Warum eigentlich ein Katamaran?

Es gibt viele Gründe für einen Katamaran, und ein paar dagegen. Hier sind meine:

 

1) Ein Kat bietet mehr als doppelt so viel Lebensraum wie ein Einrumpfboot. Sowohl auf Deck als auch darunter. Ein Kat hat einen Salon zwischen den Rümpfen (Brückendeck), was extra Wohnfläche bedeutet. Er hat ein großes Cockpit, in dem man sich in heissen Gegenden gerne aufhält. Insgesamt lebt es sich auf einem solchen Schiff angenehmer, vor allem auch mit Kindern. Arbeiten auf Deck wie z.B. Segel abschlagen oder das Aufholen von Dingis sind wesentlich leichter. Dann sind da noch die Trampoline, die ich niemals missen möchte

2) Ein Kat segelt aufrecht. Keine Schräglage die das Festzurren von Gegenständen fordert, man kann normal Essen, es fliegen keine Gegenstände auf dem Tisch herum oder rutschen vom Teller. Kardanische Aufhängungen sind nicht notwendig. In der Regel werden Mitsegler auch seltener seekrank. Man lebt und bewegt sich relativ normal auf dem Schiff. Nachteil: Man muss rechtzeitig reffen. Vor allem muss man ans Reffen denken, denn anders als beim Einrumpfboot entweicht kein Druck aufs Rigg durch die Neigung des Rumpfes

3) Ein Kat sinkt nicht. Ein Einrumpfboot allerdings sehr wohl, manchmal innerhalb weniger Minuten. Allerdings kann ein Fahrten-Kat kentern und richtet sich danach nicht wieder ohne Hilfe (Kran) auf. Das ist der allergrößte Nachteil aus meiner Sicht

4) Ein Kat ist schnell. Distanzen werden schneller überbrückt, was wiederum ein Sicherheitsaspekt ist

5) Flächenmäsßig ist ein Kat günstiger als ein Monohull in der Anschaffung. Allerdings sind die Liegeplätze teuer, da man doppelt so viel Schiff unterzubringen hat

 

Für mich musste es schon immer ein Katamaran sein. Als ich Baju sah, wusste ich: Die oder keine.

Unser Katamaran Baju

Baju fährt unter deutscher Flagge und sieht mit ihrem unlackierten
Aluminium-Rumpf aus wie ein deutsches Kriegsschiff - naja, je nach Blickwinkel und Einstellung... Sie ist fast 14m lang und ca. 7m breit. Sie bietet, wie die meisten Mehrrumpf-Boote eine große Decksfläche mit Trampolinen, die das Leben an Deck so wunderbar gemütlich machen. Zur Wohlfühl-Atmosphäre trägt auch der offene Innenbereich bei. Bei Baju kann man vom einen Rumpf in den anderen rüber schauen. Der Salon in der Mitte ist riesig und vereint das Bordleben, wenn es draußen ungemütlich wird. Dann bereitet der Smutje einen leckeren Snack in der Kombüse zu, die sich über die Hälfte des Steuerbord-Rumpfes erstreckt. Erstaunlich ist auch die Stehhöhe, die selbst Menschen mit 2m Körpergröße toleriert.

Gebaut wurde Baju, eine Eston 46", von Owen Easton, in Australien, im Jahr 2004. Owen hat bis heute (2013) 29 Katamarane gebaut.

Baju ist schnell (Rekord 19 Knoten) und hat einen geringen Tiefgang. Mit 80 cm bei eingeholten Schwertern liegen wir vor allen anderen in der Bucht.

Aluminium ist übrigens ein sehr gut geeignetes Material für den Bootsbau. Es ist härter als GFK, rostet nicht wie Stahl und ist zudem noch leichter (ca. 50%). Bei einer Kollision reisst Alu nicht wie Stahl, sondern deformiert sich.

Die graubraune Aussenfarbe, die sich nach einer Weile einstellt, ist eine Oxidschicht, die das Material schützt. Natürlich kann man das Alu auch wieder glänzend polieren, aber das ist reine Ästhetik und wirkt dem Schutz entgegen. Wer den Look nicht mag,  kann ja lackieren. Derzeit ist bei Baju nur die Decksfläche lackiert. Uns gefällt das so und so wird es bleiben. Ein neuer Decks-Anstrich ist allerdings nun fällig.
Nachteile von Alu seien auch noch erwähnt:

1) Man braucht einen speziellen Schweisser, will man etwas reparieren. Eisen kann man selber schweissen, bei Alu braucht man schon spezielles Wissen.

2) Elektrolyse: Hierbei wird Aluminium, unter Einwirkung von elektrischem Strom, im Wasser, gespalten. Deshalb müssen unterschiedliche Metalle auf dem Schiff isoliert werden und natürlich haben wir Opferanoden an den Rümpfen. Die Elektrik muss zweipolig verkabelt werden.

Philosophie

Baju ist kein weiß-glänzendes Luxusschiff. Der wahre Charakter offenbart sich sobald man an Bord kommt und etwas genauer hinschaut. Schon bei der Planung wurde an Fahrtensegeln gedacht. Alles ist funktionell und praktikabel. Das Schiff ist solide und robust, hier regnet es in keine Luken und Deckpolieren steht nicht auf unserem Terminplan. Dennoch ist Baju schön anzusehen, etwas anders eben, aber gerade das macht sie aus.

Ausstattung

Baju ist sehr robust gebaut und auf Sicherheit ausgelegt. Denn es ist allen Fahrtenseglern bekannt: Alles was kaputt gehen kann, geht auch irgendwann kaputt.

Das heißt aber nicht, dass wir auf Annehmlichkeiten verzichten müssen. Ganz im Gegenteil. Aber zurück zur Sicherheit:

Wir haben ein Kurzwellenanlage an Bord, und sind mit dem Pactor Modem über E-Mail erreichbar, und rufen auch so unsere Wetterdaten zur Törnplanung ab. Selbstverständlich haben wir auch UKW Funk, Schwimmwesten, Signalmittel, EPIRP, GPS, Broad Band Radar, Kartenplotter, usw. an Bord.

 

Auch das Energiekonzept ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Punkt. Unsere Elektronik muss schließlich auch betrieben werden. Glücklicherweise sind wir autark, denn nur so können wir uns auf entlegenen Eilanden aufhalten ohne auf größeren Komfort verzichten zu müssen. Wir stellen unseren eigenen Strom und unser eigenes Wasser her.

2 von 3 Solarpanelen

Energie:

Solarzellen und ein Windgenerator, der den Namen "Max" bekommen hat, speisen in die Bordbatteriebänke ein. Wir können wahlweise auf 12 oder 220V und 600 Amp-Stunden zurückgreifen. Das reicht für Kühlschrank, Licht / Beleuchtung, oben beschriebene Elektronik, den Autopiloten "Günter" und unsere Musikanlage. Strommangel haben wir noch nicht erfahren müssen.

 

Wasser:

Wer in warmen Gefilden unterwegs ist braucht viel Wasser. Wer mit Frischwasser duschen oder waschen möchte, braucht noch viel mehr davon. Wir begegnen dem Problem indem wir zum einen Wasser sammeln: Wenn es regnet sammelt sich das Wasser auf dem Cockpitdach bzw. dem Dach über dem Salon und läuft in den dafür bereits beim Bau von Baju konzipierten Wasserablauf. So füllen sich bei stärkerem Regen die 2 je 230 Liter Tanks von ganz alleine.

Zum anderen schmeissen wir in trockenen Perioden den Wassermacher an, er liefert uns jederzeit keimfreies Trinkwasser durch Umkehrosmose, direkt aus dem Meer.

Raumkonzept

Salon im neuen Look (2015)

 

Das schönste im Bauch der Baju ist der 5 x 7 Meter große Salon. Aus dem Alu-überdachten Cockpit kommt man durch eine Alu-Bunkertür direkt in den Salon. Eine große U-förmige Eckbank lädt zum Zusammensitzen ein. Hier wird gegessen (oft essen wir aber auch im Cockpit), hier spielen wir Brett-Spiele, schauen Filme auf dem Computer oder I-pad, trinken, lachen und reden wir.

 

Auf der Backbordseite haben wir eine Doppelkabine am Heck, ein Gäste WC mit elektrischer Toilette und Waschbecken, und eine Doppelkabine am Bug, an der zusätzlich noch eine Einzelkoje angeschlossen ist. Als Familie mit Kind(ern) ist man hier  bestens aufgehoben.

 

Der Steuerbord-Rumpf ist ähnlich ausgestattet. Eine Doppelkabine am Heck, und vorbei an der Kombüse folgt die Doppelkabine am Bug. Ein Eigner-Bad mit WC und Dusche ist direkt daneben angegliedert.

Segeln

Baju ist ein schneller Katamaran, mit dem man leicht 10 bis 12 Knoten segeln kann. Bei guten Bedingungen auch 14 bis 16 Knoten. Schneller geht angeblich auch, nur dass wir noch keine Gelegenheit zum Testen hatten. Wichtiger als Spitzengeschwindigkeiten sind ohnehin die Etmale (das ist die Strecke, die innerhalb von 24 Stunden, in Seemeilen, zurückgelegt wird). Man behauptet Baju's Etmale lägen zwischen 180 und 200 sm, was ordentlich ist. Uns fehlen noch die Distanzen um dies unterschreiben zu können.

Außergewöhnlich ist der Gabelbaum. Wir haben also kein Rigg mit dem klassischen Großbaum. Zugegeben, irgendwie sieht das ulkig aus. Aber es ist wunderbar einfach in der Handhabung. Außerdem bin ich sehr froh, dass wir keinen gefährlichen Baum haben, der die Crew verletzten könnte. Der Gabelbaum holt auch bei einer Patenthalse sicher keinen Mast vom Fuß. Wir sparen insgesamt Gewicht und wenn wir das Segel bergen, fällt es zwischen die Holme, als wäre der Gabelbaum er ein großes Bergesystem.

Unser Kat hat bewegliche Schwerter, die wir für gute Am-Wind-Eigenschaften ausfahren. Wenn wir in den Buchten navigieren, ziehen wir sie hoch, damit wir mit den dann 80cm Tiefgang sicher über die Korallenblöcke kommen.

Antrieb

Hassliebe "Long-Tail". Einerseits finde ich es genial einen Antrieb zu haben, den ich komplett über die Wasserlinie hochziehen kann. Andererseits wünsche ich mir schon manchmal 2 Maschinen, mit denen ich punktgenau manövrieren könnte. Wir haben nun mal eine Lange Welle, die backbordseitig austritt und zwischen die Rümpfe ragt (bekannt von den long-tail boats aus Thailand oder den Philippinen). Der Antrieb ist leicht erreichbar und gut zu reparieren und bei uns leckt keine Stopfbuchse. Fahrtensegler-technisch also durchaus vorteilhaft. Aber man muss ja nicht alles schön reden: Wenn wir unter Motor losfahren geht es erst mal ab nach STB und zwar solange, bis die Ruder greifen. Da muss man schon vor dem Losfahren einen Plan B parat haben, und z.B. achtern vorbeifahren, auch wenn man eigentlich voraus anvisiert hatte, um nicht ungewünschte Spuren im benachbarten Gelcoat zu hinterlassen..

Wir gewöhnen uns noch daran und suchen die Buchten in denen wir ankern können, denn Marinas meiden wir lieber.

Mit unserm 4 Zylinder Nissan und 56 PS (wird im Mai 2014 durch einen brandneuen Volvo Penta D2-55 ersetzt) kriegen wir jedenfalls genug Kraft auf den Propeller um auch durch stärker strömende Pässe in die Atolle einzulaufen.

Landverbindung

Baby Baju, ist die knuddelige Mini-Version der Baju. Mit unserer 8 PS Honda geht das Baby ab wie Schmit's Katze. Zu dritt sind wir immer noch flott, aber nicht mehr im Gleiten. Schön ist so ein Alu-Dingi auf jeden Fall. Baby Baju gefällt mir richtig gut. Leider ist Alu gegen Abrieb auf Sand nicht besonders gut gewappnet. Durch das jahrelange Hochziehen auf den Strand, ist Baby's Bodenblech sehr dünn geworden und ein paar Stellen mussten wir Schweißen lassen. Die Reparaturen haben nicht lange gehlaten. Anfang 2014 wird das Dingi durch ein brandneus Quintrex Dart 3.10 ersetzt.

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Blauwasserleben: Baju in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Heike_Dorsch Copyrigt. Alle Rechte für Fotos und Texte obligen allein dem Autor. All rights reserved.