Pacific Time & Überraschungen

Anflug in den Tuamotus

12 Stunden Flug von Frankfurt nach LA. 8 Stunden von LA nach Tahiti. Dann noch mit der Propellermaschine 1.5 Stunden in die Tuamotus. Endlich wieder bei Baju, mit einer langen Liste an Aufgaben und Erledigungen, die über Ostern fertig werden sollten.

Baju steht auf dem Trockenen. Wie bereits beschrieben benötigt Baju dringend ein wenig Liebe. Aus Zeitmangel, da wir regulären Berufen nachgehen, bleibt hierfür demnach nur die Ferienzeit. Also organisierte ich mir Hilfe um das Unterwasserschiff schnell flott zu bekommen. Auch das Deck wollte ich neu streichen bzw. ausbessern. Heiko, unser Seemann für alle Fälle, war wieder mit von der Partie. Neben einem neuen Antifouling sollten auch neue Batterien (die alten hatten allesamt ihren Geist aufgegeben – Ursache bleibt unbekannt) sowie ein N2K Netzwerk samt Ethernet Hub und UKW Funk mit DSC und GPS installiert und das Radar integriert werden. Der Motor musste gewartet werden und die Sanitärinstallation sollten um ein Puzzlestück ersetzt werden.

Bajus festes zu Hause und ihre Freunde

Das Unterwasserschiff

Sheik "ALeg" before the sun kills you

Die Arbeit wurde uns allerding erschwert.
Erstens durch das Wetter. Es war unglaublich heiß. Kaum auszuhalten. Ganz anders als wir es im Juli erfahren hatten, als wir mit Baju im Wasser lagen und in den Genuss der Brisen kamen, die regelmäßig durch das Schiff zogen. Auch war es im Juli ein paar Grad kälter gewesen. Jetzt, an Land
ohne Wind mit gleißender Sonne und nervtötenden Blutsaugern, kam mir das Atoll nicht mehr sehr paradiesisch vor. Arbeiten in der Sonne bedurfte entsprechender (Ver-)Kleidung und war mörderisch.

Zweitens
durch überraschend unbrauchbares Bordwerkzeug, das wir jetzt zum ersten mal wirklich in der Praxis testen konnten. Ausgeleiertes Bohrfutter, Flex ohne Drehzahlregulierung, etc. Das Abtragen der Antifouling / Primerreste wäre für uns selbst innerhalb der gesamten Aufenthaltsdauer derart kaum möglich gewesen.

 

Also rekrutierte ich Hilfe die das notwendige Werkzeug besaß, die allerdings nur bedingt verfügbar war – andere Aufträge waren vorranging und mussten ebenso fertiggestellt werden.  Nachdem sich Farben, Antifoulings und Primer im tropischen Klima nicht lange halten, und diese schon vor Ort zur Verarbeitung bereit standen, erteilte ich auch gleich den Auftrag das gesamte UW-Schiff fertig zu stellen. Diese heikle Arbeit hätte ich zwar lieber selbst ausgeführt, glaube mich aber doch in sehr guten Händen bei Tony, der gründlich zu arbeiten weiß.

 

Die Entfernung des vorherigen Antifoulings war bei unserer Abreise noch immer nicht völlig abgeschlossen. Die Fertigstellung wird demnach noch etwas dauern. Man bewegt sich schließlich in der Pacific-Time-Zone. Geduld ist gefragt. Bei der Hitze ist das Arbeiten in der Tat nicht leicht. In den Tuamotus lässt man sich nicht die Hektik und Tagesplanung anderer aufdrängen. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.  

Zum Antifouling: Kupfer und Aluminium vertragen sich bekanntlich nicht. Dennoch habe ich mich für Coppercoat entschieden. Mit der richtigen Isolierung (6-7 Lagen Primer) sollte, Erfahrungsberichten zufolge, keine erhöhte Gefahr der Korrosion bestehen. Dies spricht für Coppercoat:

  • Baju steht viel und lange trocken. Kaum ein Antifouling macht das mit. Coppercoat allerdings ist gegen längere Trockenzeiten immun.
  • In den Tropen ist der Bewuchs horrend. Stark toxische Substanzen sind glücklicherweise nicht mehr erlaubt. Verfügbare Alu-Antifoulings allerdings sind in diesem Klima nur mäßig wirksam. Coppercoat soll angeblich 10 Jahre und mehr volle und beste Funktionaliät gewährleisten. Bewuchs sei praktisch null.
  • Kupferepoxy ist absolut unbedenklich für die Umwelt. 

Und dies dagegen:

  • Es ist wirklich richtig teuer. Insbesondere wenn man es aus England nach FP versendet und 30 bis 40% Einfuhrsteuern darauf zahlen darf.  

Ich werde berichten, ob die Erwarten erfüllt wurde und sich die Investition lohnt. 

Mit der richtigen Planung und professionellen Verkäufern auf der Gegenseite die sich auch in der Logistik rund um Ihr Produkt gut auskennen, war der Versand kein Problem. Unvorhersehbare Änderungen an den Papieren und das Einfügen von verlangten Wortlauten durch den Zoll in Tahiti, konnten von Coppercoat schnell ausgeführt und nachgereicht werden. Die Abholung vom Zoll erfolgte über einen Agenten.

 

Nun könnte man ja denken, dass wir aufgrund des Outsourcings der Arbeit am UW-Schiff mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätten um die anderen Aufgaben zu erledigen. Weit gefehlt. Leider. Es erwartete uns eine weitere Überraschung.

Die Ruderanlage

Die Ruderanlage ließ sich keinen Zentimeter bewegen. Im Wasser wären wir komplett manövrierunfähig gewesen. Wir wollten uns die alten Lager anschauen und identifizierten sie sofort als Grund allen Übels. Also nichts wie runter damit. 4 Tage arbeiteten wir an der Extraktion.  Die Lager waren festgebacken und bewegten sich nur unter Zuhilfenahme grober Gewalt. Auch dann nur Milimeterweise. Ohne vernünftige Hebel, Zwingen und Schraubstöcke in ausreichenden Dimensionen, blieb uns nur mit einem Vorschlaghammer die Lager runter zu schlagen. Verschiedene schonendere Aufbauten wurden ausprobiert (wie der Gibel der Hütte oben und die Ausnutzung der Schwerkraft. Dies brachte leider nichts). Auch Schmiermittel von Silikon über WD40 brachten nicht den gewünschten Erfolg (sie verschlimmerten erstaunlicherweise das Problem nur noch). Wasser mit Spülmittel schien schlussendlich einigermaßen für Gleitfähigkeit zu sorgen.  
Leider zerstörten wir einen der Ruderkästen – die Nähte platzten auf (zu sehen auf den Fotos oben - linkes unteres Bild). Der Kasten muss nun zu einem Aluschweißer nach Tahiti (Alu schweißen kann nicht jeder). Ein eigenes Projektlein das noch einige Wochen an Kommunikation bedarf, so viel ist sicher.

Die Elektronik

Zu den anderen Punkten auf unserer Erledigungsliste: Das Netzwerk wie auch die Batterieinstalltionen bedurften einem Abbau vieler fest eingebauter Wände und Deckenverkleidungen. Der Rückbau am Ende war noch zeitaufwendiger als die Demontage. Die Elektroinstallationen entpuppten sich als mit der Zeit gewachsen statt vernünftig geplant und mussten erst einmal von Heiko entschlüsselt werden.

 

Das Netzwerk läuft. Die neue Lowrance UKW Funkanlage erkennt allerdings leider kein GPS Signal des kompatiblen Lowrance GPS-empfängers. Der Plotter hatte kein Problem mit dem GPS, was darauf schließen lässt, dass die Funkanlage ein Montagsgerät ist. Auch ein Softwareupdate (eingeplant und griffbereit auf der passenden SD Karte) konnte keine Abhilfe schaffen. Ein Ethernet-Kabel für das Radar und das Radarkabel selbst waren zu kurz (genaue Masse von Baju liegen mir leider nicht vor und so musste ich schätzen) und müssen beim nächsten Besuch installiert werden.  

 

Die Batterien wurden fachmännisch installiert und liefern nun viel Power für Kühlschrank und Elektronik. Die Organisation der neuen Batterien vom anderen Ende der Welt und der Transport auf das Atoll waren sehr zeitaufwändig gewesen und erforderten Wochen an Kommunikation und Klärung. Die Lieferung war aber vollständig und die Qualität gut. Es hatte sich also gelohnt.

 

Die Verpflegung

Auf der einfachen Werft in den Tuamotus gibt es nicht sehr viele Lebensmittel zu beziehen. Eier, manchmal Baguette, mit Glück eine Mango aus dem privaten Garten, Kokosnüsse und Regenwasser. Das Dorf hat zwar einen kleinen Laden, der ein etwas grösseres Sortiment führt. Er liegt jedoch auf der anderen Atollseite. Mit einem Segelbot an Land, ein nicht ganz einfach zu umschiffendes Hindernis. Daher bestellte ich bei einer Agentin in Tahiti die notwendige Verpflegung für 2 hart arbeitende Männer (Fleisch, Bier, und noch mehr Bier). Die Lebensmittel sollten zeitgleich mit uns am Atoll eintreffen. Ein Versorgungsschiff sollte die Waren liefern. 
Leider brauchen Emails nach Tahiti immer ein paar Tage bis sie beantwortet werden. Und so kann aus einem Emailwechsel zu Abklärungszwecken, der 5 oder 6 Iterationen beinhaltet schnell 3 Wochen Korrespondenz-Zeit werden. (Nachdem die erste Agentin nach 2 Wochen noch immer nicht geantwortet hatte, durfte ich feststellen, dass Sie ihren Job aufgegeben hatte. Somit war der Vorlauf für die Verpflegung bereits über einen Monat lang). 


Ich bekam trotzt mehrfacher Nachfrage nach einer Rechnung mit Aufstellung der Posten keine Details. Man würde noch an der Bestellung arbeiten. Schließlich, am Tag der Abreise erhielt ich eine Rechnung in französisch. Als Frankophob und bereits mit einem Bein im Flieger, ein weiteres Problem. Mit Schrecken stellte ich fest, dass einige Artikel nicht enthalten waren, allen voran das Bier. Dies teilte ich Heiko in LA mit, woraufhin Notanrufe seinerseits bei der Agentin erfolgten. Der Tag der Lieferung war schließlich 2 Tage nach unserer Ankunft. Glücklicherweise waren Trinkwasser und Bier in ausreichender Menge angekommen. Heiko wusste innerhalb weniger Sekunden wie viele Flaschen Bier pro Person und Tag zur Verfügung standen. Seine Begeisterung war sichtbar gedämpft. Wir hatten allerdings auch Saft und 2 Flaschen Rum für Sundowner zur Verfügung. Was soll ich sagen, wir kamen gut über die Runden.

 

Statt einer bestellten Dose Milchpulver erhielt ich einen Karton mit 40 bis 60 Dosen. Gleiches passierte mit der einen Packung Mehl. Statt 4 Steaks bekamen wir 6kg Entrecote aus Chile. Und statt 4 Dosen Tunfisch a 250g wurden die 4 größten 1kg Tunfischdosen geliefert die ich je gesehen hatte. Es gab demnach reichlich Tunfischpfannkuchen und Steakbaguette. Mit Zwiebeln versuchten wir Skorbut vorzubeugen. Und mit Alkohol ertränkten wir die aufkommende Monotonie der kulinarischen Erlebnisse. Kokosnuss wurde zu Variationszwecken eingesetzt. Einladungen bei der Familie der Werft zu bei Angelausflügen gefangenem Jackfisch und Marlin, eine Packung Spaghetti und Tomatenstücke in der Dose ließen uns dieses Abenteuer überstehen (Langzeitschäden bleiben abzuwarten).  
Das nächste Mal mache ich Fotos von den gewünschten Artikeln und sende alle Angaben in Gramm. Dann sollte auch die Verpflegung klappen.

Das Drumherum

Malochen kann man natürlich auch in weniger schönen Gegenden. Obwohl uns die Hitze diesmal zu viel war. Wir nutzen die 3 schönsten Stunden des Tages (5:30 bis 7:00 und 17:30 bis 19:00 Uhr) zum Schwimmen bei Sonnenauf- und untergang.

Sonnenaufgang. Der Mond ist noch am Himmel.
Schwimmen und Morgenwäsche in der Lagune
Auch untertags müssen wir uns abkühlen
Malerisch die Umgebung - doch die Arbeit ruft

Fazit: Das UW-Schiff wird in unserer Abwesenheit fertig gestellt. Die Ruderanlage muss ferngemanaged repariert und zurück gesendet werden und wird dann bei meiner nächsten Ankfuft installiert. Die Elektronik werde ich ebenfalls bei der nächsten Anreise vervollständigen. Das Deck wird erst einmal zurückgestellt. Ist ein Projekt für den kommenden Winter.

Der nächste Bericht kommt demanch in ein paar Monaten.

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Blauwasserleben: Baju in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Heike_Dorsch Copyrigt. Alle Rechte für Fotos und Texte obligen allein dem Autor. All rights reserved.