Schöne Momente
 
 
 

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April 2010

Kuba und Mexiko

 

April 2010:

30. April 2010, Punta Allen, Mexiko, Mittelamerika - von Stefan

Von wegen 'Frozen Daiquiri'....

Als wir am Vormittag in die Ankerbucht der Insel Mujeres hineinfuhren waren wir schon vom ersten Anblick enttäuscht. Überall Tagesausflügler von der Stadt Cancun gegenüber, deren Hochhäuser wir in der Ferne erkennen konnten. Selbst auf der Insel, die einst ein Rucksacktouristen hang-out gewesen sein sollte, überall Hotelblocks der übleren Sorte.

Nach dem Übersetzen an Land waren wir dann gänzlich enttäuscht. Keine mexikanische Atmosphäre sondern Touristrassen, wo sich ein Restaurant und Souvenirladen aneinanderreihten. Dazu noch überteuerte Ami-Urlaubs-Preise und an jeder Ecke 'Do you want to have breakfast here?'-Generve. Das Menue beim Mexikaner in Deutschland wäre sicherlich billiger gewesen.
Und dann das Schärfste: Einklarieren ist eine super komplizierte Angelegenheit, samt ärztlichem Check und Kontrolle des Bootes, wie uns der 'Port-Captain' aufklärte. Wenn wir länger als ein Woche im Land verbleiben wollten, müssten wir noch nach Cancun übersetzen, um ein 10-Jahres Visum zu beantragen. Und das alles für 200 US$ - AUA.

Solche Geschichten hatten wir vorher schon gelesen, aber Berichte von anderen Seglern, die meinten, dass es gar nicht so schlimm und teuer wäre, liessen uns das Gelesene verdrängen.

Nach nochmaligem studieren des Segelführers für die mexikanische Küste (= es gab kaum geschützende Ankerplätze an der Küste nach Belize) und des Wetterberichtes fiel die Entscheidung - Mexiko ohne einzuklarieren links liegen zu lassen und gleich nach Belize nach Süden zu schippern. Einziges Problem - in 2 Tagen kommt heftigster Wind aus Südost, also genau daher, wohin wir wollen. Und bei 30 Knoten vorhergesagtem Wind verkrümmelt man sich besser irgendwohin, wo man geschützt liegt und am besten auch noch kiten/windsurfen kann.
Also Anker-auf und ab nach Süden, solange der Wind noch gut steht.

Bei einbrechender Dunkelheit kamen wir am gleichen Tag an der Leeseite der Insel Cozumel, gegenüber dem bekannten Hotelstrand 'Playa del Carmen', an.
Bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen das gleiche Bild: Hässliche Hotelblöcke, die alle samt fast leer standen, wie wir am Abend zuvor an den (nicht) beleuchteten  Hotelzimmer erkennen konnten.

Bevor der starke SO-Wind einsetzen würde, wollten wir die 'Bahia de la Ascension' fast an der Grenze zu Belize erreichen, um uns dort zu verkrümmeln. Eine riesige Lagoone mit Aussenriff, die im Reiseführer als Natur-high-light Mexiko angepriesen wird.
Der Segeltrip dahin war von der Nervosität geprägt, ob wir noch rechtzeit bei Helligkeit ankommen würden. Der Golfstrom stand uns heftigst mit 2-3kn entgegen, so dass wir trotz guter Fahrt meistens 6 Knoten über Grund gut machten.
Mensch, wie halten das denn bloss die anderen Segler aus, die auch ohne Gegenströmung nicht schneller vorankommen? ;-)

Als nach einer Regenfront der Wind komplett Süd drehte, hatten wir fast keine Hoffnung mehr, rechtzeitig die schützenden Lagoone zu erreichen, die man nur bei Helligkeit anlaufen konnte. Auch an der Küste war kein Ankerplatz, so dass nur unser Ausgangspunkt als Alternative zur Debatte stand. Nach einem anstrengendem Segeltag fast vor dem Ziel umdrehen zu müssen ist ein Gruselgedanke höchster Güte.
Letztendlich schafften wir es doch noch vor Dunkelheit in der 'Bahia de la Ascension' anzukommen und ankernten vor dem Aussenriff, wo sich die fetten Wellen brachen.

Hinter uns liegt das kleine Fischerdorf 'Punta Allen', dass wir gleich per Dinghi erkunden wollen. Auch soll es hier eine Militärstation geben, wo wir uns melden wollen - schlieslich sind wir 'illegal' im Land. Wir hoffen, dass 2 Schachteln Zigaretten und eine Pulle Rum das zurechtrücken wird.

Mittlerweile bläst es auch ganz ordentlich und die Wellen, die am Aussenriff kurz vor uns brechen, haben schon eine beachtliche Höhe angenommen. Die nächsten 2 Tage soll es noch heftiger blasen.
Wir werden berichten....

28. April 2010, 5 Seemeilen vor Isla Mujeres, Mexiko, Karibik - von Stefan

Die Sonne hat seit einer Stunde den Vollmond abgelöst und mit Kaffee und Frühstücksbrötchen lassen wir uns von einem grossen Schwarm Delphinen unterhalten, die um BAJU umhertollen.
Die Nacht war unspektatulär aber nichts zum schlafen, denn im 'Yucatan Channel' herrscht reger Schiffsverkehr. Dazu versetzt einen der Strom mit bis zu 3,5 Knoten nach Nord - vor der Küste Mexiko liegt die Wiege des gewaltigen Golfstroms.

In Kuba haben wir es uns geschenkt international auszuklarienen. Sowas tut man eigentlich nicht, aber wir hätten noch weit um die Westecke Kubas herum gemusst, da man an unserem letzten Ankerplatz nicht auschecken konnte - noch bis vor kurzes konnte man. Hoffentlich bekommen wir beim einchecken keinen Ärger. Offiziell werde wir aus den Bahamas einreisen. Dort erhält man nämlich keine Ausreisepapiere, so haben wir's auf alle Fälle gehört.

Noch ein paar Wellen runtersurfen und schon sind wir in einer neuen Welt. Nach 'Mojitos' freuen wir uns auf leckere 'frozen Daiquiris'. Mal wieder ein saftiges Hühnchensteak wäre ja auch was. Und geschäfliches Treiben mit Läden, die nicht leer sind. Ach, und vieleicht mal wieder ein paar nette Segler in der Ankerbucht.

Zivilisation - wir kommen.

26. April 2010, Maria La Gorda an der Westecke Kubas, Karibik - von Stefan

Vor einem weissen Palmenstrand mit einem Hotel mitten im Nirgendwo dümpeln wir an einem Korallenblock festgekettet dahin. Wir warten auf die vorhergesagte Winddrehung, um nach fast 2 1/2 Monaten Kuba zu verlassen.

Eigentlich haben wir geplant 700 Kilometer nach Süden zu den 'Bay-Islands' vor der Küste Honduras zu segeln, aber der Wind will die nächsten Tage von nicht wirklich von nun Süd auf Ost drehen, so dass die 3 Tage und Nächte lange Fahrt eher unangenehm werden würden. Mexiko ist ja auch schön und nur eine Nachtfahrt gen Westen entfernt. Also umplanen - wir haben ja den Luxus mit unserer schwimmenden Villa hinzudüsen, wohin wir wollen. Und ... wir sind ja flexibel :-)

Wir werden also die nächsten 6 Wochen über Mexiko und Belize nach Guatemala schippern, wo wir dann BAJU für die Hurrikan-Saison sicher im Rio Dulce 'geparkt' lassen, um nach Hause zu fliegen und Mittelamerika per Rucksack zu erkunden.

Viel ist passiert in den letzten Wochen, ne Menge hatten wir um die Ohren, so dass das Logbuch ein wenig vernachlässigt wurde. Nun geht's aber wieder los...

Zuallererst: Unser Laptop ist abgeschmiert - es sagt keinen Piep mehr. Wir haben Ersatz, aber alle Kuba-Bilder und etliche updates waren noch nicht gesichert  - grrrrr.... Hoffentlich hat die Festplatte keinen Schaden, so dass wir wenigstens irgendwann noch einmal an die Daten rankommen.

Unsere einwöchige Kubareise war der Knaller!

Am ersten Tag sind wir gleich mit Taxi, Schnellfähre und Bus von der Insel 'Juventud', wo wir BAJU am Steg zurück gelassen haben, in das fruchtbare Tal 'Vinales' gereist, wo wir in einer gemütlichen 'Casa Paticular' (Zimmer mit Familienanschluss) untergekommen sind.
Vinales ist die Tabakanbauhochburg Kubas. Vielleicht nicht der meiste, aber der beste Tabak soll hier angebaut werden. Und das alles in einem schroffen Tal, wo eine Tropfsteinhöhle die andere ablöst. Idyllische Dörfer liegen am Rand der sogenannten 'Mogotes' (kreisrunde Kreidefelsen), die wie Zuckerhütte aus den grünen Feldern hinaufragen. Hier und da arbeiten Bauern, die mit Ochsenkarren die Felder pflügen oder mit der Hand Samen ausbringen. Mal ein Cowboy mit Hut auf dem Pferd, der von einer Ansiedlung zur nächsten reitet.
Der Tabak wird mit der Hand von den Männern geerntet. Die Frauen sortieren ihn nach Qualitätsstufen und nähen die Blätter aneinander, um sie zum trocknen in die riesigen palmengedeckten Scheunen aufzuhängen.
Das muss man sich mal vorstellen! Es ist wie ein Mega-Park der Geschichte - alles zum herumlaufen, anfassen und mitmachen....

In Vinales kommt bei uns das erste Mal seit langem ein 'Backpacker-Gefühl' auf. Rucksacktouristen sitzen in den wenigen Bars bei gemütlicher Abendstimmung am Strassenrad, halten smalltalk mit den Einheimischen und lauschen den Klängen der kubabischen Rentner-Bands.

Nach 3 Tagen machten wir uns nach 'Havanna' auf.
Zuerst waren wir skeptisch, ob 4 Tage zu viel zur Entdeckung der Hauptstadt seien. Im Nachhinein sind wir uns einig: Ganz im Gegenteil: wir hätten auch noch einen fünften Tag dort ausgehalten.

Havanna ist eine pulsierende Metropole, die viel zu bieten hat.
Teils schick renovierte Strassenzüge, dahinter stark einsturzgefährdete Wohnblocks, in denen tatsächlich noch Menschen hausen. Es ist schon krass, wie der Zahn der Zeit an der Bausubstanz nagt, an der quasi seit 100 Jahren nichts gepflegt oder erneuert wird. Ich bin mir sicher: Ein fetter Hurrikan oder ein Erdbeben und Havanna hat viele Häuser weniger. Kann man nur hoffen, dass so viel wie möglich davor renoviert, aber auf alle Fälle evakuiert wird.

Havanna ist wohl die einizige Hauptstadt der Welt, in denen die Jugendlichen auf den Strassen Baseball spielen oder Kinder herumtollen - es gibt ja kaum Verkehr! So flaniert man quasi immer auf der Strasse die Häuserblocks entlang und selbst breite Prachtstrassen hat man rasch passiert.

So latschten wir uns 4 Tage lang sie Sohlen ab - durch die Altstadt, teils toll renoviert, teils vergammelt, dem 'Centro' und 'Vedado', mit dem Bus zum Vorort 'Miramar',wo die Botschaften in prächtigen Villen ihre Länder vertreten, und den Malecon entlang, der Küstenmeile Havannas.
Morgens, im Stadtcafe bei Milchkafe und Schoko-Croissant, und abends, beim Mojito-Drink in der Salsa-Bar, verbringen wir mit unseren Seglerfreunden Eva und Börni von der KISMET, die wir schon in Vinales trafen.

Für uns rundete diese Reise unser Kuba-Abenteuer ab und können resümieren, dass wir ne Menge gesehen haben und es uns super gefallen hat. Trotz der manchmal nervigen Vorschriften war Kuba diese lange Reise, für uns immerhin 2 1/2 Monate, wert.

Nun freuen wir uns auch mal wieder auf das 'richtige Leben' und verlassen dieses spezielle Land mit der Hoffnung, dass die nächste Revolution friedlich und für diese lebensfrohen Menschen eine bessere und vor allem freiere Zukunft verspricht.

Mexiko - Maya-Ruinen, volle Shoppping-Malls, weisser Strand, eisige Tequillas, leckere Tacos, .... - wir kommen!


Ach ja, der Vulkanausbruch. Fast hätte ich vergessen, überhaupt etwas darüber zu schreiben. Was in Europa sicherlich das Top-Thema zur Zeit ist, haben wir nur am Rande mitbekommen. Kuba ist wohl neben Nordkorea das offline'ste Land, was es auf der Welt gibt.
Aber auch uns hat der Vulkanausbruch beeinflusst: 3 gestrandete Backpacker, deren Rückflüge eine Woche nach hinten verschoben wurde, heuerten spontan bei uns an und so segelten wir mit 3 Spontan-Gästen von der Insel Juventud zur Westecke Maria La Gorda, wo wir jetzt liegen.

12. April 2010, Isla de la Juventud, Kuba, Karibik - von Stefan

2 herrliche Wochen haben wir mit Heikes Schwester Bettina, Regina, Christian & Inga in der Inselgruppe Archipilargo de los Canarros verbracht. In Stichwörtern:
- Cienfuegos erkundet
- durch die Nacht gesegelt
- Iguanas bestaunt
- Fette Lagerfeuer gemacht
- Fische harpuniert, gefischt (und manchmal den Fischer abgehandelt)
- Einsame Sandstrände entdeckt
- mit übereifrigen Beamten verhandelt
- bunt schillernde Korallenriffe erschnorchelt
- Mückelangriffe abgewehrt
- ....

Eine Bildfergeschichte wird folgen.

Nun liegt BAJU an einem kleinen Steg im Süden der 'Isla de la Juventud' und morgen werden wir 7 Tage mit dem Rucksack das Landesinnere erkunden.
Die Hauptstadt Havanna wollen wir uns ansehen und die Hügellandschaft um das Örtchen 'Vinales' fahren. Dort, wo der beste Tabak angebaut wird und schroffe Felswände das Landschaftbild prägen.
So lange haben wir BAJU noch nie alleine gelassen, aber neben uns ist eine Militärbasis, die jeden morgen und abend mit militärischem Drill die Wachablösung zelebriert. Sonst gehen die Soldaten fischen, spielen Gitarre oder rauchen Zigarre. Nur  der Wachposten ist immer besetzt und hält Ausschau nach ???? - vielleicht dem möglichen imperialistischen Angreifer ;-)
Uns auch egal, solange sie unser Haus bewachen :-)

 

 

 

 

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