wurden wir noch einmal von einem US CoastGuard Schiff kontrolliert. Später umkreiste uns ein US Coast Guard Hubschrauber 2 Mal und ein US Militärtankschiff kreuzte unseren Weg. Die ganzen US Spielzeuge wollen ja aufgetankt werden...
In der 'Windward Passage' herrschte Verkehr wie um Gibratar. Die Riesenschiffe reihten sich wie Flugzeuge im Anflug auf Frankfurt Airport. Der gesamte Schiffsverkehr von Mittelamerika und vor allem Panana an die Ostküste der USA düst durch den Kanal zwischen Kuba und Haiti.
Ein Frachter wollte uns tatsächlich umfahren. Nach langem Kollisonskurs (der Frachter überholte uns von schräg hinten und war natürlich ausweichpflichtig) stand die Bugwelle des Containerschiffes mittlerer Grösse 200 Meter hinter uns, so dass wir problemlos den Schiffsnamen lesen konnten. Will der Typ nicht ausweichen??
Als ich das Frachtschiff auf UKW Funk rief, meldete sich der Brückenoffizier, der auf meine Frage, auf welcher Seite er uns denn passieren wolle, fast genervt im holprigen Englisch: "Ok, Ok, I am changing my course." Das Schiff legte sich durch die abrupte Steuerbewegung ein wenig auf die Seite und passierte uns dann in so nahem Abstand, dass wir die Schiffszylinder haben tuckern hören. Nun gut, auf der Elbe fahren die Jungs enger an einem vorbei, aber da weiss man auch genau, wo sie langfahren. Und ausserdem hat man dort das Gefühl, dass wenigstens einer auf der Brücke Ausschau hält ;-)
Danach kreuzten wir das Seegebiet scheunigst, um weiteren Stress zu vermeiden und sicher in Kuba anzukommen.
Das nächtiche High-Light war die Naval Base 'Guantanamo', welches ja leider durch das Gesetzlos-Gefängnis trauige Berühmtheit erlangte. Die Küste Kubas war komplett dunkel, der US Stützpubkt so hell erleuchtet wie der Hamburger Containerhafen.
Nun sind wir 2 sm vor Santiago de Cuba und bereiten uns auf die Scharen von Beamten vor, die BAJU in den nächsten Stunden entern werden. Alles ist soweit es geht verstaut, die Bestechungsgeschenke zurechtgelegt und so wird hoffentlich alles glatt gehen.
Wir werden es erleben... .
1. Februar 2010 Sonnenaufgang, unterwegs nach Kuba, Haiti querab - von Stefan
USA, dein Freund und Helfer oder USA, die Weltpolizei...
Wie auch man es auch sieht, auf alle Fälle hatten wir diese Nacht Kontakt mit ihnen.
Ich hatte Wache und sah Lichter von 2 Schiffen an uns vorbeiziehen. Nach einer Weile hielt das Eine direkt auf uns zu, was man sehr gut daran erkennen kann, dass man das rote und das grüne Positionslicht gleichzeitig sieht. Ein blödes Gefühl, vor allem dann, wenn sich daran nichts ändert. Ich hatte aber schon so eine Ahnung.
Immerhin befanden wir uns nun querab zum Krisengebiet Haiti und viel wurde in der DomRep Presse über US Militärs zur Unterstützung der Erdbebenhilfe gelesen. Ausserdem bekamen wir Berichte von daheim, dass Haitianer sich per Boot ins Ausland absetzen.
Und da der Ami ja nicht lange fackelt .. stand plötzlich ein grosses Schiff der US Coastguard im Mondschein neben uns. So ein Kahn ist immerhin bestimmt 100 Meter lang, also ein ordentlicher Brummer.
UKW Funke an und einige Minuten später ein freundliche Call-Center Stimme: Hier das US Coastguardschiff blabla, bitte identifizieren sie sich. Wir wurden freundlich gefragt, einige Fragen zu beantworten: Schiff details, Name of the master, name of Crew, wo kommmen wir her, wo wollen wir hin,... "Vielen Dank, bitte bleiben sie stand-by an der Funke."
Eigentlich wollte ich fragen, ob wir schon im Küstengebiet der USA seien und wir uns demnach ordentlich verfahren hätten, aber das verkniff ich mir.
Nach unserer Auskunft tuckerte das Küstenschutzboot noch eine halbe Stunde neben uns her bis wieder die freundliche Stimme sich herzlich bedankte und uns ein gute Weiterfahrt wünschte. Bestimmt beobachteten sie uns die ganze Zeit durch ihr Mc Gyver Nachtsichtgeräte und machten sich eine Spass daraus, uns in unserem Nachtwachen-Liegestuhl dösen zu sehen.
Ach, ist doch eigentlich ganz nett, dass hier einer auf uns aufpasst. Und Abwechslung in die Nachtwache hat es auch gebracht.
Mittlerweile hat es etwas aufgebriest und nach sehr gemütlicher Nacht rutscht BAJU unter Schmetterlinhgsbeseglung jede Welle freundig hinunter - mal mit 8, mal mit 10 und manchmal auch mit 12 Knoten und eben sogar mit 14,5kn. Optimale Angelgeschwindigkeit. Mal sehen, vielleicht geht ja was.
Die Sonne geht gerade auf - welch Farbpektakel!
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